Geopolitik

Rede in Sydney: Kanadas Premier Carney ruft Mittelmächte zu Allianz auf

Kanadas Premierminister Mark Carney warnt in Australien vor Unterordnung unter USA und China. Bei einer Rede in Sydney wirbt er für eine geopolitische Strategie der Mittelmächte.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
2 Min
Kanadas Premier Mark Carney hält neue Bündnisse von Mittelmächten für notwendig.

Kanadas Premier Mark Carney hält neue Bündnisse von Mittelmächten für notwendig.

© Spencer Colby/Imago

Der kanadische Premierminister Mark Carney hat bei einer Rede am liberalen Thinktank Lowy-Institut in Sydney gewarnt, wirtschaftliche Verflechtung habe Mittelmächte wie Australien und Kanada in gefährliche Abhängigkeit von Großmächten gebracht. Beide Länder müssten sich zusammenschließen, um in Schlüsseltechnologien eigenständig zu werden, berichtet ABC News.

Carney griff Themen auf, die er bereits auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar behandelt hatte, als er die Nachkriegsordnung für „beendet“ erklärt hatte. Regierungen hätten Lieferketten aufgebaut, die Abhängigkeiten von Hegemonialmächten und Tech-Konzernen geschaffen hätten – etwa in Bereichen wie Künstlicher Intelligenz, Zahlungssystemen und sauberer Energietechnologie. Namentlich nannte der Politiker weder die USA noch China.

Statt aus einer Position der Schwäche mit Großmächten zu verhandeln, wolle Kanada „Ad-hoc-Koalitionen“ mit gleichgesinnten Staaten bilden. Eine Allianz aus Europa, Australien, Kanada, Japan und Südkorea habe ein größeres Bruttoinlandsprodukt als die USA und dreimal so hohe Handelsströme wie China.

Riskante Abhängigkeit im Verteidigungssektor

Australien und Kanada könnten gemeinsam „die größte Reserve kritischer Mineralien unter demokratischen Nationen“ bilden. Entsprechende Abkommen sollen bei seinem Besuch in Canberra unterzeichnet werden, wie ABC News berichtet. Zudem fließen rund 70 Prozent der kanadischen Verteidigungsausgaben an US-Unternehmen. Aus Risikomanagementperspektive sei das nicht sinnvoll, sagte Carney.

Im Umgang mit Donald Trump und Xi Jinping gab sich der Premier diplomatisch. Trump sei privat weniger konfrontativ, Xi habe ihn aufgefordert, Probleme direkt anzusprechen. Man orientiere sich an Australiens China-Ansatz: klare Trennung zwischen Kooperations- und Konfliktfeldern.

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Indien-Besuch und Nahostkonflikt

Zuvor hatte Carney Indien besucht, wo beide Seiten laut einer Mitteilung der kanadischen Regierung eine strategische Partnerschaft in Energie und Künstlicher Intelligenz vereinbarten. Handelsabkommen über fünf Milliarden Dollar wurden geschlossen, darunter ein 2,6-Milliarden-Dollar-Uranliefervertrag.

Zum Nahostkonflikt erklärte Carney, Kanada betrachte den Iran als Hauptquelle der Instabilität. Ottawa unterstütze Maßnahmen gegen Irans Atomwaffenprogramm, kritisiere aber, dass die USA und Israel ohne Konsultation ihrer Verbündeten gehandelt hätten. Kanada fordere eine rasche Deeskalation und den Schutz der Zivilbevölkerung.

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