Ukraine-Krieg

„Kann kein Zufall sein“: Ukraine meldet Starlink-Problem – Polens Außenminister droht Musk

Operationen der ukrainischen Armee werden nach Angaben aus Kiew durch eine neue Starlink-Grenze beeinträchtigt. Der Vorfall fällt in einen eskalierenden Konflikt mit Washington.

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Eine Starship-Rakete von SpaceX startet in Texas, um Starlink-Satelliten ins All zu bringen. Die Ukraine meldet Einschränkungen bei der militärischen Nutzung des Satelliteninternets.

Eine Starship-Rakete von SpaceX startet in Texas, um Starlink-Satelliten ins All zu bringen. Die Ukraine meldet Einschränkungen bei der militärischen Nutzung des Satelliteninternets.

© Brandon Bell/Getty Images/AFP

Die Nutzung des Satelliteninternets Starlink ist nach Angaben des ukrainischen Präsidentenberaters Serhij Beskrestnow in der Nacht zum Mittwoch ohne Vorwarnung eingeschränkt worden. Wie er auf Telegram mitteilte, betrifft die Änderung das militärische StarShield-Servicepaket: Bei einer Bewegungsgeschwindigkeit von mehr als rund 160 Kilometern pro Stunde fällt demnach die Verbindung aus. Mehrere ukrainische Militäreinsätze seien dadurch gestört worden.

Eine Quelle im ukrainischen 7. schnellen Reaktionskorps bestätigte am Mittwochmorgen gegenüber Reuters Störungen des Starlink-Betriebs. Das Korps ist an der südöstlichen Front eingesetzt. Wie viele Geräte und Missionen betroffen sind und wie lange die Einschränkung gelten soll, blieb zunächst offen.

Warum Starlink für die Ukraine wichtig ist

Starlink wird von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX betrieben. Das System verbindet kleine Empfangsterminals am Boden mit Satelliten, die in niedriger Höhe um die Erde kreisen. So entsteht ein Internetzugang, der ohne örtliche Mobilfunkmasten oder intakte Telefonleitungen auskommt. Die Terminals benötigen allerdings Strom und eine möglichst freie Sicht zum Himmel.

Für die Ukraine ist das entscheidend: Russische Angriffe zerstören regelmäßig Strom- und Kommunikationsnetze. Starlink ermöglicht Truppen, trotzdem Informationen auszutauschen und Einsätze zu koordinieren. Auch bestimmte Drohnen nutzen die Satellitenverbindung, um Bilddaten zu übertragen und Steuerbefehle zu empfangen.

Die gemeldete Einschränkung betrifft die Geschwindigkeit, mit der sich ein Terminal bewegt, nicht die Geschwindigkeit des Internets. Besonders relevant ist das für schnelle Drohnen mit eingebautem Starlink-Gerät. Der Kyiv Independent berichtet, dass die Ukraine solche Verbindungen etwa für Angriffe auf russische Logistik im besetzten Gebiet nutzt. Eine Unterbrechung kann die Steuerung und damit einen Einsatz beeinträchtigen.

Streit mit Trump nach Diesel-Deal

Die Einschränkung fällt in einen eskalierenden Konflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Auslöser des Streits ist Trumps Vereinbarung mit Russlands Präsident Wladimir Putin über russische Diesellieferungen. Washington will damit das Treibstoffangebot erhöhen und Preise senken. Selenskyj kritisierte den Deal als Zeichen amerikanischer Schwäche: Er verschaffe Moskau zusätzliche Einnahmen und helfe Russland, den Krieg fortzusetzen.

Am 10. Oktober forderte Trump daraufhin einen neuen ukrainischen Präsidenten. Wie ABC News berichtete, warf er Selenskyj vor, Möglichkeiten für einen Friedensschluss ungenutzt zu lassen. Zugleich beschuldigte er ihn, mit fortgesetzten Angriffen auf russische Raffinerien die weltweite Dieselknappheit und hohe Preise zu verschärfen. Trump hatte Kiew bereits zuvor aufgefordert, diese Angriffe einzustellen.

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Die ukrainischen Angriffe sollen Russlands Treibstoffversorgung und Kriegswirtschaft schwächen, können aber zugleich die für den Export verfügbare Dieselmenge verringern. SpaceX-Chef Elon Musk stellte sich hinter Trumps Kritik: Einen vom Weißen Haus veröffentlichten Videoausschnitt kommentierte er auf X mit den Worten, Selenskyj sei „zu weit gegangen“. In dem Clip ging es um Trumps Vorwürfe gegen Selenskyj und seine Forderung nach einem neuen Präsidenten. Welchen konkreten Vorwurf er damit meinte, erläuterte Musk nicht.

Selenskyj hatte seinerseits mehrfach öffentlich angeboten, auf Raffinerieangriffe zu verzichten, wenn Russland im Gegenzug die ukrainische Energieinfrastruktur verschont. Am 11. Oktober verkündete Trump eine „Energie-Waffenruhe“. Kiew erklärte jedoch, davon zunächst nur aus den sozialen Medien erfahren zu haben. Informationen über die angebliche Vereinbarung habe die ukrainische Führung nicht erhalten.

Laut dem Kyiv Independent hat die Ukraine seither auf Raffinerieangriffe verzichtet, während Russland weiter ukrainische Energieanlagen beschoss. Das Medium berichtete zudem, Washington habe Kiew gedroht, Geheimdienstinformationen und „weitere Unterstützung“ zurückzuhalten, um einen Stopp der Angriffe auf russische Raffinerien durchzusetzen. Daraufhin hatten Medien bereits spekuliert, dass dies auch Starlink betreffen könnte.

Politischer Zusammenhang bislang unbelegt

Beskrestnow jedenfalls vermutet hinter der Starlink-Einschränkung politischen Druck. „Diese Maßnahme kann kein Zufall sein“, erklärte er am Mittwoch. Sie stehe offenbar im Zusammenhang mit der „politischen Situation“.

Auch der ukrainische Aktivist und frühere Verteidigungsministerberater Serhij Sternenko äußerte auf Telegram den Verdacht, SpaceX habe auf Wunsch der Trump-Regierung gehandelt. Belege für eine solche Anweisung legten beide nicht vor. Auch eine entsprechende Bestätigung aus Washington oder von SpaceX gibt es bislang nicht.

Polens Außenminister Radosław Sikorski warf Musk angesichts der gemeldeten Einschränkungen ebenfalls vor, seine Produkte für politische Zwecke einzusetzen. „Spielst du mit deinen Produkten wieder Politik?“, fragte er den Unternehmer auf X. „Als deine europäischen Kunden beobachten wir dich“, fügte Sikorski hinzu.

Noch am 12. Oktober hatte Beskrestnow laut UNN Gerüchte über eine bevorstehende Starlink-Abschaltung zurückgewiesen und die Beziehungen zu SpaceX als gut und stabil bezeichnet.

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