POTSDAM. Wenn demnächst ein Zugbegleiter besonders zuvorkommend reagiert oder der Fahrplan mal wieder kräftig überarbeitet wird, dann könnte dafür die neue Führungsakademie der Deutschen Bahn verantwortlich sein. "Ein ganz besonderer Geist" solle vom einstigen Kaiserbahnhof ausgehen, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Donnerstag zur Eröffnung des in nur zwei Jahren komplett sanierten und erweiterten Gebäudes. Alle 1 200 so genannten Führungskräfte der Bahn sollen dort zweimal im Jahr geschult und trainiert werden.Der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. hatte sich den Bahnhof im Jahr 1909 bauen lassen, weil der Monarch seinerzeit neben dem Berliner Stadtschloss noch viel lieber im Neuen Palais in Potsdam weilte. Ein Privatbahnhof im englischen Landhaus-Stil entstand mit Extra-Gleis, das von der eigentlichen Bahntrasse abzweigt. Allerdings konnte der Kaiser den Bahnhof nur noch wenige Jahre nutzen, denn 1918 musste er abdanken und entschwand ins holländische Exil. Danach verfiel der Bahnhof langsam, aber stetig. Nach der Wende wollte das Land Brandenburg in dem Gebäude dann die Potsdamer Universitätsbibliothek einrichten. Doch dafür war dann doch kein Geld übrig. Stattdessen überredete der damalige Potsdamer Regierungschef Manfred Stolpe den Bahnchef Mehdorn bei einem Arbeitstreffen vor drei Jahren dazu, den Kaiserbahnhof wieder vom Land Brandenburg zu übernehmen. "Stolpe als Dornröschen und Mehdorn als Prinz", scherzte Bundeskanzler Gerhard Schröder am Donnerstag.Mehdorn akzeptierte und für fast 30 Millionen Euro richtete die Bahn den alten Kaiserbahnhof wieder her: Der Kaisersaal im Erdgeschoss erhielt wieder eine Rundum-Holztäfelung und das Restaurant den nötigen Stuck an die Decke. Und selbst der alte Kaiser Wilhelm ist wieder da, mit Helm, zackigem Blick und gezwirbeltem Schnurrbart - allerdings nur auf einem Bild von 1898, das der 28-jährige Prinz Georg Friedrich von Preußen, heute Chef des Hauses Hohenzollern, beisteuerte. "Herr Mehdorn fragte mich nach einem Bild und ich sagte ihm, dass bei uns auf dem Dachboden sicher noch so etwas herumliegt", sagte der junge Hohenzollern-Chef, der heute wohl selbst Kaiser wäre, gäbe es die Monarchie in Deutschland noch. Auf dem Hohenzollern-Stammsitz in Hechingen fand sich das Ferraris-Bild, und Mehdorn ließ es mit einem bahneigenem Transporter abholen.Beeindruckend ist die 88 Meter lange, mit Schiefer gedeckte Bahnsteighalle. Hier wurde ein Salonwagen der Kaiserin Auguste Victoria aus dem Jahr 1901 sowie ein preußischer Schnellzugwagen aus dem Jahr 1912 platziert. Innen wurden die Züge teilweise zu modernen Seminarräumen ausgebaut.Die eigentlichen Seminarräume befinden sich allerdings im Bahnhofsgebäude unter der Erde. Die Wände dort mussten mit 130 Ankern von 15 Metern Länge gesichert werden. Unterirdisch liegt auch das Auditorium für 170 Personen, das laut Bahn "wie ein klassisches Amphitheater" gestaltet ist. Insgesamt 6 000 Quadratmeter Platz gibt es im sanierten Kaiserbahnhof. "Meine Mitarbeiter haben hier inmitten von Parks die nötige Ruhe - und können mit der Bahn anreisen", sagte Mehdorn. Ministerpräsident Matthias Platzeck fügte hinzu: "Der Härtetest für die Führungskräfte fängt also schon in der nullten Stunde an, wenn sie sich alle ein Bahnticket kaufen müssen, um hierher zu kommen." Wohnen werden die Bahnmanager wohl im nahen Parkhotel. Eigene Boarding-Häuser durfte die Bahn hier nicht errichten. Die Schlösserstiftung war strikt dagegen, gehört der Kaiserbahnhof doch zum Weltkulturerbe.Der so genannte Bürgerbahnhof gleich nebenan, ein Fachwerkbau von 1869 direkt am heutigen Bahnhof Potsdam Park Sanssouci gelegen, verfällt indes weiter. Mehdorn hatte in einem cholerischen Moment schon den Abriss des Bürgerbahnhofes gefordert. Die Stadt hingegen will, dass die Bahn sich auch dieses Bahnhofs annimmt.------------------------------Wechselnde HausherrenErbaut: Kaiser Wilhelm II. hatte den Bahnhof 1909 von Architekt Ernst Eberhard von Ihne errichten lassen.Abdankung: Nach dem Sturz der Monarchie 1918 verlor das Gebäude seine ursprüngliche Bedeutung. In der NS-Zeit wurde das Areal militärisch genutzt. Reichsluftmarschall Göring platzierte hier seinen Sonderzug.Russenbahnhof: Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Bahnhof Endstation für den "Blauen Express", einen nach Moskau verkehrenden Urlaubszug für sowjetische Offiziere. Später nutzte die DDR-Reichsbahn das Gebäude, das 1977 wegen Baufälligkeit geschlossen wurde.Nach der Wende: Das Land Brandenburg übernahm das Gebäude, nun Weltkulturerbe, und gab es vor drei Jahren an die Bahn zurück.------------------------------Foto: Im Kaiserbahnhof: Preußenprinz Georg Friedrich vor einem historischen Zug.------------------------------Foto: Das ist kein englisches Landhaus: Der sanierte Kaiserbahnhof am Schlosspark Sanssouci dient nun als Schulungszentrum für Bahnmanager.
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