Kommentar

Kapitalboost für Gorillas: Der Markt schert sich nicht um soziale Fragen

Der Lieferdienst hat in seiner dritten Finanzierungsrunde knapp eine Milliarde Dollar eingetrieben. Die Belange der Belegschaft sind Investoren piepegal.

Antonia Groß
2 Min
Ein Kurier vor einem Warendepot des Schnelllieferdienstes Gorillas.

Ein Kurier vor einem Warendepot des Schnelllieferdienstes Gorillas.

© imago

Oder ob das große öffentliche Interesse an den miesen Arbeitsbedingungen der Beschäftigten nicht doch auf die Großzügigkeit der Investoren hätte Einfluss nehmen können. Ob sie nach den massenhaften Kündigungen Hunderter Kuriere zu Anfang dieses Monats – trotz des Versprechens von Lieferdienst-Chef Kağan Sümer, niemanden wegen eines Streiks zu feuern – das Kapital nicht an Bedingungen hätten knüpfen können. Hätte, hätte.

Investoren belohnen große Worte vor sozialen Fragen

So läuft es aber nicht, wenigstens nicht öffentlich. Denn nicht nur ist die eine Milliarde Dollar, die der Lieferdienst in seiner jüngsten Finanzierungsrunde einsackte, die größte Summe, die ein nicht börsennotiertes Unternehmen in der europäischen Liefer-Branche je in einer Finanzierungsrunde eingesackt hat. Auch schlechte Werbung tut ihren Dienst.

Obendrein sollen mit dem neuen Kapital der internationale Markt erobert, die Infrastruktur ausgebaut, mehr Marketing und ein „hervorragendes Kundenerlebnis“ erreicht werden. Und die Forderungen der Beschäftigten? Man wolle das „Personalwesen stärken und weiter ausbauen, um die Bedürfnisse unserer MitarbeiterInnen noch besser adressieren zu können“, sagt ein Sprecher. Konkreter wird es nicht.

„Wir haben etwas geschaffen, das größer ist als wir selbst“, sagte Sümer am Dienstagmorgen zu Angestellten in einem Videocall. Kein Wort zu den Gekündigten, kein Wort zu Streiks und Lohnverzögerungen. Was hier passiert, wirkt wie ein Warmlaufen für die Marktvormacht. Die Investoren haben sich – für den Moment – entschieden. Der Markt belohnt die großen Worte, die Belange von Beschäftigten sind ihm piepegal.

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