WASSER I: Die Kroatische Trachtengruppe hatte es in Flaschen dabei, am Südstern ließ ein Caipirinha-Verkäufer es aus einem Gartenschlauch niederregnen: Wasser als Kühlmittel war am Sonntag unverzichtbar. Am Mehringdamm gossen Anwohner ganze Eimer voll vom Balkon im zweiten Stock.WASSER II: Drei Stände hatten die Berliner Wasser-Betriebe aufgebaut, die Helfer kamen mit dem Austeilen von Plastikbechern voller Wasser kaum hinterher. Über 30 000 Gratis-Portionen wurden verteilt, das Wasser stammte aus Feuerwehr-Hydranten, an die Zapfanlagen angeschlossen wurden. KÖLN-BERLIN: Eine Gruppe echter Kölner Karnevalisten begleitete den bunten Zug durch Kreuzberg. Sie kamen von einem alternativen Kölner Karnevalsverein. Fröhlich warfen sie Kamellen ins Publikum. "Kölner übernehmen Berliner Karneval" hatte prompt eine Kölner Zeitung getitelt. Ganz so schlimm kam es dann doch nicht. KOSTÜME: Die einen schwitzten unter Masken aus Pappmaschee, die anderen in mehrlagigen Trachtenkleidern. Richtig angezogen waren nur wenige der Akteure, wie zum Beispiel die Mädchen von der Gruppe Chamanes Colombia. Ihre Kostüme zum Thema Metamorphosen bestanden nur aus einem Tanga und sehr viel Körperschminke. TRABI: "Bombelino" hieß der wohl kleinste Umzugs-Wagen: Der Trabi einer Clown-Gruppe aus Bad Langensalza in Thüringen war über und über beklebt, bemalt und anderweitig hübsch dekoriert. Wie der Clown am Steuer ("Wir sind vom Planeten Bombelino") sich durch die vor ihm baumelnden Püppchen und Fähnchen orientieren konnte, blieb rätselhaft. Das Wunder war für viele Zuschauer jedoch, wie der Wagen durch den TÜV kam.KARTOFFEL: Mit einem Leichenwagen Marke Fiat nahm die Berliner Künstler-Gruppe "Sack Kartoffel" an dem Umzug teil. Die Kreativen wollten mit ihrer Teilnahme inmitten der multikulturellen Gruppen das wahre Deutschtum ergründen. Das Ergebnis war eigentümlich, aber sehenswert: Hinter dem Leichenwagen gezogen wurden Kinderschlitten auf Rädern sowie ein Priester auf einem thronähnlichen Sessel. Gruppenmitglieder verteilten rohe Kartoffeln an die Zuschauer.HALTUNGSNOTEN: Sie saßen bei Obst und Getränken im Schatten, hatten es aber trotzdem nicht leicht: Die acht Mitglieder der Jury mussten alle 105 Formationen fair bewerten und ihre Noten in den einzelnen Kategorien in komplizierte Listen eintragen. Trotzdem herrschte auf der Jury-Tribüne beste Stimmung, viele Gruppen rissen die Juroren zu Standing Ovations hin. "Das ist anstrengend - das Benoten selbst fällt mir leicht, das ist ja mein Beruf", sagte Rainer Ernst, der Direktor der Kunsthochschule Weißensee.GESCHENKT: Geschenke von Sponsoren gab es wenige abzustauben entlang der Umzugs-Strecke. Dafür waren viele Schaulustige umso spendabler: Sonnenmilch wurde ausgeteilt und Melonenstücke wurden verschenkt. Ein älterer Herr verteilte Eiswürfel an die Umstehenden - zum Dran-Lutschen oder In-Den-Nacken-Stecken.NEULINGE: Von den 105 Formatione mit insgeamt 4 000 Teilnehmern waren 30 zum ersten Mal beim Karneval dabei. Zum Umzug gehörten 97 Fahrzeuge, darunter waren elf Sattelschlepper. (puz.)
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