Militarisierung

Nach massiven Protesten: Bundeswehr verzichtet auf Brocken-Camp

Ein geplantes Karrierecamp der Bundeswehr auf dem Brocken wurde nach massiven Protesten abgesagt. Wie es dazu kam, erfahren Sie hier.

OAZ
3 Min
Auf dem Gipfelplateau des Brocken findet nun doch keine Werbeveranstaltung der Bundeswehr statt.

Auf dem Gipfelplateau des Brocken findet nun doch keine Werbeveranstaltung der Bundeswehr statt.

© Christian Grube/ARCHEOPIX/IMAGO

Die Bundeswehr hat ihre Pläne für ein Karrierecamp auf dem Brocken im Mai 2026 endgültig abgesagt, nachdem es zuvor zu monatelangen Protesten und Kritik seitens Naturschutzorganisationen und der Nationalparkverwaltung gekommen war. Der höchste Gipfel im Harz sollte ursprünglich als Schauplatz für eine groß angelegte Nachwuchswerbung dienen, doch der Widerstand gegen das Vorhaben war am Ende wohl zu groß.

Die Planung sah vor, dass etwa 30 Soldaten auf dem Plateau des Brockens Infostände errichten, Technik präsentieren und Schulklassen gezielt zu Informationsveranstaltungen einladen. Hubschrauberlandungen und Tiefflüge waren zunächst Teil des Konzepts, wurden aber nach massivem Gegenwind von Kritikern bereits im Januar gestrichen. Auch Panzer und größere Kettenfahrzeuge sollten nicht zum Einsatz kommen, wie ein Sprecher der Bundeswehr betonte. Trotzdem hielt die Kritik an der Wahl des Veranstaltungsortes an. Die Brockenkuppe gehört zur Kernzone des Nationalparks Harz und ist Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten, darunter die geschützten Nord- und Zweifarbfledermäuse sowie die Ringdrossel.

Besonders laut wurden die Stimmen aus dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Sachsen-Anhalt und der Nationalparkverwaltung Harz. Beide Organisationen forderten eine Verlegung der Veranstaltung und wiesen auf die potenziellen Gefahren hin, die das Camp für die sensible Vegetation und die Brutplätze bedrohter Arten bedeuten könnte. Christian Kunz, Geschäftsführer des BUND, erklärte, dass es unverantwortlich sei, ein militärisches Werbeevent in einem Nationalpark abzuhalten. Er appellierte an das Verteidigungsministerium, einen alternativen Standort zu wählen. Kritiker erinnerten auch daran, dass der Gipfel bis 1989 militärisches Sperrgebiet war und der Abzug des Militärs damals als „Befreiung“ empfunden wurde.

Landrat zeigt sich enttäuscht

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Die öffentliche Ablehnung zeigte sich auch in der breiten Unterstützung für eine Petition gegen das Camp. Innerhalb weniger Wochen sammelte die Initiative „Nein zum geplanten Bundeswehr-Camp auf dem Brocken!“ mehr als 14.500 Unterschriften, die Ende Februar dem Landrat des Landkreises Harz, Thomas Balcerowski (CDU), übergeben wurden.

Der Landrat selbst hatte das Projekt stets unterstützt und argumentiert, die Bundeswehr gehöre „in die Mitte der Gesellschaft“. Er bot der Armee sogar an, die Kreisliegenschaften auf dem Brockengipfel kostenlos zu nutzen, sofern alle behördlichen Auflagen erfüllt würden. Ein Sprecher der Bundeswehr erklärte nun allerdings, die Durchführung des Bundeswehr-Karrierecamps sei „unter den derzeit gegebenen Rahmenbedingungen nicht möglich“. Weitere Erklärungen für den Rückzug lieferte die Bundeswehr nicht.

Thomas Balcerowski zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung und sprach von einem Szenario, in dem es „nur Verlierer“ gebe. Er behauptete zudem, es seien „Fehlinformationen“ im Umlauf gewesen, die zu den Protesten geführt hätten. Die Bundeswehr könne ihre Nachwuchswerbung nicht wie geplant umsetzen. Nun wird dem Landrat zufolge auch befürchtet, dass sich die Bundeswehr aus der Brandbekämpfung im Harz zurückzieht.

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