KARSTADT - Der Insolvenzverwalter hat den Gläubigern seinen Sanierungsplan vorgestellt. Sechs Warenhäuser müssen schließen. Zugleich wächst die Hoffnung auf einen Erhalt der übrigen Standorte.

"Wir haben immer alles gegeben"

Annika Joeres
3 Min

ESSEN. Eine bittere Veranstaltung war die Gläubigerversammlung für ehemalige Mitarbeiter oder Lieferanten des Karstadt-Konzerns.----Der Rentner: Der Karstadt-Konzern, sagt Hans Dieter Friedrich (61) aufgebracht, schulde ihm "unbesorgte Rentnerjahre". Der hagere Mann hatte sich schon längst von seinem Arbeitgeber verabschiedet: Gegen eine Abfindung gab er im vergangenen Jahr freiwillig seinen Job im Archiv der Essener Hauptverwaltung auf. "Dafür wurde mir persönlich gedankt", sagt er entrüstet. Doch bis heute hat er keinen Cent erhalten: Weil er schon 21 Jahre bei Karstadt angestellt war, lief die Kündigungsfrist erst Ende Juni aus - zwei Wochen nach der Insolvenzanmeldung. "Ich bin auf das Geld angewiesen", sagt er. Im kommenden Jahr erhält er mit dem Arbeitslosengeld nur noch 60 Prozent seines bisherigen Lohnes.Die Lieferantin: Thomas P. ist in anonymer Mission auf der Gläubigerversammlung. "Meine Mandantin stellt hochpreisige Kosmetikwaren her", sagt der Mann mit dem korrekten Scheitel und dem dunklen Anzug. Sie möchte nicht mit dem kriselnden Karstadt-Konzern in Verbindung gebracht werden. Dabei schuldet ihr das Unternehmen rund 500 Millionen Euro für Waren, die sie in ganz Deutschland ausgeliefert hat. "Die Produkte in den Kaufhäusern gehören im Prinzip noch uns", so der Jurist. Denn bislang wurde für die Lieferungen des ersten Halbjahres nicht bezahlt. "Alles, was wir bekommen haben, sind formalisierte Anschreiben des Insolvenzverwalters." Er habe den Eindruck, die Gläubiger würden bewusst im Unklaren gelassen. Für seine Mandantin ist ein Weiterleben des Konzerns trotzdem alternativlos: "Die größte Angst ist, dass die Luxuswaren bei einem Ausverkauf als Ramsch angeboten werden."Die Mitarbeiterin: Sogar einen Tag Urlaub hat Beate Güllner sich genommen, um "zu gucken, ob ich noch Chancen auf mein Geld habe". Denn bislang hat sie in ihrem Reisebüro abends und am Wochenende unentgeltlich gearbeitet: Mehr als 1 000 Euro schuldet ihr der Essener Karstadt-Konzern für in diesem Jahr gemachte Überstunden. Auch ihre Kolleginnen haben noch ein Anrecht auf Weihnachtsgeld und Leistungsboni. Gebündelt haben sie ihre Forderungen an einen Bevollmächtigten gestellt. "Wir haben immer alles gegeben", sagt die 55-Jährige mit den blond gesträhnten Haaren und der Schmetterlingsbrille. Immer - das bedeutet in ihrem Fall tatsächlich fast das ganze Leben. Mit 15 Jahren wurde sie in einem Karstadt-Reisebüro zur Reisebürokauffrau ausgebildet und arbeitet seit vier Jahrzehnten bei Karstadt. "Früher war das so sicher wie ein Beamtenjob", sagt Beate Güllner. (ajo.)

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