Urteil

Katastrophen-Helfer: Serkan Eren im Iran zu zehn Jahren Haft verurteilt

Der Leiter der Organisation Stelp reiste 2025 für einen Einsatz in das Land. Politik und Prominente fordern die Freilassung.

Cedric Rehman
Cedric Rehman
5 Min
Serkan Eren ist Gründer der Hilfsorganisation Stelp und sitzt derzeit im Iran fest.

Serkan Eren ist Gründer der Hilfsorganisation Stelp und sitzt derzeit im Iran fest.

© Stelp e. V.

Der Rapper Kool Savas hält auf Instagram nicht mit seinen Gefühlen zurück. „Wir denken an dich und lieben dich, Bruder“, verkündet Savas auf der Video-Plattform. Die Nachricht vom Urteil gegen den Stuttgarter Katastrophen-Helfer Serkan Eren im Iran hat sich schnell in den sozialen Medien verbreitet.

Ein iranisches Gericht verurteilte den Gründer der in Kriegsgebieten wie dem Jemen oder der Ukraine Hilfe leistenden Organisation Stelp zu zehn Jahren Haft. Laut Angaben von Stelp begründeten die Richter das Urteil mit angeblichen Kontakten Erens zu einem mit Iran verfeindeten Staat.

Die Liste der prominenten Unterstützer nach dem Urteil im Iran ist lang. Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Timo Hildebrandt und der Musiker Max Herre äußerten unter anderem ihre Bestürzung.

Özdemir will für Freilassung kämpfen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und der Präsident des Landtags in Stuttgart, Thomas Strobl (CDU), gaben eine gemeinsame Erklärung ab. Die Politiker der grün-schwarzen Landesregierung bezeichneten Erens Verurteilung als „schreckliche Nachricht für Baden-Württemberg“. Özdemir kündigte an, sich für die sofortige Freilassung des Stuttgarter Helfers einzusetzen.

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Der Ball liegt allerdings bei den Behörden in der Türkei. Der 42-jährige in Stuttgart geborene Helfer hat einen türkischen Pass. Das Auswärtige Amt in Berlin hält sich offiziell zurück. Unterstützer Erens kritisieren die Haltung des Ministeriums. Sie verweisen unter anderem darauf, dass Eren 2023 das Bundesverdienstkreuz am Bande für seine Einsätze in Kriegs- und Katastrophengebieten erhielt.

Eren reiste nach dem Beginn des sogenannten Zwölf-Tage-Krieges zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025 über die türkisch-iranische Grenze für einen Hilfseinsatz ein. Unklar ist, ob er zuvor ein für humanitäre Projekte vorgesehenes Visum im Iran beantragt hat oder als Tourist die Grenze überquerte. Die Organisation Stelp macht dazu keine Angaben.

Eren sollte der ARD ein Interview geben

Der Kontakt zu Eren riss Ende Juni 2025 ab. Der Helfer berichtete Medien in Deutschland, unter anderem der Berliner Zeitung, über die Lage im Iran. Eren verschwand vor einer geplanten Live-Schalte mit der ARD spurlos.

Einige Wochen herrschte Ungewissheit über das Schicksal des Helfers. Seine Organisation Stelp bestätigte im September 2025 den Gewahrsam des Gründers in einem iranischen Gefängnis. Über die Haftbedingungen ist nichts bekannt.

Unklar sind auch die Umstände der Verhaftung Erens und des Urteils gegen ihn. Seine Organisation hilft in unterschiedlichen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, Afrikas, Asiens und Europas. Darunter befinden sich auch Länder wie die Ukraine oder das von den Taliban beherrschte Afghanistan, die der Iran als feindlich betrachten könnte.

Die Umstände des Urteils sind unklar

Auch das Verhältnis Irans zu Deutschland ist an einem Tiefpunkt. Die Beziehungen Teherans zu Ankara gelten als ambivalent und von Misstrauen geprägt. Die Türkei ist in der Nato und hat jüngst einen Militärpakt mit Pakistan und Irans Rivalen Saudi-Arabien geschlossen.

Westliche Regierungen werfen dem Iran seit Jahrzehnten eine sogenannte Geiseldiplomatie vor. Der Vorwurf geht zurück auf die Erstürmung der US-Botschaft in Teheran 1979 durch Anhänger der Islamischen Revolution. 52 US-Diplomaten wurden 444 Tage lang festgehalten.

Iranische Behörden verhafteten in den vergangenen Jahren immer wieder Doppelstaatler mit einem westlichen und iranischen Pass. Bekannt ist unter anderem der Fall des 2020 in den Iran entführten und 2024 hingerichteten Deutsch-Iraners Jamshid Sharmahd.

Doppelstaatler waren in Haft

Die britisch-iranische Helferin Nazanin Zaghari-Ratcliffe wurde 2016 bei der Ausreise aus dem Iran verhaftet und kam 2022 frei. Bekannt ist, dass Großbritannien 2022 Schulden gegenüber dem Iran in Höhe von 400 Millionen Pfund beglich.

Aber auch Bürger westlicher Länder ohne iranischen Zweit-Pass wurden in den vergangenen Jahren im Iran festgenommen und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, unter anderem mehrere französische Touristen. Der belgische Entwicklungshelfer Olivier Vandecasteele wurde 2023 nach mehr als einem Jahr Haft gegen einen in Belgien im Gefängnis sitzenden iranischen Diplomaten ausgetauscht.

Erens 2016 in Stuttgart gegründete Organisation Stelp setzt die mit Spenden finanzierten Projekte in unterschiedlichen Ländern fort. Sie ging aus einer 2015 von Eren ins Leben gerufenen Initiative zur Unterstützung von Geflüchteten auf der Balkanroute hervor. Er arbeitete damals in Stuttgart als Sportlehrer.

Erens Organisation setzt Projekte fort

Stelp wirbt damit, Spendengelder ausschließlich für humanitäre Hilfe auszugeben und Kosten etwa für Gehälter oder Mieten durch Mitgliedsbeiträge und Sponsoren zu erwirtschaften. Die Organisation stemmt auch kurzfristige Hilfseinsätze. Helfer reisen oft schon 24 Stunden nach einer Katastrophe oder dem Beginn eines Krieges in eine Krisenregion. Eren war bis zu seiner Verhaftung 2025 im Iran immer dabei.

Der Helfer sorgte mit zum Teil spektakulären Einsätzen für Aufmerksamkeit in den Medien. So reiste er nach Beginn des russischen Angriffs in die Ukraine oder brachte 2024 Hilfsgüter in das von den Huthis kontrollierte Gebiet des Jemen. Er ging dabei auch persönliche Risiken ein.

Eren gilt als guter Netzwerker. Er zeigte gegenüber der Wirtschaft, Prominenten-Szene und Politikern unterschiedlicher Couleur keine Berührungsängste. Er nutzte vor seiner Verhaftung im Iran seine vielfältigen Kontakte für seine Hilfsprojekte. Nun hoffen viele, dass sie dabei nützlich sind, dem Helfer die Freiheit wiederzugeben.

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