Der Weltkatastrophenbericht des Roten Kreuzes bringt es zu Tage: Humanitäre Katastrophen durch Dürre oder Flut, Erd- oder Seebeben, Krieg oder Vertreibung genießen in unserer Welt unterschiedliche Aufmerksamkeit. Denn während der Spendenbedarf für die Hungernden in Djibouti oder die Flüchtlinge im Kongo zu nicht einmal 40 Prozent gedeckt werden konnte, wurden den Opfern des pakistanischen Erdbebens doppelt so viel Geld gespendet wie benötigt. Die südasiatischen Tsunami-Gebiete erreichte sogar fast das Fünffache der veranschlagten Summe.Zurecht macht das Internationale Rote Kreuz für diese Ungerechtigkeit auch die Medien verantwortlich. Denn medienwirksam ist eine Krise nur dann, wenn sie plötzlich, unvorhergesehen und möglichst tödlich daherkommt. Dann aber überschattet die eine große Katastrophe Dutzende anderer kleiner, schleichender Krisen. Die ungleiche Berichterstattung führt also zu einer ungerechten Verteilung der Hilfsleistungen. Dabei könnte ein erweiterter Fokus der Medien auch die Politik dazu bringen, sich mit der Verteilung von Geldern leichter zu tun. Aber auch die Politik darf sich natürlich nicht zurücklehnen und warten, bis die Medien ihr die zu behandelnden Krisen auf dem Silbertablett servieren. Denn würde die Bundesrepublik endlich die von der OECD geforderten 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungszusammenarbeit bereitstellen, wäre allgemein mehr Geld da - um auch "vergessene Katastrophen" angemessen zu bedenken.
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