Das einst schönste Gesicht des Sozialismus will einem etwas weniger attraktiven Stück Heimat helfen: Katarina Witt, zweifache Olympiasiegerin im Eiskunstlaufen, widmet ihre neueste Kollektion den Glasmachern aus der Lausitz. Mit den in der Glashütte Döbern hergestellten Gläsern, Schalen und Kerzenständern will die Eisprinzessin helfen, vor allem auf dem US-Markt Kunden zu gewinnen. Das ist gut für Katarina Witts Geschäft. Doch ob von dem verspäteten Aufbau-Ost-Einsatz der Kurvenkünstlerin auch die traditionsreiche Glasmachergegend um Döbern und Weißwasser profitieren wird, muss wohl erst noch abgewartet werden. Immerhin, so etwas Attraktives wie Katarina Witt gab es lange nicht in den Lausitzer Glasmacher-Städten. Im Gegensatz zur Chiphauptstadt Dresden oder zu der für Ostverhältnisse boomenden Region um Leipzig gehört die Glasmacherbranche in der Lausitz seit der Wiedervereinigung zu den Gegenden, die eher für den Abbau Ost stehen. Nur wenig ist übrig geblieben von der einst weltweit bekannten Glasmacherkunst mit etlichen Betrieben und Tausenden von Arbeitsplätzen. Nur wenige hundert Menschen werden heute dort noch im Glashandwerk beschäftigt. Einst galt das sächsische Weißwasser als Hauptstadt der Glasbläser - anno 2004 ist die Stadt mit 40 Prozent Abwanderung und 26 Prozent offizieller Arbeitslosigkeit abgehängt vom Aufschwung in Sachsen. Obwohl das Land 2004 neben Bayern zu den bundesweiten Spitzenreitern beim Wirtschaftswachstum zählt. Davon spüren die Weißwasseraner wenig. Sie können sich getrost als Opfer einer Politik der Ausrichtung auf Wirtschaftskerne betrachten, die von der sächsischen Landesregierung am konsequentesten in Ostdeutschland betrieben und nun auch von Aufbau-Ost-Minister Manfred Stolpe (SPD) verfolgt wird. Diese Politik war in Sachsen zwar erfolgreich, hat aber auch Schattenseiten. Siehe Weißwasser. Katarina Witts Einsatz für das Handwerk in der Region ist aller Ehren wert. Doch es ist nicht mehr als eine Kür. Bund und Länder bleiben dagegen noch lange in der Pflicht.
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