Kaum ein Botschafter besucht so viele Partys wie Vladimir Kotenev - heute lädt er selbst zum Ball

Diplomat in Gesellschaft

Andreas Kurtz
3 Min

Wer erst jetzt sein Interesse an dieser rauschenden Ballnacht entdeckt, der kommt viel zu spät. Russlands Botschafter Vladimir V. Kotenev und seine Mitarbeiter hatten dieser Tage gut damit zu tun, freundlich aber bestimmt Wünsche nach Einladungen für den Russisch-Deutschen Ball der Wirtschaft, Politik und Kultur, der heute in der Botschaft Unter den Linden gefeiert werden soll, abzuwehren. Der Hausherr bittet um Verständnis: "Bei mehr als 1 500 Gästen würde es einfach zu eng werden."Jene, die es wie Otto Schily, Sabine Christiansen, Wolfgang Joop und Vladimir Kaminer auf die Gästeliste geschafft haben, erwartet auch nicht pro Person eine Flasche Wodka. Der Botschafter: "Da ist in der Berichterstattung in der Vergangenheit viel übertrieben worden. Es gibt doch auch Wein und Bier und alkoholfreie Getränke. Allerdings glaube ich wirklich, dass wir in Russland den besten Wodka der Welt haben." Der 50-jährige Kotenev hat die amerikanischen Filme in Verdacht, in denen Russen ständig Wodka aus riesigen Gläsern trinken, die anschließend an die Wand geworfen werden: "Immer wieder fragen mich Besucher: Herr Botschafter, wann schmeißen wir die Gläser an die Wand?" Er muss sie dann enttäuschen, denn so eine Wand gibt es in der Botschaft nicht: "Und wir trinken den Wodka hier auch aus normal kleinen Gläsern."Seit seinem Amtsantritt im Mai 2004, das hat der Botschafter gerade von einem Mitarbeiter nachrechnen lassen, hatte er bei kleinen oder großen Veranstaltungen etwa 50 000 Gäste in der imposanten Botschaft mit ihren außergewöhnlich großen und repräsentativen Räumlichkeiten: "So eine Botschaft gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Es wäre unvernünftig, diesen Standortvorteil nicht zu nutzen." Im Saal mit seiner 24 Meter hohen Kuppel fühlt sich mancher Besucher an den Vatikan erinnert. Allerdings nur, bis der rote Stern angeknipst wird. Der krönt auf einem Glasmosaik, das den Kreml zeigt, den Spasski-Turm. Unter einem Nachwendevorgänger Kotenevs wurde dieser Stern einige Zeit lang nicht mehr beleuchtet, inzwischen ist das Verhältnis zur sowjetischen Vergangenheit und ihren Symbolen wieder viel unverkrampfter.Hier im Kuppelsaal und nebenan im Jagdzimmer baute man in den vergangenen Tagen, wie in allen Räumen, in denen heute geplaudert, getanzt, geschlemmt und getrunken wird, alles Notwendige auf. An den Wänden des Jagdzimmers hängen imposante Geweihe. Einige davon stammen von Erich Honecker, andere von Pjotr Abrassimow, dem langjährigen UdSSR-Botschafter in der DDR, der mit dem Staatsratsvorsitzenden gern in einem weißrussischen Naturpark auf die Pirsch ging. Vladimir V. Kotenev und seine Frau Maria empfangen aber nicht nur selbst Gäste in der Botschaft, wie gerade während der Fashion Week die 1 300 Besucher eines Abends der Modefirma Hugo Boss. Sie sind selbst, mehr als die meisten Botschafterkollegen, als Gäste unterwegs. Presseball, Focus-Fest, Bertelsmann-Party - immer mittendrin: die Kotenevs. "Es gehört zu meinem Beruf, Netzwerke zu knüpfen." Nicht zufällig ist der Botschafter, der vor 21 Jahren schon mal in der DDR-Hauptstadt Berlin, wie er sagt "auf Posten" war, mit Manfred Schmidt, dem großen Netzwerker und Organisator von exklusiven Empfängen, befreundet.------------------------------Foto: Bei Botschafter Vladimir Kotenev darf der rote Stern auf dem Glasmosaik in der russischen Botschaft Unter den Linden leuchten.

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