Das während der NS-Zeit als repräsentatives Teehaus für Adolf Hitler errichtete Kehlsteinhaus am Obersalzberg bei Berchtesgaden ist nach einem verheerenden Großbrand weitgehend zerstört. Inzwischen haben die Ermittler neue Details über den mutmaßlichen Brandstifter bekannt gegeben.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Traunstein gibt es deutliche Hinweise darauf, dass der festgenommene 33-Jährige das Feuer vorsätzlich gelegt haben könnte. Der Mann könnte allerdings vermindert schuldfähig sein. Die Ermittler prüfen zudem, ob hinter der mutmaßlichen Brandstiftung ein politisches Motiv steckt.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) spricht sich unterdessen für einen Wiederaufbau des historischen Gebäudes aus.
Der Brand war am Freitagabend in dem auf 1834 Metern Höhe gelegenen Kehlsteinhaus ausgebrochen. Der Sachschaden geht nach ersten Einschätzungen in die Millionen.
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Kehlsteinhaus: 33-jähriger Verdächtiger soll psychisch krank sein
Bei einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag in Berchtesgaden teilte Staatsanwalt Rainer Vietze mit, dass ein Sachverständiger den festgenommenen Mann psychiatrisch untersucht habe.
Nach dem vorläufigen Gutachten sei von einer psychischen Erkrankung auszugehen. Der Staatsanwalt erklärte laut Deutscher Presse-Agentur (dpa), dass deshalb zumindest eine verminderte Schuldfähigkeit angenommen werden müsse.
Der 33-Jährige wurde am Samstag einem Untersuchungsrichter in Rosenheim vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft will erreichen, dass er in einer forensisch-psychiatrischen Einrichtung untergebracht wird. Eine endgültige Entscheidung darüber steht noch aus.
Zu den möglichen Hintergründen der Tat laufen weitere Ermittlungen. Auch ein politisches Motiv werde untersucht, sagte Vietze. Die Ermittler stünden dabei jedoch noch am Anfang.
Der Mann stammt nach Angaben von Innenminister Herrmann aus der Region. Er war nach Ausbruch des Feuers auf der engen und steilen Kehlsteinstraße mit einem Motorrad unterwegs, als er den Einsatzkräften entgegenkam.
Nach Informationen der dpa versuchte er, sich seiner Festnahme durch Flucht auf dem Motorrad zu entziehen. Herrmann erklärte, es sei für die Beamten nicht einfach gewesen, den Verdächtigen zu stellen.
Der Mann wurde bei dem Einsatz verletzt und zunächst in ein Krankenhaus gebracht. Wie er sich die Verletzungen zuzog, wurde nicht näher erläutert.
Berchtesgaden: Landrat Michael Koller (l) lässt sich unter einem Zeltdach von den Einsatzkräften die Lage schildern.
© Kilian Pfeiffer/dpa
Bayern will Kehlsteinhaus wiederaufbauen – Schaden in Millionenhöhe
Unterdessen zeichnet sich ab, dass das schwer beschädigte Kehlsteinhaus wiederhergestellt werden soll.
„Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Samstag am Rande des CSU-Parteitags in München der Nachrichtenagentur dpa.
Das Gebäude gehört dem Freistaat Bayern und fällt in die Zuständigkeit des Innenministeriums. Die Berchtesgadener Landesstiftung besitzt das Nießbrauchsrecht.
Nach Angaben Herrmanns ist das Kehlsteinhaus gut versichert. Mögliche Ansprüche gegenüber der Versicherung würden bereits geprüft. Zunächst sollen Brandsachverständige das genaue Ausmaß der Zerstörung feststellen.
„Der Schaden geht sicher in die Millionen“, erklärte Bartl Wimmer, Vorsitzender des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden, laut dpa.
Herrmann rechnet damit, dass ein Wiederaufbau längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Wegen der besonderen historischen Bedeutung des Gebäudes sollen auch Historiker in die Planungen einbezogen werden. Ein konkreter Zeitplan oder eine verbindliche Kostenschätzung liegen noch nicht vor.
Das Kehlsteinhaus auf dem 1835 Meter hohen Kehlstein oberhalb von Berchtesgaden.
© Peter Kneffel/dpa
Großbrand am Obersalzberg: Feuerwehr kämpfte stundenlang gegen die Flammen
Das Feuer war am Freitagabend ausgebrochen. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd ging gegen 21.15 Uhr ein Alarm der Brandmeldeanlage bei der Integrierten Leitstelle Traunstein ein.
Als die ersten Rettungskräfte um 21.52 Uhr eintrafen, stand das Gebäude bereits vollständig in Flammen. Der Feuerschein war zeitweise über mehrere Kilometer sichtbar.
Rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bergwacht, Rettungsdiensten und Polizei waren an den Löscharbeiten beteiligt. Die exponierte Lage auf mehr als 1800 Metern Höhe erschwerte den Einsatz erheblich. Über die schmale Bergstraße konnten Löschfahrzeuge nur unter schwierigen Bedingungen zum Brandort gelangen.
Die Feuerwehr musste eine zusätzliche Wasserversorgung aufbauen. Teile des Gebäudes und dessen unmittelbare Umgebung konnten zeitweise nur mit schwerer Atemschutzausrüstung betreten werden.
Am Samstagmittag war der Brand nach Angaben des Bayerischen Rundfunks weitgehend unter Kontrolle. Offene Flammen waren auf Webcam-Aufnahmen nicht mehr zu erkennen.
Die Polizei richtete eine Flugverbotszone für Drohnen ein und forderte Wanderer sowie Bergsteiger auf, die Umgebung des Kehlsteinhauses großräumig zu meiden.
Nach bisherigen Erkenntnissen befand sich beim Ausbruch des Feuers niemand in dem Gebäude. Durch den Brand selbst wurde demnach niemand verletzt.
Hitlers ehemaliges Teehaus überstand den Zweiten Weltkrieg
Das Kehlsteinhaus wurde 1937 und 1938 auf Initiative des NS-Funktionärs Martin Bormann errichtet. Es gehörte zum abgeschirmten Machtzentrum der nationalsozialistischen Führung auf dem Obersalzberg und sollte ausländische Diplomaten sowie Staatsgäste beeindrucken.
Adolf Hitler selbst nutzte das Gebäude nur selten. Seine eigentliche Residenz am Obersalzberg war der Berghof, der sich an einer anderen Stelle befand.
Während große Teile des NS-Sperrgebiets im April 1945 durch alliierte Bombenangriffe zerstört wurden, blieb das Kehlsteinhaus nahezu unbeschädigt. Auch einer Sprengung nach Kriegsende entging es.
Seit 1952 wird das Gebäude als Berggaststätte genutzt. Eine Ausstellung des Instituts für Zeitgeschichte informierte Besucher über die Geschichte des Ortes und seine Rolle während der NS-Diktatur.
International ist das Kehlsteinhaus vor allem unter der englischen Bezeichnung „Eagle's Nest“ bekannt. Es zählt zu den wichtigsten touristischen Ausflugszielen des Berchtesgadener Landes.
Nach dem Großbrand stehen die Verantwortlichen nun vor einer schwierigen Aufgabe: Sie müssen entscheiden, welche Teile des denkmalgeschützten Gebäudes gerettet werden können und wie eine Wiederherstellung des historisch belasteten Bauwerks aussehen soll.
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