Energiepolitik

Kehrtwende bei der Atomkraft: Taiwan leitet Rückkehr ein

Die Atomaufsicht hat einen Plan zur möglichen Wiederinbetriebnahme des Kraftwerks Maanshan gebilligt. Zuvor hatte die Insel den Atomausstieg vollzogen.

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Das Kernkraftwerk Maanshan in Taiwan kurz vor seiner Stilllegung im Mai 2025. Nun wird eine Wiederinbetriebnahme geprüft.

Das Kernkraftwerk Maanshan in Taiwan kurz vor seiner Stilllegung im Mai 2025. Nun wird eine Wiederinbetriebnahme geprüft.

© Daniel Ceng/Anadolu/imago

Taiwans Atomaufsicht hat den Wiederanlaufplan für das stillgelegte Kernkraftwerk Maanshan geprüft und gebilligt. Das geht aus einer Übersicht der Nuclear Safety Commission hervor. Damit ist eine erste Hürde für die Wiederinbetriebnahme genommen. Eine Betriebserlaubnis hat der staatliche Energieversorger Taipower dadurch noch nicht erhalten: Er muss den Plan zunächst umsetzen und die Ergebnisse erneut zur Prüfung vorlegen.

Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders PTS untersucht Taipower unter anderem die Erdbebensicherheit, den Strahlenschutz und die Alterung von Anlagenteilen. Die Atomaufsicht will die Berichte prüfen und Kontrollen vor Ort durchführen.

Wann das Kraftwerk tatsächlich wieder Strom liefern könnte, ist offen. Bloomberg verweist auf frühere Angaben des taiwanischen Wirtschaftsministers Kung Ming-hsin, wonach ein Neustart frühestens im Jahr 2028 möglich wäre.

Abschied vom Atomausstieg?

Maanshan war Taiwans letztes aktives Kernkraftwerk. Sein Betrieb endete im Mai 2025, als die 40 Jahre geltende Genehmigung auslief. Damit hatte Taiwan den vor rund einem Jahrzehnt eingeschlagenen Atomausstieg zunächst vollzogen. Die nun gebilligte Planung zeigt, dass die Regierung eine Rückkehr zur Kernenergie prüft. Ob sie erfolgt, hängt von den weiteren Sicherheitsprüfungen und Genehmigungen ab.

Der Kurswechsel hat sich bereits länger abgezeichnet. Im vergangenen Jahr änderte Taiwan die gesetzlichen Regeln, sodass Betreiber eine Verlängerung oder Erneuerung von Genehmigungen für ältere Reaktoren beantragen können. Taipower legte seinen Wiederanlaufplan für Maanshan im März dieses Jahres vor. Die jetzige Entscheidung bestätigt nach Darstellung des Unternehmens, dass die Planung die Anforderungen der aktuellen Prüfphase erfüllt.

Strombedarf und Versorgungssicherheit

Hinter der Debatte steht auch Taiwans Energiebedarf. Die Insel ist ein wichtiger Standort der Halbleiterindustrie, die auf eine stabile Stromversorgung angewiesen ist. Zugleich wächst der Bedarf durch Rechenzentren und Künstliche Intelligenz.

Der Krieg im Nahen Osten hat nach Bloomberg-Berichten die Frage verschärft, wie abhängig Taiwan von importierten fossilen Brennstoffen bleiben soll. Befürworter der Kernenergie sehen in bestehenden Reaktoren eine zusätzliche Stromquelle. Sicherheitsfragen und die Lagerung radioaktiver Abfälle bleiben umstritten.

Wie gespalten die Frage politisch ist, zeigte eine Volksabstimmung im August 2025 über die Wiederinbetriebnahme von Maanshan. Zwar stimmte eine Mehrheit der Teilnehmer dafür, doch wurde die gesetzlich erforderliche Beteiligung nicht erreicht. Die Abstimmung führte deshalb nicht zur Wiedereröffnung des Kraftwerks. Mit der Entscheidung der Atomaufsicht geht nun das reguläre Prüfverfahren weiter.

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