Am Freitag, dem 2. Oktober, veranstaltet das Bündnis Unzwingbar von 16 bis 21 Uhr eine Kundgebung mit Konzert vor dem Brandenburger Tor.
Organisiert wird sie unter anderem von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), Attac, der Ärzteorganisation IPPNW, medico international, den NaturFreunden, dem Netzwerk Friedenskooperative und der Initiative Schulstreik gegen Wehrpflicht.
Die Veranstaltung wird zudem per Livestream übertragen.
Was das Bündnis fordert
Anlass sind nach Angaben des Bündnisses die verpflichtenden Fragebögen und Musterungen für junge Menschen sowie Pläne für eine Reaktivierung der Wehrpflicht. Die Bundesregierung begründet ihren Kurs mit der veränderten Sicherheitslage in Europa.
Unzwingbar stellt in diesem Kontext fünf Forderungen: keine Reaktivierung der Wehrpflicht, keine Rekrutierung Minderjähriger durch die Bundeswehr, kein Auftreten der Bundeswehr an Schulen, Hochschulen und in der Forschung, die weltweite Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung als Menschenrecht und Asylgrund sowie mehr Geld für Bildung, Gesundheit und Soziales statt für Aufrüstung.
Rechtsextreme, nationalistische und antisemitische Gruppen schließen die Veranstalter auf ihrer Webseite ausdrücklich aus.
Ein Line-up mit Vorgeschichte
Viele der Musikerinnen und Musiker, die am Freitag auf der Bühne stehen, haben sich schon vorher in ihren Songs mit Krieg und Militär auseinandergesetzt.
Den Anfang machten K.I.Z: Die Kreuzberger Rapper, bekannt für ihre provokanten Texte, veröffentlichten im Januar 2024 den stark ironisch getexteten, aber im Kern pazifistischen Song „Frieden“ – und im selben Jahr noch „Bundeswehr“, eine Parodie auf die Rekrutierungswerbung der Streitkräfte.
Noch direkter als die Satire von K.I.Z ist der Beitrag des auch in Berlin vielrezipierten Hamburger Rappers Disarstar, der ebenfalls am Freitag vor dem Brandenburger Tor auftritt. Mit „Meine Söhne geb’ ich nicht“ bezog er im Juni 2025 Stellung zur Wehrpflichtdebatte, darin griff er den Titel von Reinhard Meys berühmtem Antikriegslied von 1986 auf.
Wie Disarstar verbindet auch Apsilon aus Moabit die Frage nach Krieg mit sozialer Ungleichheit. Der Berliner Rapper, bekannt geworden mit Songs über Rassismus und das Lebensgefühl seiner postmigrantischen Generation, greift auf seinem jüngsten, im Juli erschienenen Album „Glanz Null“ auch Wehrpflicht und Aufrüstung auf.
Dass der Protest nicht nur eine Sache der jungen Rap-Szene ist, zeigt der Auftritt von Dritte Wahl: Die Rostocker Punkband singt seit DDR-Zeiten politische, genauer gesagt linke Texte. Mit „Macht die Augen auf“ verurteilten sie beispielsweise die rechtsextremen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992.
Newcomer und Redebeiträge
Ergänzt wird das Unzwingbar-Programm am Freitag vor dem Brandenburger Tor durch jüngere Acts wie Mieze, Goldie 333, Skuff Barby, Guterzogene Asis, Sechser, I’m DMA und Fruchtiger Beigeschmack.
Zwischen den Konzerten sprechen unter anderem der Satiriker Martin Sonneborn, DFG-VK-Bundessprecher Jürgen Grässlin sowie Vertreterinnen und Vertreter der Greenpeace-Jugend und von Schulstreik gegen Wehrpflicht.
Am 3. Oktober folgt auf die musikalisch verstärkte Unzwingbar-Kundgebung eine bundesweite Friedensdemonstration. Die wird zwar von anderen Veranstaltern organisiert; doch man sieht sich ausdrücklich nicht in Konkurrenz zueinander.
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