Die Volksbühne hat die letzte Premiere auf der großen Bühne vor dem Intendanzwechsel abgesagt. Eigentlich wollte das K.U.N.S.T.-Kollektiv um Jonathan Meese Mitte Juni mit einer Version von Jack Londons „Alaska Kid“ noch einmal die große Bühne in Beschlag nehmen.
Grund für die Absage dürfte Jonathan Meeses Mutter Brigitte Meese sein, die im April im Alter von 96 Jahren gestorben ist. Ihre Bedeutung nicht nur für das Leben, sondern auch für das Werk von Jonathan Meese ist außerordentlich. Sie war nicht nur Mutter, sondern auch Organisatorin, Muse und engste Vertraute des Künstlers; die beiden führten eine symbiotische Beziehung.
Mit Hingabe: In der Volksbühne kann man „Die Monosau“ von Jonathan Meese anbeten
Sterben lernen in der Volksbühne: „Peer Gynt“ von Vegard Vinge und Ida Müller verabschiedet sich mit Donnerschlägen
Wie schon bei „Monosau“ sollten unter anderem Lilith Stangenberg und Martin Wuttke mitspielen und mit inszenieren. In der Ankündigung zu dem Goldsucher-Abenteuer-Stoff aus dem 19. Jahrhundert hieß es: „Das ‚Kunstproll-Trio‘ wird sich liebevollst nur dem Gold, also der absoluten Liebe, verpflichten. Wir tanzen das Gold hervor, indem wir alle Dämonen abschütteln! In unseren Adern fließt Gold, unsere Körper und Seelen sind aus Gold, an uns ist alles Gold. Unser Erzadrenalin heißt G.O.L.D.“
Es gibt noch Karten für „Peer Gynt“
Zu erwarten war ein fröhliches und wildes, von den Hierarchien und Traditionen des Gestaltens befreites Theaterspiel, das so wohl nur an der Volksbühne und vielleicht auch nur in Zeiten entstehen kann, in denen das Haus einem gewissen Machtvakuum unterliegt. Seit dem Tod von René Pollesch im Februar 2024 hat das Haus keinen Intendanten; ab kommender Spielzeit wird Matthias Lilienthal das Steuer übernehmen. Er will sein Programm am 2. Juni der Presse vorstellen.
Wer sich vor dem Sommer noch einmal eine volle Packung Volksbühne geben will, dem seien die Peer-Gynt-Sessions von Vegard Vinge und Ida Müller empfohlen. In einem die Grundmauern des widerstandsfähigen Theaters erschütternden Kraftakt, unter Einsatz von echten und falschen Körpersäften zerlegt das Totaltheaterpaar den norwegischen Nationalklassiker in seine Einzelteile und lässt ihn unter repetierenden Hammerschlägen ausbluten. Zwischen dem 15. und 25. Mai ist eine weitere Staffel der Ibsen-Schlacht in sechs jeweils achtstündigen Vorstellungen geplant, es sind noch Karten erhältlich. Wer weiß, ob es etwas Derartiges jemals wieder zu sehen gibt. Nur keine Angst, man kann später kommen und früher gehen.
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