Im südöstlichen Grenzgebiet Finnlands zu Russland halten sich nach Schätzungen finnischer Behörden bis zu 100 Wildschweine auf, die nicht mehr auf die russische Seite zurückwandern können.
Grund sind die geschlossenen Wildtore im Grenzzaun, die die finnische Grenzwache Anfang August wegen der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verriegelt hat. Das berichtete am Samstag der finnische Rundfunk Yle unter Berufung auf die Lebensmittelbehörde Ruokavirasto.
Grenzzaun wird zur Barriere
Wie Ruokavirasto am Montag mitteilte, wird der Bau eines zusätzlichen Zauns rund um das Kerngebiet der Infektion erwogen– die Arbeiten würden nach Behördenangaben mehrere Monate dauern. Anschließend sollen die Tiere innerhalb der Absperrung eingefangen oder erlegt werden.
Die Zahl der Tiere sei anhand von Aufnahmen aus Wildkameras geschätzt worden, sagte Anne Woivalin, Leiterin des regionalen Seuchenbekämpfungszentrums der Behörde, dem Sender.
Der natürliche Lebensraum der Wildschweine erstrecke sich beidseits der Grenze. Bislang seien die Tiere auf finnischer Seite auf Nahrungssuche gegangen und anschließend nach Russland zurückgekehrt. Dieser Wanderweg sei nun blockiert.
Fütterung soll Wildschweine im Gebiet halten
Woivalin äußerte gegenüber Yle die Befürchtung, dass die Tiere nun nach Westen ausweichen könnten. In der Seuchenzone gelten strenge Beschränkungen für das Betreten des Geländes, um die Wildschweine nicht aufzuschrecken und aus dem Gebiet zu treiben. Die Behörden füttern die Tiere zudem, um sie am Ort zu halten.
Seuchengebiet reicht weiter nach Westen
Die Seuchenlage hatte sich Ende August zugespitzt. Am Freitag wies die Lebensmittelbehörde bei einem verendeten Tier in Hirvikoski in der Gemeinde Pyhtää ASP nach – rund 40 Kilometer westlich der bisherigen Seuchenzone, an der Fernstraße E18 zwischen Helsinki und Sankt Petersburg gelegen. Die Behörde erweiterte daraufhin das Sperrgebiet nach Westen.
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Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die ausschließlich Haus- und Wildschweine befällt und bei ihnen fast immer tödlich verläuft. Für Menschen und andere Tierarten ist der Erreger nach Angaben von Ruokavirasto ungefährlich.
Übertragen wird das Virus direkt zwischen Tieren, aber auch über kontaminierte Fahrzeuge, Kleidung, Futter oder Speisereste – ein Weg, über den sich die Seuche in Europa in den vergangenen Jahren immer wieder über weite Strecken ausgebreitet hat.
Der erste ASP-Fall in Finnland war Ende Juli in Virolahti festgestellt worden. Laut Ruokavirasto gab es seither Dutzende bestätigte Fälle bei Wildschweinen. In Nutztierbeständen wurde die Seuche bislang nicht nachgewiesen.
Millionenverluste für Bauern und Waldbesitzer
Landwirtschaftsministerin Sari Essayah (KD) hatte sich Mitte August in einer Mitteilung ihres Ministeriums für einen zusätzlichen Zaun um die Kernzone ausgesprochen und eine staatliche Finanzierung in Aussicht gestellt.
Die Bauernverbände MTK und SLC forderten in einem Schreiben an die Regierung schnelle Maßnahmen und Ausgleichszahlungen. Die Ausfuhr von Schweinefleisch in wichtige Exportländer sei ausgesetzt, teilten die Verbände mit. Auch Abnehmer von Getreide mieden Ware aus der Sperrzone.
Nach Angaben der Fachzeitschrift Metsälehti drohen Waldbesitzern durch Nutzungsbeschränkungen Einnahmeausfälle von bis zu 30 Millionen Euro. Hunderte Jäger unterstützen laut Metsästäjälehti die Suche nach verendeten Wildschweinen.
Nach einer Einschätzung der russischen Fachzeitschrift Weterinarija i schisn (Veterinärmedizin und Leben) bleibt das Risiko weiterer Ausbrüche in Europa hoch, zuletzt wurden auch aus Ungarn und Serbien neue Fälle gemeldet.
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