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KI-Reiseranking: Sachsen-Anhalt weit hinten - Tourismusverband widerspricht

Sachsen-Anhalts Städte tauchen im KI-Reiseranking weit hinten auf. Der Tourismusverband widerspricht: Das Ergebnis bilde die Wirklichkeit nicht ab.

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Die Städte in Sachsen-Anhalt schneiden beim Tourismus-Ranking im Osten vergleichsweise schlecht ab. Der Tourismusverband zweifelt an den Ergebnissen.

Die Städte in Sachsen-Anhalt schneiden beim Tourismus-Ranking im Osten vergleichsweise schlecht ab. Der Tourismusverband zweifelt an den Ergebnissen.

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Magdeburg, Halle, Dessau-Roßlau – alle drei Städte landen im hinteren Drittel eines neuen bundesweiten Rankings. Bewertet hat sie keine Jury aus Reiseexperten, sondern künstliche Intelligenz. Und die zeigt sich von Sachsen-Anhalts Städten wenig begeistert. Der Tourismusverband des Landes hält dagegen: Die Studie sei methodisch angreifbar und bilde die Realität nicht ab.

Hintergrund ist eine aktuelle Entwicklung: Laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom vom August 2026 lässt sich bereits jeder vierte Deutsche von KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Gemini Reiseziele vorschlagen. Was die Algorithmen empfehlen, entscheidet damit immer häufiger darüber, wohin der nächste Urlaub führt.

Die Meininger Hotelgruppe hat diese Entwicklung zum Anlass genommen, ein systematisches Ranking zu erstellen: Wie bewerten fünf verbreitete KI-Assistenten – ChatGPT, Claude, Gemini, Microsoft Copilot und Perplexity – deutsche Städte als Reiseziele? Die Grundlage bildeten die 100 deutschen Städte mit den meisten Hotelübernachtungen im Jahr 2024. Jede KI vergab bis zu 100 Punkte nach der Frage, wohin sie selbst reisen würde. Aus dem Durchschnitt ergab sich das Ranking.

Tourismusverband zweifelt an der Methode

Für den Tourismusverband Sachsen-Anhalt ist das Ergebnis weniger eine Niederlage als ein Beleg für eine fehlerhafte Studie. „Die vorliegende Analyse halten wir für nicht aussagekräftig“, sagt Anita Siemens, Netzwerk- und Kommunikationsmanagerin des Verbands. Ein konkreter Kritikpunkt: Wernigerode fehlt in der Auswahl, obwohl die Harzstadt mehr Gästeübernachtungen verzeichnet als viele der gelisteten Städte. Das untergräbt die behauptete methodische Grundlage.

Grundsätzlicher wiegt ein zweiter Einwand: Die KI-Assistenten wurden ohne jeden Zielgruppenkontext befragt. In der Praxis aber fütterten Reisende die Systeme mit persönlichen Präferenzen – Familienurlaub, Kulturreise, Aktivwochenende. Ohne diese Parameter liefere die KI pauschale Antworten, die wenig über die tatsächliche Attraktivität eines Ortes aussagen.

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Extreme Schwankungen zwischen den KI-Systemen

Und dennoch: Die Ergebnisse liegen auf dem Tisch. Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau landen allesamt im hinteren Drittel des bundesweiten Städterankings. Dessau-Roßlau – zuletzt vom renommierten Reiseführer Lonely Planet empfohlen – schneidet dabei am schwächsten ab. Zum Vergleich: Dresden belegt bundesweit Platz zwei, Leipzig, Weimar und Erfurt rangieren ebenfalls weit vorne.

Besonders auffällig ist die extreme Streuung der Einzelbewertungen. Magdeburg wird von einem KI-System sehr hoch bewertet, von einem anderen hingegen fast auf null gesetzt. Bei Dessau-Roßlau ist die Spanne noch größer: Während ein Assistent die Stadt kaum nennenswert einschätzt, bewertet ein anderer sie vergleichsweise stark. Die KI-Systeme sind sich also alles andere als einig – was die Verlässlichkeit solcher Rankings zusätzlich infrage stellt und den Methodikeinwand des Verbands zumindest teilweise stützt.

Bei den Veranstaltungen schneidet Sachsen-Anhalt etwas besser ab. Das Kurt-Weill-Fest in Dessau-Roßlau landet als einziges Event aus dem Land in der vorderen Hälfte der 100 bewerteten deutschen Veranstaltungen. Das Kaiser-Otto-Fest in Magdeburg und das Laternenfest in Halle folgen im hinteren Bereich.

Verband setzt auf Datenbasis und Weiterbildung

Den strukturellen Trend erkennt der Verband trotz aller Kritik an. „Die KI wird den Tourismus und die Reiseentscheidung in den nächsten Jahren verändern", sagt Siemens. Für den Verband sei das ausdrücklich auch eine Chance, neue Gästegruppen und Marktsegmente zu gewinnen, die bislang kaum erreicht wurden. Der Verband arbeite bereits an digitaler Sichtbarkeit: über strukturierte Datenbankprojekte, Schulungsangebote für Betriebe und gezielte Wissensvermittlung rund um KI-Auffindbarkeit.

Ob das reicht, um Sachsen-Anhalts Städte in den KI-Empfehlungen nach vorne zu bringen, bleibt offen. Eines steht fest: Wer im Algorithmus nicht vorkommt, kommt im Zweifel auch nicht auf die Reiseliste.

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