Der Einsatz Künstlicher Intelligenz verändert das Kräfteverhältnis am Arbeitsmarkt zugunsten älterer und erfahrener Beschäftigter. Das geht aus einer Untersuchung des Oliver Wyman Forum und der New York Stock Exchange unter 415 Vorstandschefs hervor.
Mehr als 40 Prozent der weltweit befragten Vorstandschefs wollen demnach in den kommenden ein bis zwei Jahren Stellen für Berufseinsteiger abbauen und die Belegschaft stärker auf mittlere oder erfahrene Positionen ausrichten. Nur 17 Prozent der Befragten wollen den Anteil junger Beschäftigter ausbauen. Im Vorjahr war das Verhältnis noch annähernd umgekehrt.
KI ersetzt Routinetätigkeiten
KI-Agenten könnten inzwischen Aufgaben übernehmen, die bislang Einsteigern zufielen – vom Programmieren bis zur Bewertung von Vertriebskontakten, hieß es in der Studie. Erfahrungsbasierte Urteile blieben den Systemen bisland jedoch verschlossen.
„Es sind die Beschäftigten der mittleren und oberen Ebenen, auf die CEOs nun zur Steigerung der Produktivität setzen“, sagte John Romeo, Leiter des Oliver Wyman Forum, gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg. Der Berater und Hochschuldozent Ravin Jesuthasan erklärte ebenfalls gegenüber Bloomberg, Unternehmen suchten Mitarbeiter, deren Erfahrung, Urteilsvermögen und Problemlösungskompetenz sie wertvoller mache.
Die Ergebnisse decken sich laut Bloomberg mit einer Untersuchung der Harvard University, wonach Unternehmen, die generative KI einführen, Junior-Stellen deutlich reduzieren, während die Beschäftigung erfahrener Mitarbeiter weitgehend stabil bleibt. Eine im November veröffentlichte Studie der Stanford University ergab, dass junge Beschäftigte in den am stärksten von KI betroffenen Bereichen ein um 16 Prozent höheres Risiko hatten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.
Warnung vor künftigem Fachkräftemangel
Der Verzicht auf jüngere Talente zugunsten von KI-Agenten birgt nach Einschätzung von Helen Leis, globale Verantwortliche für Führungs- und Veränderungsfragen bei Oliver Wyman, erhebliche Risiken. Um künftig über mittlere Führungskräfte zu verfügen, die eine durch KI gestützte Belegschaft steuern könnten, müssten Beschäftigte das Unternehmen und die jeweilige Tätigkeit zunächst kennenlernen, sagte sie Bloomberg.
Der US-Konzern IBM kündigte laut Bloomberg im Februar an, die Zahl der Einstiegspositionen in den USA in diesem Jahr zu verdreifachen und Stellenbeschreibungen für das KI-Zeitalter anzupassen. Das Unternehmen gilt damit jedoch als Ausnahme. Auch eine stärkere Position älterer Beschäftigter ist nach den Worten der Arbeitsökonomin Teresa Ghilarducci von der New School keine Garantie für Jobsicherheit: „Die Bindung der Unternehmen an ihre Beschäftigten wird immer schwächer“, sagte sie laut Bloomberg.
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