Kicken, bis der Bus kommt

Jörg Ahrens
2 Min

An einem Sommertag in Berlin: Auf dem Kurfürstendamm steht ein bildhübsches Mädchen an einer Bushaltestelle und kickt zum Zeitvertreib einen Softball hin und her. Ein verlegenes Lächeln genügt, und der Jugendreporter steigt in das Spiel ein. Sie kicken, bis der Bus kommt. Das Mädchen, das Vitória heißt und aus Angola kommt, verabschiedet sich, steigt ein, und eines steht fest: Der Nachwuchsreporter wird sich als Stadtführer anbieten. Über die Treppe steigen beide auf das Sonnendeck des BVG-Doppeldeckerbusses für Stadtrundfahrten.Ein bisschen seltsam ist es schon, in einem Sightseeing-Bus durch die eigene Stadt zu fahren. Aber auch spannend. Vorbei am Kaufhaus des Westens fährt der Bus in Richtung Osten. Merkwürdig, wie Altbekanntes aus der ungewöhnlichen Perspektive plötzlich interessant und neu wirkt.Während der eine von der Schönheit der eigenen Stadt begeistert ist, durch die er sonst mit geschlossenen Augen zu gehen scheint, erzählt die andere, dass sie nur für die WM aus Angola angereist und der Stürmer Pedro Mantorras ihr Held sei. Unter die Erläuterungen des Fremdenführers im Bus und die Ausführungen Vitórias über Fußballerwaden und verletzte Knie mischen sich romantische Gedanken: Darf man ein angolanisches Mädchen einfach so küssen?An der Haltestelle am Potsdamer Platz füllt sich der Bus: Eine Fußballübertragung ist gerade zu Ende gegangen, und ein Schwung Touristen erklimmt die Treppen zum Sonnendeck. Vitória rückt näher, und Hoffnung auf eine Romanze steigt auf. Hoffnung, die am Checkpoint Charlie stirbt, denn Vitória steigt aus. Sie möchte das Mauermuseum besichtigen. Zurück bleibt ein enttäuschter Jungreporter, der jedoch beschließt, die Rundfahrt nicht abzubrechen. Sollte die Romanze mit einem angolanischen Mädchen auch aussichtslos sein - die Stadt weiß sich an diesem Tag in Szene zu setzen und flirtet ungeniert mit ihrem sonst so ignoranten Bewohner.Über den Gendarmenmarkt, vorbei am Schlossplatz und dem Roten Rathaus fährt der Bus schließlich Unter den Linden entlang. Die Passagiere legen die Köpfe in den Nacken und genießen den Fahrtwind. Am Brandenburger Tor lockt die Fanmeile, und der Jugendreporter weiß: An dieser Haltestelle ist für ihn Schluss. Man soll gehen, wenn es am schönsten ist.Mehr Infos zu den TopTour-Rundfahrten unter www.bvg.de------------------------------Foto: Oben ohne: BVG-Stadtrundfahrten machen im Cabrio-Bus besonders viel Spaß.

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