Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ist überraschend nach China gereist. Der Staatschef erreichte am Samstag die chinesische Grenzstadt Dandong über eine erst vor wenigen Tagen eröffnete Brücke. Nach einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Newsis bestätigte ein Vertreter des Vereinigungsministeriums in Seoul die Einreise. Es ist Kims erster bekannter Besuch in China seit September 2025.
Wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf eine südkoreanische Regierungsquelle berichtet, überquerte Kim den Grenzfluss Yalu über die neue, gut drei Kilometer lange Straßenbrücke zwischen der nordkoreanischen Stadt Sinuiju und Dandong in der chinesischen Provinz Liaoning.
Eine weitere bemerkenswerte Einzelheit meldet die südkoreanische Zeitung Korea JoongAng Daily: Demnach soll Chinas Ministerpräsident Li Qiang den nordkoreanischen Machthaber persönlich empfangen haben. Die Zeitung beruft sich ebenfalls auf eine Regierungsquelle. Eine Bestätigung aus China liegt dafür bislang nicht vor.
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Kim Jong-un nutzt neue Brücke nach China
Kims Reise führt über einen Grenzübergang mit einer ungewöhnlichen Geschichte. Die sogenannte New Yalu River Bridge wurde bereits 2014 fertiggestellt. Dennoch blieb sie zwölf Jahre lang weitgehend ungenutzt, weil auf nordkoreanischer Seite die erforderlichen Zufahrtsstraßen und Abfertigungsanlagen fehlten.
Erst am 15. Oktober eröffneten beide Länder die vierspurige Brücke offiziell. Nach Angaben von Reuters kostete der Bau rund 310 Millionen US-Dollar. Die Finanzierung übernahm China.
Bei der Eröffnungszeremonie hielten die Ministerpräsidenten beider Länder Videoansprachen. Li Qiang bezeichnete das Bauwerk als wichtigen Schritt zur Verbesserung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.
China ist Nordkoreas mit Abstand wichtigster Handelspartner. Nach von Reuters ausgewerteten Handelsdaten stiegen die chinesischen Exporte in das Nachbarland 2025 um 25 Prozent auf rund 2,3 Milliarden US-Dollar. Dennoch blieb der Warenverkehr deutlich unter dem Niveau vor der Verschärfung internationaler Sanktionen im Jahr 2017.
Mit der neuen Straßenverbindung soll insbesondere der Transport größerer Warenmengen erleichtert werden. Bislang lief ein erheblicher Teil des Grenzverkehrs über die ältere chinesisch-nordkoreanische Freundschaftsbrücke.
Warum reist Kim Jong-un gerade jetzt nach China?
Zum genauen Anlass des Besuchs liegen noch keine offiziellen Angaben aus Peking oder Pjöngjang vor.
Nach Informationen von Korea JoongAng Daily könnte die Reise im Zusammenhang mit dem 25. Oktober stehen. An diesem Datum erinnert China an den Beginn der Kampfhandlungen chinesischer Truppen im Koreakrieg im Jahr 1950. Eine südkoreanische Regierungsquelle brachte den Besuch mit diesem Jahrestag in Verbindung.
Ob Kim deshalb nach China gereist ist oder politische Gespräche über andere Themen führen will, ist nicht bestätigt.
Sein letzter bekannter China-Besuch fand im September 2025 statt. Damals nahm Kim in Peking an einer Militärparade zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Asien teil. Er traf Chinas Staatschef Xi Jinping und zeigte sich bei den Feierlichkeiten auch gemeinsam mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Im Juni 2026 reiste Xi seinerseits nach Pjöngjang. Bei dem Gipfeltreffen vereinbarten beide Staatschefs, ihre Zusammenarbeit in Politik, Wirtschaft und Kultur auszubauen.
Erst am Donnerstag berichteten nordkoreanische Staatsmedien erneut über eine Botschaft aus China. Darin bekräftigte Xi seinen Willen, die politische Abstimmung und die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Nordkorea zu verstärken.
Nordkorea zwischen China und Russland
Die Annäherung an China ist auch wegen Kims enger militärischer Beziehungen zu Russland von Bedeutung.
Nordkorea hat Russland im Krieg gegen die Ukraine mit großen Mengen Artilleriemunition und anderen Waffen unterstützt. Zudem entsandte Pjöngjang Tausende Soldaten, die an der Seite russischer Streitkräfte eingesetzt wurden.
Im Juni 2024 unterzeichneten Putin und Kim einen Vertrag über eine umfassende strategische Partnerschaft. Das Abkommen sieht unter anderem gegenseitigen militärischen Beistand im Falle eines bewaffneten Angriffs vor.
Nach Einschätzung amerikanischer und südkoreanischer Stellen könnte Nordkorea im Gegenzug wirtschaftliche Unterstützung und militärische Technologie aus Russland erhalten haben. Welche konkreten Leistungen Moskau dafür bereitgestellt hat, ist nur teilweise bekannt.
Die engeren Beziehungen zu Russland hatten zeitweise Fragen über Chinas Einfluss auf Nordkorea aufgeworfen. Mit den jüngsten Treffen zwischen Kim und Xi sowie der Eröffnung des neuen Grenzübergangs demonstrieren beide Länder nun wieder eine engere Zusammenarbeit.
Trump will neue Gespräche mit Kim Jong-un
Die Reise erfolgt außerdem wenige Wochen vor einem geplanten Besuch von US-Präsident Donald Trump in China.
Am 18. und 19. November findet in Shenzhen der Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft Apec statt. Trump wird dort erwartet. Der Präsident bemüht sich seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus um eine Wiederaufnahme der Gespräche mit Nordkorea.
Während seiner ersten Amtszeit traf Trump Kim dreimal persönlich. Im Juni 2018 kamen beide in Singapur zusammen, im Februar 2019 folgte ein Gipfel in Hanoi. Im Juni desselben Jahres trafen sie sich erneut an der innerkoreanischen Grenze. Eine dauerhafte Vereinbarung zur Begrenzung des nordkoreanischen Atomprogramms kam nicht zustande.
Wie Reuters am Freitag unter Berufung auf fünf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete, rechnen amerikanische und südkoreanische Vertreter inzwischen kaum noch mit einem Treffen der beiden Staatschefs in diesem Jahr.
Demnach hat Nordkorea auf amerikanische Bemühungen um ein neues Gespräch bislang nicht erkennbar reagiert. Das Weiße Haus erklärte gegenüber Reuters, Trump sei weiterhin zu einem Treffen ohne Vorbedingungen bereit. Ein Termin sei jedoch nicht vereinbart.
Auch Trump selbst hatte die Aussichten auf eine Begegnung während seiner Asienreise zuletzt heruntergespielt.
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