Zwölf Jahre lang führte eine rund drei Kilometer lange Brücke von China nach Nordkorea, ohne regulär genutzt zu werden. Nun rollen Lastwagen über das Bauwerk, und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat die neue Verbindung persönlich besichtigt.
Nach seinem überraschenden Besuch in der chinesischen Grenzstadt Dandong am Samstag zeigen Berichte aus beiden Ländern, dass hinter der Wiedereröffnung weit mehr steckt als ein Infrastrukturprojekt. China will seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Nordkorea ausbauen, während Kim militärisch immer enger mit Russlands Präsident Wladimir Putin zusammenarbeitet.
Am Sonntag bestätigte die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA Einzelheiten der eintägigen Reise. Kim war bereits am Samstagabend nach Nordkorea zurückgekehrt.
Begleitet wurde er in China von Wang Huning, dem vierthöchsten Funktionär der Kommunistischen Partei. Wang überbrachte persönliche Grüße von Staatspräsident Xi Jinping. Die beiden besuchten ein Denkmal für chinesische Soldaten aus dem Koreakrieg, besichtigten eine Fahrzeugfabrik und führten Gespräche über die weitere Zusammenarbeit.
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China will Zusammenarbeit mit Nordkorea ausbauen
Besonders aufschlussreich sind die offiziellen Mitteilungen über das Treffen. Nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua erklärte Wang, beide Staaten sollten ihre strategische Kommunikation vertiefen und die wirtschaftlichen Beziehungen stärken.
Die neue Grenzbrücke biete eine Gelegenheit, den Handel und den Austausch zwischen den Bevölkerungen auszubauen. China wolle zudem enger mit Nordkorea zusammenarbeiten, um die Sicherheits- und Entwicklungsinteressen beider Länder zu schützen.
Kim dankte China für die langjährige Unterstützung. Der Besuch von Xi Jinping in Pjöngjang im Juni habe die Beziehungen auf eine neue Stufe gehoben. Nordkorea sei bereit, die praktische Zusammenarbeit auszuweiten.
Nach Informationen der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap nahm Kim außerdem an einem Bankett teil, das Wang auf Anweisung von Xi ausrichtete.
Ein persönliches Treffen zwischen Kim und Xi fand bei dieser Reise nicht statt. Dennoch machten beide Seiten deutlich, dass sie ihre Partnerschaft weiterentwickeln wollen.
Kim Jong-un kehrt nach seinem Besuch in China über die neue Grenzbrücke am Yalu-Fluss nach Nordkorea zurück.
© STR/AFP
Zwölf Jahre ungenutzt: Neue Grenzbrücke soll Handel ankurbeln
Der wichtigste wirtschaftliche Schauplatz des Besuchs war die neue Yalu-Brücke zwischen dem chinesischen Dandong und der nordkoreanischen Stadt Sinuiju.
Das vierspurige Bauwerk ist 3026 Meter lang und wurde bereits 2014 mit chinesischen Investitionen von rund 310 Millionen US-Dollar fertiggestellt. Doch auf nordkoreanischer Seite fehlten lange die erforderlichen Zufahrtsstraßen und Zollanlagen.
Deshalb blieb die Brücke zwölf Jahre lang weitgehend ungenutzt. Erst am 15. Oktober wurde sie für den regulären Verkehr eröffnet.
Die neue Verbindung soll künftig den Transport schwerer Lastwagen, Container und anderer Güter erleichtern. Bislang war der Warenverkehr stark auf die ältere, deutlich kleinere Freundschaftsbrücke angewiesen.
Für Nordkorea hat diese Entwicklung erhebliche Bedeutung. Nach einer Untersuchung des südkoreanischen Wirtschaftsforschungsinstituts KDI entfielen 2025 rund 95 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels auf China.
Kim selbst unterstrich bei seiner Rückkehr den symbolischen Wert der Verbindung. Nach Angaben von KCNA hielt er in der Mitte der Brücke an, betrachtete die Umgebung und äußerte die Erwartung, das Bauwerk werde seine historische Aufgabe erfüllen und beide Länder enger miteinander verbinden.
China und Russland: Kim Jong-un nutzt seine neue Machtposition
Die wirtschaftliche Annäherung hat eine größere geopolitische Dimension. Nordkorea hat seine militärische Zusammenarbeit mit Russland seit Beginn des Ukrainekrieges massiv ausgebaut.
Kim stellte Putin Munition und Waffen zur Verfügung und entsandte Tausende Soldaten zur Unterstützung der russischen Streitkräfte. Im Juni 2024 unterzeichneten beide Staaten einen Vertrag über eine strategische Partnerschaft mit gegenseitigen militärischen Beistandsverpflichtungen.
Erst am 7. September eröffneten Russland und Nordkorea ihre erste gemeinsame Straßenbrücke über den Grenzfluss Tumen. Die Brücke könnte nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Truth Hounds vor allem dazu dienen, militärische Transporte für den Krieg gegen die Ukraine schwerer erkennbar zu machen.
Nur wenige Wochen später nahm nun die neue Verbindung nach China den Betrieb auf. Nach Einschätzung des Korea-Experten Leif-Eric Easley von der Ewha-Universität in Seoul versucht Kim, seine Gewinne aus der Zusammenarbeit mit Russland für zusätzliche Vorteile aus China einzusetzen.
Gegenüber dem Guardian erklärte Easley, Peking könne versuchen, verlorenen Einfluss durch mehr Handel und persönliche Kontakte zurückzugewinnen. Die nordkoreanische Führung lege allerdings großen Wert auf ihre Eigenständigkeit und wolle ausländische ideologische Einflüsse begrenzen.
Ähnlich argumentiert Carla Freeman von der Johns Hopkins University. Die intensiveren Beziehungen zwischen Nordkorea und Russland verstärkten Chinas Interesse, seinen eigenen Einfluss auf Pjöngjang zu sichern.
Von einem offenen Machtkampf zwischen Xi und Putin kann allerdings keine Rede sein. Der Nordkorea-Experte Fyodor Tertitskiy von der Korea University warnt ausdrücklich vor einer solchen Interpretation. Kim versuche zwar, beide Partner gegeneinander auszuspielen. China und Russland seien jedoch keine Rivalen wie einst die Sowjetunion und China während des Kalten Krieges.
Für Pjöngjang ergänzen sich die Beziehungen: China bleibt wirtschaftlich nahezu unverzichtbar, während Russland militärische Unterstützung, neue Technologien und strategische Rückendeckung bieten kann.
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Seinen Besuch in Dandong hatte Kim bewusst auf einen historischen Jahrestag gelegt.
Am 25. Oktober 1950 kämpften chinesische Truppen erstmals in einer größeren Schlacht gegen die von den USA geführten Streitkräfte im Koreakrieg. China war wenige Tage zuvor an der Seite Nordkoreas in den Krieg eingetreten.
In Dandong legte Kim einen Kranz am Denkmal für die chinesischen Soldaten nieder. Nach Angaben von KCNA sprach er von einer unbesiegbaren Freundschaft, die durch gemeinsames Blut geschmiedet worden sei.
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Die Reise erfolgte zudem wenige Wochen vor dem geplanten Besuch von US-Präsident Donald Trump in China. Im November findet in Shenzhen der Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft Apec statt.
Trump hatte wiederholt Interesse an einem erneuten Treffen mit Kim bekundet. Nach Informationen von Reuters halten amerikanische und südkoreanische Regierungsvertreter ein solches Treffen noch in diesem Jahr allerdings für wenig wahrscheinlich.
Kim hat sich mit seiner Reise erneut als enger Partner Chinas präsentiert, ohne seine militärische Zusammenarbeit mit Russland infrage zu stellen. Die beiden neuen Grenzbrücken zeigen, wie Nordkorea seine Beziehungen zu den beiden Großmächten parallel ausbauen will.
Für China könnte die Verbindung deshalb politisch wichtiger sein als wirtschaftlich: Sie eröffnet Peking eine neue Möglichkeit, seinen Einfluss auf Kim zu festigen, während dieser seine Abhängigkeit von einem einzigen Partner weiter verringern möchte.
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