Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un hat bei der Eröffnung eines neuen Denkmalkomplexes für gefallene Soldaten Suizide von Soldaten gelobt, die im Kriegseinsatz für Russland eine Gefangennahme vermeiden wollten. Wie der US-Sender CNN unter Berufung auf nordkoreanische Staatsmedien am Donnerstag berichtete, würdigte Kim Soldaten, die sich „ohne Zögern selbst in die Luft sprengten“, statt in Gefangenschaft zu geraten.
Die Aussagen gelten als ungewöhnlich offenes Eingeständnis einer mutmaßlichen Anweisung an nordkoreanische Soldaten im Kriegseinsatz für Russland. Geheimdienste, Überläufer und ukrainische Behörden hatten wiederholt berichtet, nordkoreanische Soldaten würden angewiesen, sich im Ernstfall selbst zu töten, um Gefangennahmen zu verhindern. Pjöngjang hatte dies bislang nie öffentlich bestätigt.
Neues Denkmal erinnert an in Russland gefallene Soldaten
Kim äußerte sich laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag bei der Einweihung eines großen Gedenkkomplexes am Rand der Hauptstadt Pjöngjang. Die Anlage umfasst Gräber, schwarze Marmortafeln mit Namen gefallener Soldaten sowie Ausstellungen mit persönlichen Gegenständen und militärischer Ausrüstung.
Nach Recherchen des auf Nordkorea spezialisierten Portals NK News sind auf den Tafeln 2288 Namen von im Krieg gefallenen Soldaten verzeichnet. Zudem gibt es demnach 271 Gräber und mehr als 1700 Fächer für Urnen. Die Anlage verfüge bereits über zusätzliche freie Flächen für weitere Gräber.
Die Zeremonie fand ein Jahr nach Russlands Erklärung eines Sieges in der Region Kursk statt. Unter den Gästen befanden sich auch hochrangige russische Vertreter. Eine Botschaft von Russlands Präsident Wladimir Putin wurde laut Bericht verlesen.
Russland und Nordkorea hatten 2024 bei Putins Besuch in Pjöngjang einen „umfassenden strategischen Partnerschaftsvertrag“ unterzeichnet, der eine Beistandsklausel enthält. Danach entsandte Nordkorea Soldaten zur Unterstützung russischer Truppen in der westrussischen Region Kursk.
Die führerzentrierte Juche-Ideologie der nordkoreanischen Staatspartei stellt nationale Selbstständigkeit, politische Unabhängigkeit und wirtschaftliche Eigenversorgung in den Mittelpunkt. Die Macht in Nordkorea, dem Norden des seit 1945 geteilten Landes, wird seit der Staatsgründung 1948 innerhalb der Kim-Familie weitergegeben. Da der Koreakrieg 1953 nur mit einem Waffenstillstand endete, befinden sich Nord- und Südkorea formal weiter im Kriegszustand. Nach Kim Il-sung und Kim Jong-il übernahm Kim Jong-un vor 14 Jahren die Herrschaft.
Tausende Nordkoreaner sollen in Russland kämpfen
Südkoreanische und westliche Behörden gehen davon aus, dass Nordkorea mehr als 10.000 Soldaten zur Unterstützung Russlands entsandt hat. Viele von ihnen sollen in der russischen Grenzregion Kursk eingesetzt worden sein. Schätzungen zufolge wurden mehrere tausend Soldaten getötet oder verletzt.
Die nordkoreanischen Staatsmedien hatten in den vergangenen Monaten wiederholt detailliert beschrieben, wie Soldaten sich mit Granaten selbst getötet hätten, um nicht in ukrainische Gefangenschaft zu geraten. Einige nordkoreanische Soldaten wurden lebend von ukrainischen Truppen gefangen genommen. Laut CNN erklärte mindestens einer von ihnen, er bereue nicht seine Gefangennahme, sondern dass er sich nicht selbst getötet habe.
Menschenrechtsorganisationen warnen davor, gefangene nordkoreanische Soldaten nach einem Kriegsende an Pjöngjang zurückzugeben. Ihnen drohten dort schwere Strafen. Südkorea erklärte dagegen bereits, man würde nordkoreanische Soldaten aufnehmen, die in den Süden fliehen wollten.
Wende nach Osten: Der neue Nordkorea-Hype in Russland
Bauprojekt: Russland und Nordkorea wollen die Autobrücke über den Tumen bald eröffnen
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]