Kinder für Kinder

Andreas Kurtz
3 Min

Für die Berliner Schauspielerin Franziska Troegner wurde der Dienstagabend eine Reise in ihre Vergangenheit. Da stand sie nämlich mit den Mäusen des Kinderensembles des Friedrichstadtpalastes gemeinsam auf der Bühne und erinnerte sich an ihren ersten Auftritt im Rampenlicht. Klein-Franziska war gerade mal fünf Jahre jung und sagte auf der Bühne des Metropol-Theaters den ewigen Klassiker "Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!" auf.Diesmal ging es im Friedrichstadtpalast bei der Benefizgala "Miteinander - Kinder helfen Kindern" nicht um solche Halluzinationen, sondern um brutale Realitäten, um die sich der Berliner Verein "placet - plastisch-chirurgisches Zentrum für Terroropfer e. V" kümmert. Er sorgt dafür, dass Kinder und Jugendliche, die als Opfer von Krieg, Terror oder Folter verstümmelt wurden, nach Deutschland geholt und hier kostenlos in Kliniken behandelt werden. Die Ärzte des Vereins operieren ehrenamtlich, aber die Betreuung zwischen den meist zahlreichen Operationen ist teuer.Und so sucht Vereinsvorsitzender Dr. Frank Peter Verbündete, die ihm beim Sammeln von Spenden helfen. Während der Vorbereitung der Benefizgala wurde er beim Berliner Kurier und in Europas größtem Revuetheater an der Friedrichstraße fündig. Das Boulevardblatt half beim Kartenverkauf, das Kinderensemble (das dieses Jahr seinen 60. Geburtstag feiert) probte für den Dienstagabend eine Auswahl der beliebtesten Nummern aus den Kinderrevuen "Münchhausen junior" und "Lieblingsfarbe Bunt".Die Kinder opferten dafür sogar ihre schulfreien Tage über Pfingsten. Und auch die Erwachsenen Michael Schanze, Kim Fisher und Ines Paulke sangen für den guten Zweck des Abends. Ines Paulke schleppte sich für die Premiere ihres neuen Songs "Das kleine Lied vom großen Schmerz" sogar an Krücken auf die Bühne. Passend zum Titel hätten das auch bloß Requisiten sein können - waren sie aber nicht. Die Sängerin ist seit einem Unfall beim Badminton auf Gehhilfen angewiesen (als das noch Federball hieß, ist ihr so was nicht passiert).Michael Schanze hatte sich, wie die anderen Mitwirkenden des Abends, nicht lange zu seinem Auftritt bitten lassen: "Ich konnte nicht Nein sagen. Schließlich geht es um Kinder." Auch Franziska Troegner war hochmotiviert: "Kinder sind das Unschuldigste, was es auf der Welt gibt. Erwachsene zetteln Kriege an, die Kleinen geraten da hinein. Man darf sie nicht allein lassen."Das besondere am Benefizabend im Friedrichstadtpalast: Die 250 Kinder des Kinderensembles setzten sich mit ihrer fröhlichen Kunst für Gleichaltrige ein. Und machten so mit lustigen Nummern auf die Probleme von jungen Opfern terroristischer Gewalt in aller Welt aufmerksam.Das Kinderensemble hat eine Gründungsgeschichte, die so ein Engagement für Kriegsopfer sehr naheliegend erscheinen lässt: Vor 60 Jahren, nur wenige Wochen nach Ende des Zweiten Weltkriegs, begann die Arbeit mit Kindern am Friedrichstadtpalast. Singend und tanzend konnte die erste Generation der Ensemblemitglieder kurz nach dem Krieg unbeschwerte Stunden verbringen.------------------------------Foto: Auch Sängerin Kim Fisher engagierte sich für den guten Zweck.------------------------------Foto: Sängerin Ines Paulke unterstützte die Gala für den Berliner Hilfsverein "placet".------------------------------Foto: Das Kinderensemble des Friedrichstadtpalastes - hier beim Kükentanz - setzt sich für Opfer von Krieg und Gewalt ein.

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