Ein solcher fester Termin sorgt für Struktur. Allerdings wächst nicht jeder Kinderfuß nach einem festen Zeitplan. Eine aktuelle Analyse verschiedener Studien zeigt, dass starre Regeln beim Schuhwechsel nicht sinnvoll sind. Der Kalender kann zwar eine grobe Orientierung liefern, ersetzt aber keine individuelle Kontrolle von Füßen und Schuhen.
Was feste Wechseltermine so verlockend macht
Im Familienalltag können einfache Regeln für Struktur und Übersicht sorgen. Wer sich vornimmt, die Kinderschuhe alle drei oder vier Monate zu kontrollieren, handelt zunächst durchaus verantwortungsvoll. Allerdings werden solche festen Intervalle in der Meta-Studie zum Wechsel von Kinderschuhen von Siemes Schuhcenter als zu pauschal betrachtet. Sie sagen nichts darüber aus, wie schnell ein einzelnes Kind aktuell wächst oder wie stark ein Schuh im Alltag beansprucht wird. Ein festes Wechselintervall kann daher schnell zu der trügerischen Annahme führen, dass die Schuhe bis zum nächsten Kontrolltermin noch ausreichend Platz für den Kinderfuß bieten werden.
Kinderfüße wachsen nicht nach Terminplan
Die untersuchten Studien machen deutlich, dass Kinderfüße nicht gleichmäßig wachsen. Es gibt ruhigere Phasen, in denen sich über Wochen wenig verändert. Zu einer anderen Zeit kann ein Wachstumsschub dafür sorgen, dass ein Schuh deutlich schneller als erwartet zu klein wird.
Für Schulkinder nennt die Studie zwar eine durchschnittliche Längenzunahme der Füße um 97 Millimeter, solche Werte helfen aber nur als grobe Einordnung. Sie sagen nichts über die individuellen Wachstumsphasen des einzelnen Kindes aus. Ein Schuh kann deshalb lange passen oder überraschend früh zu klein werden.
Oft beginnt das Problem deutlich vor dem nächsten Termin
Wenn der Schuh schon länger vor dem nächsten Termin zu wenig Platz für den Fuß eines Kindes bietet, wird aus der praktischen Routine schnell ein Risiko für die Fußentwicklung. Die für die Studie ausgewerteten Daten offenbaren erschreckende Werte: 85 Prozent der Straßenschuhe waren laut den ausgewerteten Untersuchungen zu kurz. Zu kleine Kinderschuhe sind somit kein Einzelfall, sondern ein weit verbreitetes Problem. Wer grundsätzlich erst wartet, bis der vorgesehene Kontrollmonat erreicht ist, übersieht unter Umständen, dass der Schuh längst ungeeignet für das Kind ist und Fehlstellungen begünstigt.
Nicht nur der Fuß, sondern auch der Schuh selbst verändert sich
Der Fokus liegt häufig auf dem wachsenden Fuß. Die Studie stellt starre Wechselintervalle aber auch aufgrund von unterschiedlicher Intensität bei der Nutzung infrage. Viele Kinderschuhe sind täglich im Einsatz: auf dem Schulweg, im Kindergarten, auf dem Spielplatz, bei Regen, im Sand, auf Asphalt oder beim Sport. Dabei verändern sich Sohle, Innenfutter, Halt, Dämpfung und Flexibilität. Selbst wenn ein Schuh äußerlich noch ordentlich aussieht, kann er möglicherweise trotzdem nicht mehr so funktionieren wie am Anfang. Der Kalender bildet diese Belastung nicht ab. So können zwei Kinder ihre Schuhe zwar gleichlang besitzen, die Beanspruchung kann aber ganz unterschiedlich aussehen.
Es ist nicht immer entscheidend, wie viel Zeit seit dem Kauf eines Schuhs vergangen ist. Viel wichtiger ist, was in dieser Zeit passiert ist. Besonders unzuverlässig ist ein reines Kaufen nach dem Kalender.
Wann der Kalender bei Kinderschuhen versagt
- nach einem Wachstumsschub
- bei neuer oder stärkerer Nutzung, etwa durch Sport oder intensive Belastung auf dem Schulhof oder in der Freizeit
- nach Wochen mit viel Regen, Matsch, Sand oder intensiver Spielplatznutzung
- wenn ein Schuh außen noch gut wirkt, innen aber bereits deutlich nachgibt
Der Kalender kann trotzdem weiterhin hilfreich sein, wenn es um die regelmäßige Kontrolle der Schuhe eines Kindes geht. Als alleinige Entscheidungsgrundlage reicht er aber nicht aus.
Wechselkorridor statt starrer Regel
Die zentrale Botschaft der Studie ist kein festgelegter Wechsel- oder Kontrollzeitraum. Sinnvoller ist ein sogenannter Wechselkorridor. Dieser Begriff beschreibt einen Zeitraum, in dem es wahrscheinlicher wird, dass ein Schuhwechsel erforderlich ist. Ob ein solcher Wechsel dann wirklich nötig ist, hängt vom Kind, von dessen Wachstum, vom Schuh und von der Nutzungsintensität ab. Für Familien bedeutet das, dass ein fester Termin im Kalender zwar an Kontrollen erinnern kann. Solche Kontrollen sollten aber nicht nur alle paar Monate, sondern deutlich regelmäßiger erfolgen. Ob Kinderschuhe nach einem festen Zeitraum wirklich ausgedient haben, lässt sich mit einer einfachen Faustregel nicht beantworten.
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