Neue Studie

Kindesmissbrauch: Wenn Mütter zu Täterinnen werden

Auch Frauen üben sexuelle Gewalt gegen Kinder aus. Darüber zu reden, ist ein soziales Tabu. Eine Studie gibt Einblicke in die Seelen von Täterinnen und Opfern.

Team News Mike Wilms BLZ/mow
3 Min
Ein Tabuthema: Sexualisierte Gewalt, die von Frauen an Kindern ausgeübt wird (Symbolbild).

Ein Tabuthema: Sexualisierte Gewalt, die von Frauen an Kindern ausgeübt wird (Symbolbild).

© Imago/Cavan Images

Die Forscher befragten im Rahmen von zwei anonymen Online-Studien einerseits Opfer, die sexualisierte Gewalt durch Frauen erlebt haben, und andererseits Frauen, die sexuelles Interesse an Kindern zeigen. Zudem werteten die Experten des Instituts für Sexualforschung, Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie vertrauliche Anhörungen und Berichte aus.    

Die Erkenntnisse aus der Studie:

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Die Forscher konnten mit Blick auf die Täterinnen vier Täter-Typen identifizieren. Dabei geht es auch um vier unterschiedliche Strategien oder Vorgehensweisen bei der Ausübung sexualisierter Gewalt gegen Kinder.

Vier Typen von Täterinnen:

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Frauen als Täter: Subtiles Vorgehen und seelische Manipulation

Prof. Dr. Johanna Schröder vom Institut für Sexualforschung, Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie sagt: „Die Auswertungen ergaben auch, dass sexualisierte Gewalt durch weibliche Täterinnen für Betroffene und das Umfeld schwerer zu erkennen ist als sexualisierte Gewalt durch männliche Täter.“ Es werde bei Täterinnen beispielsweise von einer subtileren Vorgehensweise und mehr seelischer Manipulation berichtet. „Aufgrund der starken Tabuisierung fällt Betroffenen das Sprechen über die sexualisierte Gewalt durch eine Frau besonders schwer – das Vertrauen ist stärker erschüttert und Schamgefühle werden stärker empfunden als bei sexualisierter Gewalt durch einen Mann“, so Schröder. Viele Betroffene zeigen demnach posttraumatische Belastungssymptome und fühlen sich stigmatisiert, was das seelische Leiden noch verstärke.   

Expertin: „Tabuisierung des Themas muss beendet werden“

Aus den Erkenntnissen des Forschungsprojekts ergeben sich Empfehlungen für die weitere Forschung, Prävention und Versorgung. „Um Kinder auch vor sexualisierter Gewalt durch Frauen besser schützen und Betroffene bedarfsgerecht versorgen zu können, muss daher an erster Stelle die Tabuisierung des Themas beendet werden“, so Dr. Safiye Tozdan. Dies könne beispielsweise durch die Aufklärung der Öffentlichkeit und durch die Fortbildung von Fachleuten – auch aus Polizei und Justiz – gelingen.

Das Forschungsprojekt startete am 1. Januar 2020 und endete am 30. Juni 2021. Es wurde am Institut für Sexualforschung, Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf durchgeführt. Das Projekt wurde mit Mitteln der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs finanziert.

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