Sein Werk war so radikal wie stilprägend: Mit „Scorpio Rising“ bereitete Kenneth Anger 1963 den Weg für das moderne Musikvideo und wurde zum queeren Darling. Sein transgressives Kino war poppig und provokativ und stellte ihn auf eine Ebene mit Jean Genet („Un chant d'amour“, 1950) und Jack Smith („Flaming Creatures“, 1961).
Konventionen waren dem 1927 in Santa Monica geborenen Anger in der Regel komplett egal: Seine Filme handelten von schwulen Bikern und satanischen Ritualen, mit denen er die Skandale Hollywoods spiegelte, das ihn nach seinem Buch „Hollywood Babylon“ (1959) verbannte.
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Erfundene Geschichten, aber lustig
Darin schilderte Anger genüsslich die Affären der Filmmetropole, auch solche, über die man gerne geschwiegen hätte. Vieles war erfunden, der Shitstorm-Faktor jedoch immens: So drohten etwa die Söhne der Schauspielerin Clara Bow mit Klagen für die Falschbehauptung Angers, ihre Mutter habe mit Sex mit dem gesamten Footballteam der University of Southern California gehabt.
Filmplakat für Angers „The Equinox Of The Gods“ von 1967
© imago iamges
Die Popwelt jedoch liebte Kenneth Anger. Er arbeitete mit Stars wie Marianne Faithful und Mick Jagger und genoss zusätzliche Popularität, nachdem sein früherer Mitbewohner und vermeintlicher Liebhaber, Bobby Beausoleil, Mitglied der Manson Family wurde. Diese war bekanntlich verantwortlich für mehrere Morde, darunter den an der Schauspielerin Sharon Tate, der Frau Roman Polanskis.
Angers Filme beeinflussten eine ganze Armada von Regisseuren, darunter David Lynch, Martin Scorsese und Rainer Werner Fassbinder. Wie jetzt bekannt wurde, starb Kenneth Anger bereits Mitte des Monats in Kalifornien. Er wurde 96 Jahre alt.
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