Statt der fünf Lieder, die in unseren Gottesdiensten normalerweise von der Gemeinde gesungen werden, gibt es nun nur noch eines, und das singt der Organist, so wie er auch die liturgischen Antiphonen – die Wechselgesänge mit der Gemeinde bei Sündenbekenntnis und Gnadenzusage – mit sich allein singt. Angesichts der großen Rolle, die Martin Luther der Musik und der singenden Gemeinde in der protestantischen Kirche zugemessen hat, angesichts des großartigen Erbes protestantischer Kirchenmusik von Schütz über Bach bis Hugo Distler, angesichts der starken, dem Wort nicht selten überlegenen Wirkungen, die Musik auf die Kirchenbesucher ausübt, gehören die Kirchen dann doch sehr weitgehend in die Reihe „Schlafender Orte“.
Serie
Schlafende Orte: Eine Stille, die sich ereignet
Die meisten Kirchen sind noch offen, aber die Musik ist weitgehend aus ihnen verschwunden. Unser Autor schreibt über die Gemeinde, in der er die Orgel spielt.
5 Min
Link kopiert
Die Artikel-URL wurde erfolgreich in Ihrer Zwischenablage gespeichert.
Unser Musikkritiker Peter Uehling in der Ernst-Moritz-Arndt-Kirche in Zehlendorf.
© Berliner Zeitung/Markus Wächter
Werden Sie Teil des Ostablishments.
Sie haben bereits ein O+ Abo?
*