Diplomatie

Klare Worte aus China zu deutschem UN-Debakel: „Ein nötiger Denkzettel“

Aus Shanghai kommt der Rat an Berlin, die Schuld für die deutsche Schlappe bei der Kandidatur zum UN-Sicherheitsrat nicht bei anderen zu suchen.

Michael Maier
4 Min
Außenminister Johann Wadephul scheiterte in New York mit der deutschen Kandidatur für den UN-Sicherheitsrat.

Außenminister Johann Wadephul scheiterte in New York mit der deutschen Kandidatur für den UN-Sicherheitsrat.

© Michael Kappeler/dpa

Das Scheitern Deutschlands bei der Wahl zum UN-Sicherheitsrat hat Beobachter in China „sehr überrascht“. Jiang Feng, Professor für europäische Studien an der Shanghai International Studies University (SISU) und Chairman of the Board of Shanghai Academy for Global Governance and Area Studies (SAGGAS), sagte der Berliner Zeitung, er hoffe, „dass dies zum Anlass für eine außenpolitische Debatte genommen wird, die Deutschland auf der Weltbühne die Anerkennung bringt, die nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt wünschenswert“ sei. Die Niederlage sei ein „Weckruf“ für die deutsche Außenpolitik der vergangenen Jahre, ein „hilfreicher Anlass zur Selbstreflexion und gründlichen Analyse“. Jiang sagte, Deutschland dürfe nun nicht den Fehler machen, „nach Schuldigen zu suchen“, etwa dahingehend, dass man Bundeskanzler Friedrich Merz als „Außenkanzler“ kritisiere, oder „dass der Bewerbungsantrag zu spät eingereicht wurde, dass Portugal dank seiner kolonialen Vergangenheit mehr Sympathien in Lateinamerika genießt, dass Österreich als neutraler Staat mit seinen vielen UN-Organisationen in Wien Vorteile hatte, oder dass man sogar andeutet, Russland und China hätten Österreich bewusst unterstützt“. Schuldzuweisungen würden Deutschland nicht weiterbringen. Es sei an der Zeit, die eigenen außenpolitischen Ansätze und den Stil zu überdenken und möglicherweise zu ändern.

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