Berlin - Für Freunde klassischer Musik könnte es eine gute Nachricht sein. Ob auch Fans von Techno, Rock und Pop erfreut sein werden, wird sich zeigen. Seit diesem Montag erproben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und Klassik Radio, wie Musik auf Fahrgäste wirkt. Das teilte das Landesunternehmen mit. Schauplatz des Pilotprojekts sind die Bahnsteige der U-Bahnhöfe Unter den Linden an der Linie U5, Strausberger Platz (U5), Südstern (U7) und Moritzplatz (U8). „Wir wollen herausfinden, ob auch dezente Musik dazu beitragen kann, das Warten auf den Zug noch angenehmer zu machen“, so die BVG. Die Fahrgäste können mitentscheiden, ob der Test auf weitere U-Bahn-Stationen in Berlin ausgeweitet wird. Dazu soll es Befragungen geben, hieß es.
Mit dem in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreiteten Sender Klassik Radio habe man einen renommierten Partner für den Versuch gewonnen, berichtete die BVG. Dessen Experten hätten speziell für den Test vier Musikprogramme kuratiert, zum Beispiel mit entspannender klassischer oder anregender Lounge-Musik. Wer will, kann die Musik auch außerhalb der U-Bahn hören – über bvg.de/ambiente.
„Grundsätzlich dezente Musik“
Auf unterschiedlichen U-Bahnhöfen soll es unterschiedliche Musikstile geben. „Dem Testcharakter entsprechend wurden vier Stationen gewählt, die sich nicht nur baulich und somit akustisch unterscheiden“, so die BVG weiter. „Sie haben auch verkehrlich eine jeweils andere Bedeutung, vom innerstädtischen Bahnhof unter dem Boulevard bis zum Bahnhof in einem Mischgebiet mit hohem Gewerbeanteil. Dabei gibt es keine feste Zuordnung des musikalischen Ambiente. Musikstile und Bahnhöfe werden im Laufe des Versuchs wechselnd kombiniert.“ Klar sei, dass es sich in allen Fällen um „grundsätzlich dezente Musik“ handeln soll.
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Die Klänge werden unterbrochen, wenn es Lautsprecherdurchsagen gibt, ergänzte das Verkehrsunternehmen. Auch wenn U-Bahnen einfahren und am Bahnsteig stehen, soll keine Musik zu hören sein. Das soll auch dazu beitragen, dass sich blinde sowie sehbehinderte Menschen weiterhin orientieren können. Das Vorhaben wurde mit der Technischen Aufsichtsbehörde abgestimmt, betonte die BVG.
Dagegen ist Livemusik in der Berliner U-Bahn seit dem Beginn der Pandemie legal nicht mehr möglich. Die Vergabe der Genehmigung zum Musizieren auf U-Bahnhöfen wurde zum 18. März 2020 eingestellt und seitdem nicht wieder aufgenommen, sagte ein Sprecher. Seit Anfang 2020 waren noch 865 dieser Genehmigungen erteilt worden, im gesamten Jahr davor waren es 4889.
„Wir setzen auf den psychologischen Effekt“
Musik in Berliner U-Bahnhöfen: Das ist nicht zum ersten Mal Thema. 2007 kündigte die BVG an, die Stationen Voltastraße und Rosenthaler Platz an der Linie U8 in Mitte mit Klassik zu beschallen. „Wir setzen auf den psychologischen Effekt“, sagte Petra Reetz, die damalige Sprecherin des Unternehmens, der Berliner Zeitung.
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Auf Fahrgäste, die nur kurz im U-Bahnhof bleiben, könne Klassik beruhigend wirken. Nach dem Motto: Wer in schönen Tönen schwelge, komme nicht auf dumme Gedanken. Erfahrungen aus anderen Städten wie Hamburg, München, Barcelona und Montreal zeigten, dass eine Klangberieselung Drogenhändlern, Wohnungslosen und anderen, die unberechtigt oder zu lange in den Stationen verweilen, gehörig auf die Nerven geht, gab die BVG damals zu bedenken. Meist mit der Folge, dass sie sich lieber woanders aufhalten. Das führe dazu, dass sich die Fahrgäste sicherer fühlen.
Der Fahrgastverband IGEB sah das skeptisch. „Klassische Musik alleine kann es nicht sein“, sagte Verbandsvize Jens Wieseke damals. Er wiederholte die Forderung, wieder mehr Personal in Berlins U-Bahnhöfen einzusetzen. Das Vorhaben, Dealer aus der U8 zu vertreiben, wurde dann doch nicht verwirklicht.
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Ausgesucht wurde ein anderer Berliner U-Bahnhof: Adenauerplatz an der U7 in Charlottenburg. Dort wurde im November 2009 im Zwischengeschoss damit begonnen, klassische Musik zu spielen. Schon rund zwei Monate später war jedoch Schluss.
2018 sorgte dann der Chef der Berliner Bahnhöfe mit der Ankündigung, Drogenhändler mit atonaler Musik aus den Zugangsbereichen des S-Bahnhofs Hermannstraße in Neukölln zu vertreiben, für Aufsehen. Doch das Vorhaben wurde nicht verwirklicht.
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