Klein und fein oder groß und durchorganisiert - Berliner Konzert-Veranstaltungsorte im Vergleichstest

Musik live erleben

Alexandra Hesse
5 Min

Wenn Bands auf Tour gehen, führt sie ihr Weg oft nach Berlin. Das ist gar nicht so selbstverständlich. Denn es kommt vor allem auf die Veranstaltungsorte an. Doch leider kann für den Besucher das monatelang ersehnte Konzert schnell in ein großes Ärgernis umschlagen. Etwa wenn einem unzählige Säulen im Konzertraum die Sicht auf die Bühne versperren, die Akustik so schlecht ist, dass die Lautstärke den Klang erschlägt oder die Klimaanlagen mit dem Zigarettenrauch nicht fertig werden; manchmal ist der Laden zudem so überfüllt, dass einem im Gedränge fast die Luft wegbleibt. So findet man in Berlin Konzerträume und -hallen, die unterschiedlicher nicht sein können.Wir haben zehn etablierte Konzert-Veranstaltungsorte getestet. Entscheidend für die Auswahl war, dass die Orte hauptsächlich für Popmusik-Konzerte und nicht für Sport- oder Unterhaltungsveranstaltungen genutzt werden. Vor Ort wollten wir wissen: Von wo hat man die beste Sicht auf die Bühne? Was kosten die Getränke? Kann man Jacken und Taschen abgeben? Wie sauber sind die Toiletten? Kurzum: Welcher Service wird dem Gast über das eigentliche Konzert hinaus geboten? Da die Betreiber der Veranstaltungsorte nicht zwangsläufig die technische Ausstattung oder den Tontechniker stellen, blieben der Sound und die Lautstärke unberücksichtigt - zumal sie stark vom jeweiligen Konzert abhängt. Unser Vergleichstest bietet eine Übersicht über Räumlichkeiten, Serviceangebot und Wohlfühl-Faktor.------------------------------Viel bespielte HalleColumbiahalle, Kreuzberg: Nach einem kurzen Sicherheits-Check betritt man den großen übersichtlichen Konzertraum, nur wenige Säulen versperren den Blick auf die Bühne. Zwei Bars befinden sich an den Längsseiten sowie seitlich des Eingangs. Der Toilettenbereich ist geräumig und sauber. Den besten Blick auf die Bühne hat man von der großen U-förmigen Empore - hier gibt's auch kühle Luft.Für 3 500 Gäste, Garderobe: Jacke/Tasche 1-2 ¤, Bier (0,5 l): 4 ¤, Softdrink (0,2 l): 2 ¤.Columbiahalle, Columbiadamm 13-21, Tel. 698 09 80, www.columbiahalle.deFazit: Großes Serviceangebot vorhanden, aber teurer Spaß.------------------------------KneipenatmosphäreKalkscheune, Mitte: Kleine Tische und Holzstühle vermitteln eine gemütliche Kneipenatmosphäre im Konzertraum. Störend sind die Säulen, die die Sicht auf die Bühne erheblich einschränken. Zu den sauberen Toiletten gelangt man über einen Innenhof, der Abkühlung von der reichlich stickigen Luft drinnen bietet. Im Gegensatz zum Barpersonal ist die Security äußerst freundlich.Für 600 Gäste, Garderobe: 1 Euro, Bier (Flasche 0,33 l): 3 ¤, Softdrinks (Glas 0,2 l): 1,50-2 ¤.Kalkscheune, Johannisstr. 2, Tel. 59 00 43 40, www.kalkscheune.deFazit: Keine gute Bühnensicht, für Plauderstunden geeignet.------------------------------IndustriecharmeKesselhaus, Prenzlauer Berg: Die Bühne steht an der Stirnseite eines Raumes mit unverputzten Wänden und hohen Decken. Sie ist von überall sehr gut einsehbar. Von einer U-förmigen Balustrade bietet sich der beste Blick. Im Zuschauerraum gibt es seitlich und hinten einige Podeste, auf die man sich stellen kann. An der einzigen Bar dauert es manchmal etwas länger. Saubere Toiletten sind im Keller.Für 1 000 Gäste, Garderobe: 1 ¤, Bier (0,33 l): 2,50 ¤, Softdrinks (0,2 l): 1-1,50 ¤.Kesselhaus, Sredzkistr. 1 oder Knaackstr. 97, Tel. 44 31 50, www.kesselhaus-berlin.deFazit: Sehr gute Sicht bei sehr guter Luft.------------------------------Verwinkelte EngeKnaack, Prenzlauer Berg: Durch die "Concert Lounge" gelangt man in den kleinen Konzertraum. Besser vorher ein Getränk kaufen und die Toilette benutzen, denn: Bei vollem Haus ist in dem verwinkelten dunklen Raum kein Durchkommen möglich. Die hohe Raumtemperatur lässt manchen Gast in den Keller zum Flippern oder Kickern flüchten. Oder in die "Lounge" - da läuft das Konzert auf Leinwand.Für 300 Gäste, keine Garderobe, Bier (Flasche 0,33 l): 2,50 ¤, Softdrink (Glas 0,2 l): 1,50 ¤.Knaack, Greifswalder Str. 224, Tel. 442 70 61, www.knaack-berlin.deFazit: Nix für Leute mit Berührungsängsten.------------------------------ClubcharakterMagnet, Prenzlauer Berg: Die Sitzgelegenheiten und Diskokugeln verleihen dem Magnet Clubcharakter. Jedoch schwindet die Gemütlichkeit, sobald der Raum sich füllt - es wird ziemlich heiß. Da man die Bühne an der Stirnseite leicht aus den Augen verliert, kann der Gast auf einer Leinwand das Konzert im hinteren Teil des Raums verfolgen. Der Weg zu den Toiletten wird im Gedränge beschwerlich.Für 400 Gäste, Garderobe: 1 ¤, Bier (Flasche 0,33 l): 2,50 ¤, Softdrink (0,2 l) 1-2 ¤.Magnet, Greifswalder Str. 212-213, Tel. 44 00 81 40, www.magnet-club.deFazit: Guter Laden, manchmal kann es sehr heiß werden.------------------------------LagerhalleFritzclub im Postbahnhof, Friedrichshain: Hinter dem Eingangsbereich des ehemaligen Postzentrums befindet sich die Lounge. Bar, Sitzgelegenheiten und Pflanzen bilden eine Art Ruheraum, die Toiletten sind sauber. Im Konzertraum ist die Bühne erhöht, so dass man die Band auch von weit hinten gut sehen kann. Erfreulich für die Gäste: Bis auf einen Meter kommt man an die Bühne heran.Für 1 200 Gäste, Garderobe: 1 ¤, Bier (Fass/Flasche 0,3/0,33 l): 2,50 ¤, Softdrink (0,2 l): 2 ¤.Fritzclub, Straße der Pariser Kommune 103, Tel. 29 30 90, www.fritzclub.comFazit: Schönes Flair in alten Lagerhallen.------------------------------Nicht nur PunkSO36, Kreuzberg: Der alteingesessene Laden mitten in Kreuzberg 36 ist einer der geschichtsträchtigsten Konzertorte Berlins. Er stammt aus einer Zeit, in der man Flammen an die Wände malte. Die Bühne erstreckt sich über die gesamte Querseite und ist von jedem Platz sehr gut zu sehen. Auf den rechts angebrachten Sitzbänken, hat man stehend die beste Sicht. Dank der hohen Decken ist die Luft gut.Für 600 Gäste, Garderobe: 1-1,50 ¤, Bier (Flasche 0,33 l): 2,60 ¤, Softdrinks (0,2 l): 1,30-1,60 ¤.SO36, Oranienstr. 190, Tel. 61 40 13 06,www.so36.deFazit: Vielfältige Nutzung und bunt gemischtes Publikum.------------------------------ArenarockTempodrom, Kreuzberg: Durch ein helles Foyer mit unzähligen Bars und Ständen gelangt man in die große Arena. Dieser Raum stellt die Bühne voll und ganz in den Mittelpunkt: Sie ist vom Innenkreis sowie den steil abfallenden Rängen rundum ausgezeichnet zu sehen. Durch die offenen Eingänge gelangt frische Luft in den Konzertraum. Die Toiletten sind zahlreich und sauber.Für 3 500 Gäste, Garderobe: 1 ¤, Bier (0,4 l): 3 ¤, Softdrinks (0,2-0,3 l): 1,50-2 ¤.Tempodrom am Anhalter Bahnhof, Möckernstr. 10, Tel. 263 99 80, www.tempodrom.deFazit: Anonyme Konzertarena mit gutem Blick für jeden.

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