Kleinsparer verloren Vermögen an Immobilienbetrüger

Moskaus Boom frisst seine Kinder

Katja Tichomirowa
2 Min

Moskau boomt. Wohin das Auge sieht, wird gebaut. Die Löhne steigen, die Mietpreise auch. Was liegt da näher, als über den Erwerb einer Eigentumswohnung nachzudenken? Die Demonstranten, die sich Anfang der Woche in Moskau versammelten, hatten genau das getan. Sie investierten ihre Ersparnisse in den Kauf einer Wohnung. Genauer gesagt, in einen Immobilienfonds mit dem vertrauenerweckenden Namen "Soziale Initiative".Zwischen 2003 und 2005 brachten landesweit etwa 50 000 russische Kleinsparer 15 Milliarden Rubel (462,5 Millionen Euro) in den Fonds ein, in der Annahme, damit in nicht zu ferner Zukunft ein Apartment ihr Eigen nennen zu können. Daraus wurde nichts. Hunderte der um ihre Ersparnisse geprellten Anleger campierten stattdessen in der vergangenen Woche vor dem Sitz der russischen Regierung in Moskau. "Nieder mit der Korruption" riefen sie, denn ihr Geld hatte die "Soziale Initiative" gern genommen, die versprochenen Wohnungen aber nie gebaut. Nun sitzt der Chef des Immobilienfonds zwar im Gefängnis, die 15 Milliarden Rubel aber sind futsch.Die Demonstranten fordern von der russischen Regierung, sie möge die Verantwortung für die Schweinerei übernehmen und entweder Wohnungen bauen oder das Geld zurückerstatten. Zudem verlangen sie, alle Verwaltungsbeamten, die in den betroffenen Regionen der "Sozialen Initiative" den Verkauf von Luftschlössern erlaubt hätten, zu verhaften.Bislang jedoch ist nicht erwiesen, dass es sich um einen Fall von Korruption handelt. Der wahrscheinlichere Fall eines besonders dreisten Anlagebetrugs wäre nicht Sache der Regierung, sondern der Justiz. Die aber genießt nicht das Vertrauen der Geschädigten.Die Regierungspartei "Einiges Russland" will sich der Sache nun annehmen. Ein Zeltlager auf dem Roten Platz erinnerte doch zu sehr an den Umsturz in der Ukraine.

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