Klima: Am Mittelmeer wird es zu heiß - die Reiseziele der Zukunft liegen nördlich der Alpen

Tourismusbranche muss umsteuern

Matthias Schäfer
3 Min

BERLIN. Die zu erwartende Erderwärmung und die Veränderung des Klimas werden dramatische Auswirkungen für die gesamte Tourismusbranche haben. In den Alpen wird die höhere durchschnittliche Temperatur dazu führen, dass die winterlichen Niederschläge immer häufiger Regen und nicht Schnee sein werden. Die Folge: ein weiteres Abschmelzen der Gletscher. Das führt dazu, dass es künftig weniger Ski-Gebiete geben wird als heute. "Viele Regionen in den Bergen werden dann nicht mehr vom Wintertourismus leben können", sagte Stephan Bakan, stellvertretender Abteilungsleiter vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg.Ostsee wird attraktiverWeil sich die Klimazonen verschieben, wird es zudem in den traditionellen Urlaubsregionen rund ums Mittelmeer in den Sommermonaten deutlich heißer als heute werden. Daher werden viele Urlauber in naher Zukunft Reiseziele nördlich der Alpen bevorzugen. "Wir gehen davon aus, dass die Sommer und Winter an der Nord- und Ostsee ebenfalls wärmer werden", sagte Bakan. Diese Gebiete gewinnen daher an Attraktivität. Aber auch die Niederschläge werden heftiger und häufiger auftreten als jetzt, weil sich in einer wärmeren Atmosphäre mehr Feuchtigkeit halten kann."Die gesamte Tourismusbranche sollte sich daher Gedanken darüber machen, wo die Urlaubsregionen der Zukunft sein werden", erklärt Bakan. Viele der klassischen Reiseziele werde es nach heutigen Klimamodellen bald nicht mehr geben, weil der Meeresspiegel um mehrere Meter steigt. "Das bedeutet dann Einnahmeverluste für klassische Tourismusregionen in Übersee, weil die Touristen ausbleiben."Das Thema Klimawandel und die globalen Herausforderungen für die Tourismusbranche wird auch auf der heute in Berlin beginnenden Internationalen Tourismusbörse (ITB) und dem parallel stattfindenden ITB-Kongress diskutiert. Auf dem Podium wird ebenso Stephan Bakan vertreten sein. Doch für die Diskussion sind lediglich 45 Minuten eingeplant, kritisiert er. "Das zeigt, welch niedrigen Stellenwert dieses wichtige Thema noch immer hat."Urlauber würden mehr zahlenDen Klimawandel sehen auch viele Urlauber mit Sorge, wie das Online-Reisebüro Travelchannel und die ITB Berlin in einer gemeinsamen Umfrage ermittelten. So gaben 64,3 Prozent von 1 200 Befragten an, nicht mehr ans Mittelmeer reisen zu wollen, wenn es dort zu heiß wird. 76 Prozent wollen in diesem Fall nur noch in Regionen reisen, in denen es angenehm mild ist. Auch die Reisezeiten werden sich nachhaltig verändern. 85,2 Prozent der Befragten wären bereit, ihren Urlaub vom Sommer in das Frühjahr oder in den Herbst zu verschieben, wenn dann die Temperaturen erträglicher wären.Künstliche Urlaubswelten wie überdachte Skihallen oder Bade- und Freizeitparks wie Tropical Island bei Berlin sind nach Ansicht der Befragten keine Alternative zu den klassischen Reisezielen. 84,5 Prozent lehnen künstliche Urlaubswelten ab. Dagegen wären Urlauber durchaus bereit, sich auch finanziell für den Klimaschutz zu engagieren. 73,2 Prozent wären bereit, für einen Ferienflug eine freiwillige Abgabe in Höhe von ein paar Euro zu zahlen.Seite 19------------------------------Ballermann an der OstseeKarte: Party: Warum in die Ferne schweifen, wenn Ballermann-Atmosphäre in wenigen Jahrzehnten auch an Nord- und Ostsee zu haben ist? Wenn der zu befürchtende Klimawandel hiesige Regionen erreicht haben wird, werden kilometerlange Partymeilen womöglich auch an deutschen Stränden selbstverständlich sein.Temperatur: Bis zum Jahr 2071 steigt die Temperatur dort im Schnitt um drei Grad Celsius.------------------------------Foto: Noch reisen Sonnenhungrige in den Süden. Das könnte sich in den nächsten Jahrzehnten ändern.

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