Kommentar zum Klopp-Debüt

Ein bitterer Abend für Klopp, ein guter für das, was er vorhat

Das Klopp-Debüt endet bitter: Gakpo gleicht in der 92. Minute aus. Doch das 1:1 gegen die Niederlande passt zum Plan des Bundestrainers für die EM.

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Bitteres Ende für die DFB-Elf: Cody Gakpo traf am Ende traumhaft zum Ausgleich.

Bitteres Ende für die DFB-Elf: Cody Gakpo traf am Ende traumhaft zum Ausgleich.

© IMAGO/Heiko Becker/IMAGO/HMB-Media

Ein märchenhafter Beginn war es dann doch nicht. Bis zur 92. Minute hatte Deutschland bei Jürgen Klopps Debüt als Bundestrainer in Führung gelegen; dann kam Cody Gakpo. Ausgerechnet einer von Klopps Ex-Schützlingen vom FC Liverpool. Nach einem Ballverlust von Serge Gnabry flankte Ruben van Bommel, der Sohn von Mark van Bommel, mit dem Außenrist auf den zweiten Pfosten und Gakpo verwandelte den Ball aus der Luft zum späten 1:1-Ausgleich.

Ein enttäuschendes Ende für das Klopp-Debüt. Doch auch eines, das sich angebahnt hatte. Nach Felix Nmechas Führung kam Deutschland in der zweiten Halbzeit kaum noch ins Spiel, musste fast nur verteidigen und hielt am Ende doch nicht durch.

Ter Stegen bestätigt den Bundestrainer

Trotzdem ist ein Remis in den Niederlanden nie ein schlechtes Ergebnis. Vor allem die zuletzt so löchrige Defensive wirkte stabiler. Trotz des Dauerdrucks der Gastgeber in der 2. Hälfte hielt Deutschland lange die Null.

Das lag auch an Marc-André ter Stegen, den Klopp zurückgeholt und vorerst zur Nummer eins gemacht hatte. Der Torwart leistete sich zwar den ein oder anderen Fehlpass, machte aber seinen eigentlichen Job hervorragend: Neun Schüsse parierte er, darunter Hochkaräter von Denzel Dumfries und Mexx Meerdink.

Klopp selbst blieb hinterher gelassen. „Wir hätten heute sehr, sehr gerne gewonnen, keine Frage“, sagte er bei RTL, „aber den Punkt kann man auch nehmen.“ Ganz zufrieden war er dennoch nicht: „Wir können besser und mehr Fußball spielen, ganz bestimmt.“

Dass es am Donnerstag nicht mehr wurde, war aber nicht ganz überraschend. Schon vor dem Spiel hatte Klopp davor gewarnt, mit anderthalb Trainingseinheiten die Fußballwelt auf den Kopf stellen zu wollen. Wunder waren in dieser kurzen Zeit nicht zu erwarten.

Der Preis der zwei Kader

Angriffsfläche bietet Klopp trotzdem. Denn er behandelt die Nations League, in diesem Fall ein Pflichtspiel gegen eine große Fußballnation, wie eine Testspielreihe. Er nominierte zwei Kader für je zwei Spiele. Gegen die Niederlande konnte er also nicht auf all seine Stars zählen, weil manche eben erst im zweiten Kader dabei sind. Gut möglich, dass sonst Florian Wirtz den kurzfristig ausgefallenen Jamal Musiala besser vertreten hätte als Nadiem Amiri. Dazu wechselte er in der zweiten Halbzeit fleißig, was dem Ergebnis nicht unbedingt zuträglich schien.

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Doch dieser Abend zeigte auch, was der Plan bringen kann. Vier Spieler in der Startelf standen bei der WM im vergangenen Sommer noch nicht im Kader. Debütant Philipp Treu bereitete mit seiner Flanke das 1:0 vor. Younes Ebnoutalib kam nach Kai Havertz' Verletzung in der 30. Minute für sein Länderspieldebüt und brachte sofort Schwung. Beide hätte Klopp in einem kleineren Kader vielleicht nicht gesehen.

Und darum geht es ja. Dass Spieler sich für mehr empfehlen, die vorher keine Chance hatten. Nicht der größtmögliche Erfolg heute ist das Ziel, sondern der in zwei Jahren, wenn die EM ansteht. Und dafür ist ein 1:1 in den Niederlanden, das nur durch ein Traumtor zustande kam, völlig okay.

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