FRIEDRICHSHAIN. Die vom Tiefbauamt angekündigte Beschränkung auf sechs Außenplätze nach 20 Uhr in den Kneipen rund um die Simon-Dach-Straße wird es nicht geben. Das will der zuständige Baustadtrat verhindern. Franz Schulz (Bündnis 90/Grüne) kritisiert die Entscheidung seiner Verwaltung heftig: "Das ist eine Posse, aus der wir irgendwie wieder her- auskommen müssen", sagt er. Der Politiker war erst gestern nach seinem Urlaub wieder im Dienst und überrascht darüber, was das Amt nach einem Gespräch mit Anwohnern beschlossen hatte. "Die Amtsleiter waren offenbar zu sehr beeindruckt von der Drohung der Anwohner", sagt Schulz. Die des Lärms überdrüssigen Kiezbewohner hatten dem Bezirk mit Klage gedroht, falls dieser nicht endlich etwas in ihrem Interesse unternimmt. Die Zahl von sechs Biergartenplätzen pro Kneipe ist laut Schulz das Ergebnis einer so genannten Prognoseberechnung: "Das ist der Durchschnittswert, den man erhält, wenn Tische und Stühle ins Verhältnis zum möglichen Lärmpegel gesetzt werden." Das heißt, bei der hohen Kneipendichte wären nur so viele Außenplätze erlaubt, wenn man sich ans Gesetz hält. Für Schulz ist diese Zahl aber nicht akzeptabel. "Wir wollen die attraktive, weltweit bekannte Kneipenmeile nicht kaputtmachen", sagt er. Aber es müssten Lösungen für die Anwohner gefunden werden, die teils unerträglichen Belästigungen ausgesetzt seien. Der Baustadtrat ist überzeugt, dass ihm dies gelingt. Demnächst will er Anwohner und Wirte an einen Tisch holen. Dass es nicht weitergehen kann wie bisher, wissen auch die Wirte. Ein Teil von ihnen hat sich jetzt zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Sie soll Ansprechpartner für Ämter und Anwohner sein. "Ich kann die Wut der Anwohner gut verstehen", sagt ihr Sprecher Michael Naeckel. Der im Viertel tätige Gastronom engagiert sich, weil er die Attraktivität des Kiezes erhalten will: "Wir müssen den Wirten klar machen, dass wir alle etwas dafür tun müssen". Die Sechs-Stühle-Mitteilung sieht er als "finalen Warnschuss" vom Amt: "Wir wollen gleiche Regeln für alle, an die sich dann aber auch alle halten müssen", sagt Naeckel. Mit seinen Kollegen redet er auch über einen Kodex, der sie und ihre Gäste zu mehr Rücksichtnahme verpflichtet. "Wir sollten unter anderem dafür sorgen, dass nachts um drei nicht herumgegrölt wird.""Wir müssen sehen, wie wir aus dieser Posse raus- kommen. " Franz Schulz Baustadtrat
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