Da ist ordentlich Druck auf dem Kessel: Immer, wenn netzöffentlich ein Jägerschnitzel zubereitet wird, kocht der Volkszorn mit. So auch diesmal, auf dem Kanal „Hensslers Schnelle Nummer“.
Das erfolgreiche Koch- und Medienformat des TV-Kochs Steffen Henssler ist auf einfache, schnelle und unkomplizierte Gerichte für den Alltag ausgelegt. Da passt doch das klassische DDR-Jägerschnitzel prima rein, mag man sich im Team gedacht haben.
„Für viele ist es DAS Gericht aus dem Osten“, heißt es bei Henssler. „Rustikal, einfach – und trotzdem unglaublich lecker. Ein echter DDR-Klassiker!“ Also werden Jagdwurstscheiben gebraten, Spirelli gekocht und Ketchup in die Mehlschwitze gerührt. Zitronenschnitze dienen als Garnitur, der „Sonderzug nach Panko“ als panierter Wortwitz.
Jägerschnitzel mit Zitrone? „Die gab es damals nicht“
Auch wenn in dieser Jägerschnitzel-Episode offenbar nicht Steffen Henssler selbst am Herd stand, sondern sein Wegbegleiter und kulinarischer Kreativkopf Tobias Frerks, sorgt das Video für Diskussionen in den sozialen Medien. 1800 Kommentare binnen kürzester Zeit allein auf Facebook – das schaffte lange kein Clip mehr.
Viele Fans zeigen sich zunächst begeistert. „Zack, und sofort sitz ich wieder im Speiseraum meiner Schule und bin zehn Jahre alt“, schreibt eine Zuschauerin. Schließlich war die panierte Jagdwurstscheibe in der DDR insbesondere in der Massenverpflegung von Kantinen, Mensen und in der Schulspeisung gefragt. Einige Henssler-Follower bekennen, bis heute sei das Jägerschnitzel ihre Leibspeise.
Dann allerdings kommen schon die Kritiker ins Spiel. „Aber ohne Zitrone, die gab es nicht“, heißt es zunächst noch recht freundlich. Andere witzeln: „Wir hatten ja nix – nich mal Schnitzel.“
Doch mancher Zuschauer mit Osthintergrund fühlt sich auf den Schlips getreten. Gab es Ketchup damals? Hatten sie frische Tomaten in der DDR? Wie war das denn nun mit den Zutaten? User belehren und belöffeln sich, was die Rezeptur angeht. Allein zur Ketchup-Frage sammeln sich 500 Beiträge innerhalb eines Tages.
Ein Zuschauer schreibt: „In der DDR-Variante gab es keine Milch in der Soße. Sorry, aber warum müssen Köche aus dem Westen immer der Meinung sein, sie könnten unsere DDR-Rezepte verbessern oder nachmachen.“
Milch oder Ketchup, das ist hier die Frage
Tatsächlich verzeichnet auch eine der bekanntesten Anlaufstellen im Internet, das Portal DDR-Rezepte.de, ein Rezept für Jägerschnitzel – ohne Milch in der Soße. Dafür aber mit Ketchup, was auch nicht allen Usern passt: „Wenn ein Koch mit Ketchup kocht, kann man ihn nicht ernst nehmen. Das wurde in der DDR auch nicht so gemacht. Es gab Soße aus Mehlschwitze und Tomatenmark. Nix Ketchup, nix Milch!“
Gehäuft zu lesen sind auf Hensslers Kanal auch abfällige Kommentare über das Gericht an sich. „Nenn es nicht Schnitzel“, heißt es da, und: „Das würde ich niemals essen.“
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Jägerschnitzel ist eigentlich ein Gericht der österreichischen Küche, zubereitet aus der Kalbsnuss. Im deutschsprachigen Raum versteht man darunter oft ein paniertes Kalbs- oder Schweineschnitzel mit einer Pilzsoße. Und im Osten gab es eben die Jagdwurst-Variante.
Dass diese noch immer so viele negative Reaktionen hervorruft, kommentiert eine Henssler-Zuschauerin aus Rügen so: „Wie kann man nur negativ und anmaßend urteilen über Gerichte und andere Sachen, die man nicht kennt. Und nach 36 Jahren sollten wir doch endlich mal dieses dämliche Ossi-/Wessi-Hetzen in die Tonne drücken. Ich hatte keine Verwandtschaft im Westen und hatte eine schöne Kindheit und habe nichts vermisst. Was wir nicht kannten, hat uns nicht gefehlt.“
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