BERLIN. Bundespräsident Horst Köhler hat die Deutschen aufgerufen, Zuwanderern mit mehr Offenheit zu begegnen. Ein Land, dessen Bevölkerungszahl durch Geburtenrückgang abnimmt und dessen Sozialsysteme unter dem demographischen Wandel leiden, könne es sich nicht leisten, Zuwanderung eher als lästiges Übel denn als Chance zu begreifen, sagte Köhler in seiner Eröffnungsrede zur Jahrestagung des "Forums Demographischer Wandel" am Freitag in Berlin.Jeder Fünfte, der heute in Deutschland lebe, habe infolge der Zuwanderung eine Migrationsgeschichte, erklärte Köhler. An die Stelle der klassischen Milieus sei eine Vielzahl von Lebensstilen getreten, die sich an unterschiedlichen Werten orientierten. "Aber Verständigung und die Suche nach Gemeinsamkeiten sind unverzichtbar", betonte Köhler. Ein Land, in dem die Fachkräfte rar werden, das aber im weltweiten Wettbewerb um Ideen und Patente mithalten wolle, müsse sich um engagierte und qualifizierte Menschen bemühen.Hochqualifizierte anwerbenDer Bundespräsident forderte weitere Anstrengungen, um den Zuzug von hochqualifizierten Ausländern zu erleichtern. Dafür brauche Deutschland "verständliche und klare Regeln", um den Bedürfnissen der Gesellschaft und des Arbeitsmarkts gerecht zu werden. Den Zuwandern müssten attraktive Berufs- und Lebensperspektiven geboten werden. Es gehe um einen Klimawandel in Deutschland, erklärte Köhler. "Wir müssen deutlich machen, dass wir eine Gesellschaft sind, die engagierte Menschen mit Offenheit empfängt und willkommen heißt. Jede und jeder soll spüren: Ich werde gebraucht."Das wichtigste Mittel, um die gesellschaftliche Teilhabe aller zu gewährleisten, sei Bildung, erklärte er. In Deutschland habe jedoch die soziale Herkunft immer noch einen zu großen Einfluss auf die Bildungschancen eines Kindes. Köhler appellierte deshalb an Eltern und Lehrer: "Trauen Sie Ihren Kindern etwas zu! Fördern und ermutigen Sie sie, sich auf das Erlebnis Bildung einzulassen!"Das von Köhler gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung gegründete Forum existiert seit Ende 2005. Mit einer Reihe von Konferenzen und Gesprächsrunden soll die Initiative die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Gesellschaft analysieren und Lösungen erarbeiten. (tich.)
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