Zugverkehr

Konkurrenz für Eurostar: Neue Züge zwischen Europa und Großbritannien ab 2030 geplant

Jahrzehntelang war Eurostar der einzige Anbieter für Passagiere durch den Ärmelkanaltunnel. Nun nimmt ein weiterer großer Anbieter die Strecke ins Visier.

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Ein Zug des britischen Bahnbetreibers Virgin an einem Londoner Bahnhof. Der Betreiber könnte künftig auch durch den Ärmelkanal nach Europa fahren.

Ein Zug des britischen Bahnbetreibers Virgin an einem Londoner Bahnhof. Der Betreiber könnte künftig auch durch den Ärmelkanal nach Europa fahren.

© Kannapon/imago

Der britische Bahnbetreiber Virgin Trains kommt seinem geplanten Einstieg in den Verkehr durch den Ärmelkanaltunnel näher. Die britische Eisenbahnaufsicht Office of Rail and Road (ORR) hat am Montag den geplanten Streckenzugang für Virgin Trains vorab genehmigt. Damit kann Virgin die Vorbereitungen für Verbindungen von London nach Paris, Brüssel und Amsterdam vorantreiben.

Die Genehmigung erlaubt Virgin, ab dem Jahr 2030 bis zu 20 Hin- und Rückfahrten pro Tag durch den Eurotunnel anzubieten. Sie gilt vom 1. Oktober 2030 bis zum 31. Dezember 2040, wie die ORR mitteilte.

Diese Verbindungen sind geplant

Geplant sind Verbindungen vom Londoner Bahnhof St Pancras zu den gleichen Zielbahnhöfen, die auch Eurostar nutzt: Gare du Nord in Paris, Brussels-Midi und Amsterdam Centraal. Die ORR sprach von einem wichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr Wettbewerb im internationalen Bahnverkehr. Passagiere können damit womöglich auch auf günstigere Tickets hoffen.

Ganz abgeschlossen ist das Genehmigungsverfahren allerdings noch nicht. Die nun erteilte Erlaubnis gilt lediglich für den britischen Streckenabschnitt von St Pancras bis zum Ärmelkanaltunnel bei Dover. Für die Weiterfahrt auf dem europäischen Festland benötigt Virgin noch Zugang zu weiteren Schienennetzen. Außerdem stehen Sicherheitsgenehmigungen britischer und europäischer Behörden aus.

Züge müssen noch beschafft werden

Auch die technische Vorbereitung ist noch nicht abgeschlossen. Virgin plant nach Angaben der BBC, zwölf Hochgeschwindigkeitszüge von Alstom zu kaufen. AFP berichtet ebenfalls von einer entsprechenden Vereinbarung mit dem französischen Hersteller.

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Bereits im vergangenen Jahr hatte die ORR Virgin den Zugang zum Bahnbetriebswerk Temple Mills im Osten Londons genehmigt. Die Anlage ist für die Wartung der größeren internationalen Züge ausgelegt und an die von St Pancras zum Ärmelkanaltunnel führende Hochgeschwindigkeitsstrecke HS1 angebunden.

Eurostar verliert seine Alleinstellung

Seit der Eröffnung des Tunnels im Jahr 1994 ist Eurostar der einzige Anbieter von Personenverbindungen durch den Ärmelkanal. Diese Stellung könnte sich nun ändern. Nach Angaben von The Independent wird die Kapazität des Tunnels derzeit nur zu etwa 50 Prozent genutzt.

Virgin-Chef Richard Branson hatte bereits zuvor für einen Einstieg in den Markt geworben. Er erklärte laut The Independent, es sei an der Zeit, das seit 30 Jahren bestehende Monopol zu beenden und neue Impulse auf der Strecke zu setzen.

Die ORR erwartet durch zusätzliche Anbieter Vorteile für die Fahrgäste. Martin Jones, stellvertretender Direktor für Zugang und internationalen Verkehr bei der Behörde, sagte laut BBC und The Independent: „Dies ist ein wichtiger nächster Schritt, um Wettbewerb und Wachstum auf dem Markt für internationale Bahnverbindungen zu fördern.“

Zugleich gebe es noch weitere Aufgaben zu erledigen. Die Behörde unterstütze Virgin und die gesamte Branche beim Ausbau internationaler Verbindungen.

Weitere Konkurrenz ab 2029

Virgin istnicht das einzige Unternehmen, das einen Einstieg in den grenzüberschreitenden Verkehr plant. Die italienische Staatsbahn FS Italiane Group will nach Angaben der BBC bereits ab 2029 ebenfalls Verbindungen durch den Ärmelkanaltunnel aufnehmen. Betrieben werden sollen sie von der Tochtergesellschaft Trenitalia France.

Für dieses Vorhaben hat Trenitalia France nach Angaben der BBC 19 neue Hochgeschwindigkeitszüge bei Hitachi Rail bestellt. Damit könnte Eurostar bereits vor dem geplanten Start der Virgin-Verbindungen einen weiteren Wettbewerber bekommen.

Eurostar setzt auf eigenes Wachstum

Eurostar reagierte auf die Entscheidung der britischen Aufsicht mit Verweis auf das Wachstumspotenzial des internationalen Bahnverkehrs. Das Unternehmen erklärte laut BBC, die Entscheidung bestätige die Möglichkeiten, mehr Menschen für Zugreisen nach Europa zu gewinnen.

Eurostar wolle sich an dieser Entwicklung beteiligen und zugleich die eigene Flotte weiter ausbauen. Das Unternehmen strebt nach eigenen Angaben an, künftig jährlich 30 Millionen Fahrgäste zu befördern.

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