Fabian Gerber, der Cheftrainer des FC Rot-Weiß Erfurt, besitzt vor dem mit Spannung erwarteten Start der Regionalliga Nordost an diesem Freitag ein Alleinstellungsmerkmal. Der 46-Jährige ist der dienstälteste Coach in dieser Liga in der Saison 2026/27, an deren Ende endlich wieder einmal der Meister dieser Staffel direkt in die 3. Liga aufsteigen wird.
Gerber führt die Rot-Weißen aus Thüringen bereits in seine fünfte Spielzeit in der Regionalliga und erreichte bislang die Plätze drei, 13, drei und fünf. Cheftrainer wurde der Sohn von Franz Gerber, des Erfurter Investors und Geschäftsführers der Fußball-GmbH, schon 2021, als er mit der Mannschaft Platz eins in der Oberliga Süd belegte. Auf die Bezeichnung „dienstältester Coach“ legt der sehr eloquente Fußball-Lehrer keinen großen Wert. Dennoch: Nur Daniel Volbert (BFC Preussen) und Rico Schmitt (FSV Zwickau) sind ähnlich lange in ihren Vereinen tätig wie Gerber.
„Die beste und attraktivste Regionalliga in Deutschland“
Die Meinung von Fabian Gerber vor dem Start ins Abenteuer „Aufstiegskampf“ wird sicherlich von vielen seiner Kollegen genauso gesehen. Er sagte mir: „Diese Regionalliga Nordost ist die beste und attraktivste Regionalliga in Deutschland. Keine andere Staffel besitzt eine solch hohe Dichte an qualitativ starken Mannschaften, die ganz oben mitspielen werden.“ Gerber führt aus: „Mit Drittliga-Absteiger Erzgebirge Aue ist ein Schwergewicht hinzugekommen und leider hat es ja Lok Leipzig nicht geschafft, aufzusteigen in dieser ungerechten Relegation. Es sind nun vielleicht acht Teams, die ernsthaft um den Aufstieg kämpfen werden.“
Gerber, der sich mit Erfurt als ambitionierter Außenseiter sieht, der die ganz Großen ärgern will, erwartet viel Dramatik und prophezeit: „Es wird ein Hauen und Stechen sein. Wenn man den Transfermarkt beobachtet hat, die Transferoffensive der anderen Vereine, das ist ja Wahnsinn. Einige Vereine werden, um hoch zu kommen, finanziell vielleicht auch ‚all-in‘ gehen.“
Berk Inaler, letzte Saison noch in Sandhausen, ist einer der Neuen in Erfurt.
© christian heilwagen/imago
Gerber ist seit Juni dieses Jahres zusätzlich zum Cheftrainer-Posten offiziell Geschäftsführer Sport, hat aber diese Doppelfunktion intern schon mehrere Jahre ausgefüllt. Mit Rot-Weiß wird er sich nicht etwa in ein wirtschaftliches Abenteuer stürzen – schon aufgrund der turbulenten Vergangenheit von RWE. 2018 ging man mit Millionen-Schulden ins Insolvenzverfahren, das erst im Februar 2026 offiziell als beendet erklärt worden war. Aber die aktuelle Erfurter Mannschaft ist durchaus stark einzuschätzen und Platz fünf aus der Vorsaison soll nicht das Ende der Fahnenstange sein. Sechs externe Zugänge sind bislang zu verzeichnen, wobei Berk Inaler vom SV Sandhausen mit 163 Regionalliga-Einsätzen der „Königstransfer“ ist. Allerdings konnte mit Obed Ugondu der beste Torschütze (18 Treffer in der Vorsaison) nicht gehalten werden. Der Angreifer schloss sich Drittligist FC Ingolstadt an. Gerber sieht Erfurt in Sachen Etats der Liga lediglich im Mittelfeld.
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Viele der vielleicht über ein halbes Dutzend Aufstiegskandidaten haben sich personell verstärkt. Meister 1. FC Lok Leipzig und Vizemeister FC Carl Zeiss Jena gehen zudem mit neuen Cheftrainern ins Rennen. Der erfahrene Torsten Ziegner löste den amtierenden Titelträger Jochen Seitz ab, der nach der zweiten verlorenen Relegation seinen Posten aufgab. Und in Jena übernahm Marco Grote, einst Interimstrainer beim 1. FC Union Berlin, das Amt von Volkan Uluc, der nur bei einem Aufstieg als Trainer in Jena bleiben wollte.
Altglienicke ist der Aufstiegsfavorit
Heftige Veränderungen in den Aufgeboten gibt es überall. Erzgebirge Aue hat den Kader nach dem Abstieg aus dem Profifußball nach 23 Jahren für Liga vier fast komplett ausgetauscht, auch der stets ambitionierte Greifswalder FC meldete phasenweise fast täglich Bewegung auf dem Transfermarkt.
Fast alle Cheftrainer haben die VSG Altglienicke ganz oben auf dem Zettel der Aufstiegsfavoriten. Grund ist die große Transferoffensive des Vereins aus dem Südosten Berlins. Neben Zweitliga-Legende Torsten Mattuschka als Sportlicher Leiter und Kaderplaner Michael Steiner arbeiten vor allem die beiden ehemaligen Spieler und Brüder Paul und Johannes Manske am Traum vom Aufstieg. Beide wechselten erst im Januar 2026 ins Management des Vereins und agieren als gleichberechtigte „Geschäftsführer Strategie und Vereinsentwicklung“.
Anthony Barylla (r., hier im Test gegen RB Leipzig) ist einer der erfahrenen Neuen bei der VSG Altglienicke.
© imago/PICTURE POINT/Sven Sonntag
Mit Anthony Barylla (kam aus Aue, 28 Zweitligaspiele und 186 Einsätze in der 3. Liga), John Anthony Brooks (kam von Hertha BSC, 252 Bundesligaspiele, 45 Länderspiele für die USA) und Tolga Cigerci (kam von Energie Cottbus, 70 Bundesligaeinsätze, vier Länderspiele für die Türkei) wurden spektakuläre Transfers getätigt. VSG-Cheftrainer Dan Twardzik (35), einst Torhüter der VSG, spricht selbstbewusst vom Ziel „Aufstieg“, sieht Aue, Chemnitz und natürlich die VSG als mögliche „Top 3“ der Liga. Für viele ist Altglienicke erst einmal der „geheimnisvolle“ Konkurrent.
Und Rot-Weiß Erfurt? Cheftrainer Fabian Gerber bleibt realistisch und sagt vorsichtig, seine Mannschaft will sich jedes Jahr positiv weiterentwickeln. Die Sehnsucht der Fans nach dem großen Wurf aber ist groß.
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