MEXIKO-STADT. Die Panamaer haben den konservativen Oppositionskandidaten Ricardo Martinelli zu ihrem neuen Präsidenten gewählt und damit erstmals seit Jahren wieder eine rechte Regierung in Lateinamerika an die Macht gebracht. Für den 57 Jahre alten Multimillionär stimmten am Sonntag rund 60 Prozent der Wähler. Balbina Herrera von der Regierungspartei PRD kam nur auf 37 Prozent. "Wir werden mit euch den Wandel schaffen", versprach Martinelli seinen Anhängern wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale. "Mehr Sicherheit, mehr Arbeit, mehr Gesundheit und mehr Gleichheit" werde er Panama bringen. Martinelli, Eigentümer der größten Supermarktkette des Landes, trat für den Parteienverbund Demokratischer Wandel an.Das Wahlergebnis habe vor allem innenpolitische Gründe, sagte der Leiter des Studienzentrums Ceaspa in Panama-Stadt, Raúl Leis: "Wir neigen zu einer Protest- und Strafwahl. In den vergangenen 20 Jahren hat immer die Opposition die Präsidentenwahl gewonnen."Die Bevölkerung des kleinen Landes bestrafte die scheidende Regierung des sozialdemokratischen Präsidenten Martín Torrijos vor allem für den dramatischen Anstieg der Gewaltkriminalität und die fehlende Bekämpfung der Korruption. Zudem hat es Torrijos nicht verstanden, das über Jahre kräftige Wirtschaftswachstum zu nutzen, um sozialen Ausgleich zu schaffen. Nach Angaben der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (Cepal) lebt jeder dritte der 3,3 Millionen Panamaer in Armut.Panama war lange Zeit so etwas wie der Tigerstaat Lateinamerikas mit Wachstumsraten von durchschnittlich 8,8 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Rückgrat der Wirtschaft sind der Panama-Kanal, dessen Gebühren rund 40 Prozent der gesamten Staatseinnahmen ausmachen, sowie die Dienstleistungsfirmen und Banken an der Wasserstraße. Landwirtschaftliche Exporte wie Kaffee und Bananen spielen eine geringe Rolle, und die "Maquilas" genannten Lohnveredelungsbetriebe, die es in ganz Zentralamerika gibt, sucht man in Panama vergeblich.Die größte Herausforderung für den Wahlsieger Martinelli wird es sein, die Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise abzufedern. Trotz der Milliarden-Investitionen in den Ausbau des Panama-Kanals bis 2014 wird das Bruttoinlandsprodukt des Landes dieses Jahr nur um rund vier Prozent wachsen. Der Wahlsieger will die Wirtschaft mit Investitionen in Infrastrukturprojekte und einer Einheitssteuer von zehn bis 20 Prozent ankurbeln und so ausländische Investoren anlocken. Martinelli will eine Mindestrente von 100 Dollar einführen und die Preise für die Produkte des Mindestbedarfs senken. Zudem hat er den Bau einer U-Bahn in Panama-Stadt versprochen.Seit dem Wahlsieg von Felipe Calderón in Mexiko im Juli 2006 ist Martinelli der erste rechtsgerichtete Kandidat, der in Lateinamerika wieder eine Präsidentenwahl gewinnt. In diesem Jahr waren in El Salvador und Ecuador die Linkskandidaten Mauricio Funes und Rafael Correa gewählt beziehungsweise im Amt bestätigt worden.------------------------------Foto: Ricardo Martinelli gehört die größte Supermarktkette Panamas.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]