Konzern könnte schon am Sonntag Kleinfeld-Nachfolger präsentieren

Neuer Siemens-Chef in Sicht

Sebastian Wolff
2 Min

BERLIN. In der Führungskrise bei Siemens bahnt sich möglicherweise kurzfristig eine Lösung an. Am Sonntag tritt der Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Unternehmenskreisen zufolge soll es bei dem Treffen auch um Personalfragen gehen. Beobachter rechnen deshalb damit, dass Aufsichtsratschef Gerhard Cromme noch am Sonntag einen Nachfolger für den Konzernchef Klaus Kleinfeld präsentieren könnte, der im Zuge der Korruptionsaffäre seinen Rücktritt angekündigt hat. Kleinfeld steht maximal noch bis zum Herbst zur Verfügung.In den vergangenen Wochen wurde heftig über potenzielle Nachfolgekandidaten für die Siemens-Spitze spekuliert. Als wahrscheinlich gilt, dass sich der Aufsichtsrat auf eine externe Lösung - also auf einen Kandidaten von außen - einigt, der in jedem Fall von der Bestechungsaffäre unbelastet wäre.Mehrere Kandidaten im GesprächAls heißester Anwärter auf den Posten galt lange Zeit der Chef des Industriegasekonzerns Linde, Wolfgang Reitzle. Der hat dem Konzern allerdings vor wenigen Tagen eine Absage erteilt. Einige Beobachter halten diese Aussage aber lediglich für Taktik. Für den Posten kommt Medienberichten zufolge auch der frühere Mercedes-Manager und heutige Haniel-Chef Eckhard Cordes in Frage. Er gilt fachlich als Idealbesetzung.Sollte es doch eine interne Lösung geben, gilt Erich Reinhardt als einer der Favoriten: Der Elektrotechniker hat sich als einer der erfolgreichsten Manager im Konzern profiliert. Gewisse Chancen kann sich auch das Mitglied im Zentralvorstand Hermann Requardt ausrechnen, der als innovationsfreudig und integer gilt. Ausgeschlossen wird aber auch nicht, dass Aufsichtsratschef Cromme selbst das Ruder übernimmt: Er könnte für eine Interimszeit von bis zu zwölf Monaten als Vorstandschef fungieren, damit in aller Ruhe eine ideale Lösung für die Nachfolge an der Konzernspitze gesucht werden kann.Indes verlautete aus Branchenkreisen, dass der derzeitige Leiter der Siemens-Sparte Gebäudetechnologie, Heinrich Hiesinger, in den Zentralvorstand aufrücken könnte und dort den Posten des wegen seiner Verwicklung in die Schmiergeldaffäre beurlaubten Europachefs Johannes Feldmayer übernehmen könnte.Kleinfeld hatte am 25. April seinen Rücktritt als Siemens-Chef angekündigt, nachdem durchgesickert war, dass der Aufsichtsrat die Verlängerung seines Vertrages wegen der ungeklärten Korruptionsaffäre verschieben wollte. Zur Begründung hatte Kleinfeld gesagt, dass er in der aktuell schwierigen Situation bei Siemens seine gesamte Autorität als Vorstandschef einsetzen können müsse. Das gehe aber nicht, wenn er hinterfragt werde. Wenige Tage vor Kleinfelds Ankündigung war Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer zurückgetreten.------------------------------Grafik: Siemens (Kurs)------------------------------Foto: Siemens-Zentrale in München: Der Konzern steckt in einer Führungskrise.

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