BERLIN. Die Deutsche Post steigt nach Milliarden-Verlusten aus dem nationalen Express-Geschäft in den USA aus. Ab Februar 2009 würden keine nationalen Expressdienste in den USA mehr angeboten, teilte Post-Finanzchef John Allan gestern mit. Verbunden mit dem Rückzug sei ein Abbau von rund 15 000 Arbeitsplätzen. Nachdem bereits im Mai 5 400 Jobs bei DHL-Express in den USA abgebaut wurden, sollen weitere 9 500 Stellen gestrichen werden.Wettbewerbs-NachteileDie Post betonte, der Schritt sei wegen der hohen Verluste in den USA erforderlich. Seit ihrem Einstieg auf dem US-Markt Ende der 90er Jahre erwies sich das dortige Inlandsgeschäft als Milliardengrab. "Zwar ist das klassische DHL-Geschäft mit internationalen Express-Sendungen in den USA gut gelaufen, aber das Inlandsgeschäft ist ein großer Verlustbringer", sagte der Hamburger Logistik-Experte und Unternehmensberater Horst Manner-Romberg der Berliner Zeitung. Es sei der Post-Tochter DHL-Express nie gelungen, den Platzhirschen UPS und FedEx auf deren Heimatmarkt wirklich Konkurrenz zu machen. Dies habe auch mit der "massiven Lobby-Arbeit der US-Unternehmen zu tun". Zudem machen der Post bestimmte Handelsbarrieren auf dem US-Markt zu schaffen. So dürfen ausländische Unternehmen in den USA bis heute keine Fluggesellschaften kaufen. Aus diesem Grunde muss die Post in Übersee höhere Kosten verkraften als ihre US-Rivalen. Zuletzt versuchte die Post, das US-Geschäft durch Kooperationen mit UPS und FedEx zu retten, doch die Gespräche scheiterten. Einer der Gründe dürfte sein, dass mit der Finanzkrise und den massiven Problemen der US-Autobauer das Express-Geschäft in den USA einbrach. Das macht auch den Post-Konkurrenten zu schaffen.Die massiven Kosten für den Ausstieg aus dem nationalen Geschäft in den USA sowie "andere Einmaleffekte infolge des wirtschaftlichen Abschwungs" werden der Post im laufenden Jahr voraussichtlich erstmals seit zehn Jahren einen Konzernverlust bescheren, sagte Vorstandschef Frank Appel. Allein durch die Rückzugspläne in den USA würden Kosten von 3,9 Milliarden Dollar anfallen. Der Großteil davon werde bereits 2008 verbucht, was wesentlich zum erwarteten Jahresverlust beitragen werde. Dagegen sollen die operativen Kosten im US-Geschäft von derzeit 5,4 Milliarden Dollar auf weniger als eine Milliarde gedrückt werden.Auch in anderen Sparten will Appel den Rotstift ansetzen und bis Ende 2010 eine Milliarde Euro einsparen. Zu möglichen Auswirkungen auf andere Standorte wollte sich die Post nicht äußern. Die Gewerkschaft Verdi geht davon aus, dass Deutschland vorerst von Stellenstreichungen verschont bleibe. "Dafür gibt es derzeit keine Anzeichen, zumal es bis 2012 Beschäftigungssicherung gibt", sagte Verdi-Sprecher Günter Isemeyer dieser Zeitung. Langfristig schließt Verdi jedoch einen Stellenabbau bei der Deutschen Post nicht aus.------------------------------Logistik bleibt Standbein in den USAGrafik: (3) US-Markt: Trotz des Rückzugs bleibt der US-Markt wichtiges Standbein der Post. Für den internationalen Expressdienst sollen weiter bis zu 4 000 Mitarbeiter bei DHL-Express arbeiten. Von den Einschnitten ebenfalls nicht betroffen sind die 25 000 Beschäftigten der DHL-Logistiksparte (Frachtgeschäft) in den USA. Der Mitarbeiter-Anstieg 2006 ist auf die Übernahme des britischen Unternehmens Exel mit 100 000 Mitarbeitern zurückzuführen.Börse: Die Börse reagierte gestern positiv auf die Post-Pläne. Der Aktienkurs stieg zeitweise um sieben Prozent. Im dritten Quartal legte der Gewinn der Post um 14,8 Prozent auf 653 Millionen Euro zu. Der Umsatz stieg um 4,1 Prozent auf 13,26 Milliarden Euro.------------------------------Foto: Schwarze Zahlen haben die Manager der Post-Tochter DHL-Express im nationalen US-Geschäft noch nie gesehen.
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