BERLIN. Es ist eines der weltweit ehrgeizigsten Projekte zur Förderung von Öko-Energie: Eine Gruppe von zwölf Konzernen will Europa künftig mit Strom aus den Wüsten Afrikas versorgen. Dazu fiel gestern in München der Startschuss. Ziel des Projekts Desertec ist eine emissionsfreie und damit klimafreundliche Energieerzeugung auf dem Gebiet zwischen Marokko und Ägypten in der Sahara. Dafür sollen Investitionen von 400 Milliarden Euro bereitgestellt werden. "Es wird angestrebt, einen Anteil von rund 15 Prozent des Strombedarfs von Europa und einen erheblichen Anteil des Strombedarfs für die Erzeugerländer zu produzieren", erklärten die Betreiber.Unterzeichnet haben die Absichtserklärung die Unternehmen Münchener Rück, Siemens, RWE, Eon, die HSH Nordbank, die Deutsche Bank, die Schweizer ABB sowie die Solarspezialisten und Anlagenbauer MAN Solar Millennium, Abengoa Solar aus Spanien, Schott Solar, Cevital aus Algerien und M+W Zander sowie Vertreter der Politik.In den nächsten drei Jahren sollen die Baupläne fertiggestellt werden. Die Energie will die Desertec-Initiative vor allem in sogenannten Solarthermie-Kraftwerken gewinnen. Diese bündeln das Sonnenlicht durch Spiegel und erhitzen damit ein Spezialöl, das verdampft und Turbinen antreibt, die Strom erzeugen. Über ein neues Hochspannungsnetz soll die Energie nicht nur die Region, sondern auch Europa versorgen. Doch rügen Entwicklungshelfer das Projekt. Derzeit koste die Kilowattstunde aus einem Solarkraftwerk noch 15 bis 20 Cent: "Das ist schlicht und ergreifend für diese Länder viel zu teuer", sagte Dieter Uh von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit.Auch sind zentrale Finanzierungsfragen noch ungeklärt. Die Industrie setzt dabei auf die Politik. "Finanzierungshilfen sind nötig, um schnell voranzukommen", sagte der Aufsichtsratschef der Desertec-Stiftung, Gerhard Knies. Die Bundesregierung hält sich bislang bedeckt. Es stünden EU-Mittel für die Mittelmeerunion von einer Milliarde Euro bereit, sagt Günter Gloser, Staatssekretär im Auswärtigen Amt.Der Bund selbst hat nach Informationen dieser Zeitung bislang nur etwa eine halbe Million Euro für Machbarkeitsstudien ausgegeben. Siemens spricht von einem enormen Potenzial. "Die Wüstenregionen der Erde empfangen in sechs Stunden mehr Energie, als die Menschheit in einem Jahr verbraucht." In der Sahara stehe die Sonne über 4 800 Stunden im Jahr zur Stromerzeugung zur Verfügung - drei Mal länger als in Deutschland.Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte die Initiative. In Afrika und dem Mittleren Osten gebe es für erneuerbare Energien ein "enormes Potenzial". Das Vorhaben sei "sehr ambitioniert". Die Umweltorganisation Greenpeace forderte die Regierung auf, sichere Rahmenbedingungen zu schaffen. Dafür sollten Forschungs- und Fördergelder umgeleitet werden von Atom- und Kohlekraftwerken zum Ausbau erneuerbarer Energien.Ein weiteres Projekt zur Energiesicherheit wurde gestern in der Türkei gestartet. Dabei geht es um die Nabucco-Gaspipeline, mit der Gas vom Kaspischen Meer nach Europa gepumpt werden soll. Die 3 300 Kilometer lange Pipeline soll 2014 fertig sein. Die Kosten werden auf acht Milliarden Euro beziffert.Tagesthema Seite 2------------------------------"Eine sehr eurozentristische Idee." Dieter Uh, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)------------------------------Foto: Dass die Sonne schön wie nie über Deutschland scheint: Solarkraftwerke mit Parabolspiegel (Foto) im Norden von Afrika und in Nahost sollen künftig rund 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs decken.
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