Korruption ist ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Problem -auch in mittelständischen Unternehmen

Eine Hand wäscht die andere

Ariana Mirza
3 Min

Die Versuchung ist groß. Schließlich gehören kleine Gefälligkeiten, Einladungen und Aufmerksamkeiten zum alltäglichen Geschäft. Der eine nimmt, der andere gibt -aber manchmal wird der Austausch illegal. Steffen Salvenmoser von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers spricht davon, dass "in den letzten Jahren jedes zweite Unternehmen von Wirtschaftskriminalität betroffen" war.Ein beträchtlicher Teil dieser Straftaten entfällt auf Korruptionsdelikte. Hier ist die Grauzone besonders groß. "In vielen Betrieben fehlt das Unrechtsbewusstsein", sagt Dr. Andreas Novak, von Transparency International Deutschland (TI). Zudem fördern ei- nige Firmen das kriminelle Verhalten ihrer Angestellten sogar, beispiels- weise durch völlig unrealistische Vertriebsziele. Dadurch geraten die verantwortlichen Mitarbeiter unter Druck und greifen zu unlauteren Mitteln, um das "Soll" zu erfüllen.Zu welchem Vertrauensverlust der Griff in die Schmiergeldkasse führen kann, wurde bei den Skandalen um Siemens und MAN Nutzfahrzeuge offenbar. Aber auch mittelständische Unternehmen verlieren Ansehen und müssen Auftragseinbußen hinnehmen sobald Korruptionsfälle publik werden. Dass solche Verfehlungen in den letzten Jahren häufiger ans Licht kommen, ist zweierlei geschuldet: Zum einen sind Betriebsprüfer seit 1999 dazu verpflichtet, bei Unregelmäßigkeiten die Staatsanwaltschaft zu informieren. Zum anderen gibt es immer mehr mutige Mitarbeiter, die Alarm schlagen. Doch die sogenannten Whistleblower müssen geschützt werden. Deshalb sind firmeninterne Hinweisgebersysteme wichtig, die den Informanten Anonymität gewähren."Der Hinweisgeberschutz muss aber auch gesetzlich geregelt werden", sagt Andreas Novak. Transparency Deutschland fordert zudem ein Zentralregister für Unternehmen, die durch Korruption auffällig geworden sind. "Solche Firmen könnte man beispielsweise auch von öffentlichen Aufträgen ausschließen."Die Einführung des "Mindestens-vier-Augen"-Prinzips bei Verhandlungen erschwert Korruption ebenso wie ein besonderes Augenmerk auf gefährdete Bereiche wie Einkauf oder Vertrieb. So wichtig wie Überwachungssysteme und rechtliche Maßnahmen ist jedoch die Einstellung in der Chefetage. Die strikte und glaubwürdige Ankündigung der Unternehmensleitung, nur mit sauberen Methoden Geschäfte zu machen, besitzt Signalwirkung.------------------------------KorruptionsbekämpfungTransparency International wurde 1993 vom ehemaligen Weltbank-Direktor Peter Eigen gegründet. Der Finanzexperte ist der Ansicht, dass Korruption das größte Hemmnis für den Erfolg entwicklungspolitischer Arbeit darstellt. Seine anfangs belächelte zivilgesellschaftliche Organisation ist inzwischen zum wichtigen Impulsgeber für OECD-Entscheidungen und den weltweiten Kampf gegen die Korruption geworden. Transparency International Deutschland e. V. wird 1995 gegründet. Damals bezweifelten weite Teile der Öffentlichkeit und Politik, dass Korruption in Deutschland überhaupt existiert. Zahlreiche Skandale in den letzten Jahren zeugen vom Gegenteil. Inszwischen sind Bürger, Unternehmen und Behörden für das Thema sensibilisiert worden. Weitere Informationen unter: www.transparency.de------------------------------Foto : Eine Schachtel Pralinen macht Freude, ist aber noch keine Bestechung.

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