POTSDAM. Im Landkreis Teltow-Fläming müssen wohlmöglich die Kommunalwahlen vom 28. September wiederholt werden. Der Grund: Die Zossener Bürgermeisterin Michaela Schreiber soll in ihrem Amtsblatt unzulässige Wahlwerbung betrieben haben. Deswegen hat der Zossener Einwohner Kurt Liebau einen Wahleinspruch eingelegt, den der Kreisausschuss, Kreiswahlleiter Jörg Nagel und auch Experten aus dem Potsdamer Innenministerium für begründet halten. Am 15. Dezember muss jetzt der Kreistag entscheiden, ob er die Wahl dennoch für gültig erklärt - oder die knapp 140 000 Wähler neu abstimmen lässt.Es geht um eine Reihe von Artikeln im "Amtsblatt für Zossen" und dessen Beilage, in denen Michaela Schreiber bis hin zu einem ganzseitigen Porträt über den harten Arbeitsalltag der Bürgermeisterin überaus freundlich dargestellt wird. In Zossen ist Michaela Schreibers Gruppierung Plan B jetzt mit über 30 Prozent stärkste Kraft in der Stadtverordnetenversammlung. Im Kreistag erreichte Plan B aus dem Stand 3,8 Prozent und stellt zwei Abgeordnete. Als Bürgermeisterin konnte Spitzenkandidatin Schreiber ihr Mandat aber nicht antreten und machte für einen Nachrücker Platz.Neutralitätsgebot verletztKurt Liebau findet, Michaela Schreiber habe mit ihrer amtlichen Selbstdarstellung das Verfassungsgebot der Neutralität verletzt. "Es geht mir um die Glaubwürdigkeit der Demokratie und der Verwaltung", sagt der Zossener. Lehnt der Kreistag seinen Einspruch ab, kann Liebau das Verwaltungsgericht anrufen. Wahlrechtsexperten räumen ihm durchaus Chancen auf Erfolg ein. "Ich möchte nicht unbedingt klagen", sagt Liebau. "Aber ich will, dass Kreis- und Stadtparlament Position zu den Vorgängen in Zossen beziehen und sich die Bürgermeisterin zu ihrer Verantwortung bekennt".Für den Landkreis wird die Entscheidung Mitte Dezember in jedem Fall schwierig. Nimmt er den Einspruch an, ließe sich die Wahlwiederholung zumindest auf Zossen beschränken. Entscheiden die Gerichte zugunsten von Liebau, müsste aufgrund der verstrichenen Zeit von wohl über sechs Monaten das Wahlverfahren für den gesamten Kreis bis hin zu Einreichung der Kandidatenlisten neu starten.Bürgermeisterin Schreiber, die ihre politische Karriere bis zu einem Zerwürfnis als parteilose Kandidatin der SPD begann, war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ihr Sprecher hob hervor, dass Schreiber via Amtsblatt nie für Plan B geworben habe.
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