Kreuzberger Geschichten

BLZ
2 Min

Als Eike Stedefeldt im August 1998 von Köpenick nach Kreuzberg zog, hatte der Bezirk 30 Prozent Arbeitslose, 33 Prozent Ausländer und den niedrigsten Sozialindex in ganz Berlin. "Kein Friede mit Schönbohm" prangte es in seiner Straße von den sauber verputzten Wänden, "Solidarität mit den afghanischen Frauen" stand in trittfester Farbe auf dem Trottoir am Mehringdamm. "Es sind ja doch einige neue Eindrücke, die ich als Ossi im Westen bekomme", schrieb Stedefeldt damals dem Herausgeber der Zeitschrift "Ossietzky". Aus diesen Eindrücken entwickelte sich bald eine vierzehntägige Kolumne. Unter dem Titel "Kreuzberger Notizen" nimmt der Autor seitdem seine Leser mit zu Konzerten und ins Theater, zu Travestiebällen oder in Kreuzbergs älteste Schwulenbar, dem "Ficken 3000". Er mischt politisch Brisantes mit scheinbar unwichtigem Kneipengeplänkel, kommentiert Aktuelles und holt nicht selten zu einem kleinen historischen Rundumschlag aus.Im Mittelpunkt seiner Erzählungen steht immer Stedefeldt selbst: mal als schmunzelnder Beobachter, mal als zynischer Kritiker mit erhobenem Zeigefinger. Seine Geschichten sind wie ein Spaziergang durch Kreuzberg, vorbei an Plätzen und Lokalitäten, die es heute zum Teil gar nicht mehr gibt. Für Kreuzberger mag das wie ein Heimatlied klingen. Für Fremde bleibt oft nur der Blick in den Stadtplan.Jetzt sind die Kolumnen der Jahre 1998 bis 2000 im "Kreuzberger Notizbuch" zusammengefasst. Sie verlieren in Buchform jedoch an ihrem ursprünglichen Charme. Die Texte fügen sich bei Lesen schwer aneinander, wirken teils beiläufig und aus ihrem zeitlichen Kontext herausgerissen. Felicia Reinstädt Eike Stedefeldt: Kreuzberger Notizbuch. Ossietzky Verlag, Hannover 2003. 149 S. ,13 Euro.

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