Energiepreise

Krieg in Nahost: Warum Tanken selbst im Frieden noch lange teuer bleiben könnte

Der Vormarsch der Huthi am Roten Meer verschärft die Lage auf dem Ölmarkt. Selbst bei einem Friedensschluss rechnet die Branche erst weit im Jahr 2027 mit einer Normalisierung.

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Kraftstoffpreise über drei Euro je Liter an einer Autobahntankstelle in Nordrhein-Westfalen.

Kraftstoffpreise über drei Euro je Liter an einer Autobahntankstelle in Nordrhein-Westfalen.

© IMAGO/Marc John

Wer derzeit tankt oder Heizöl für den Winter bestellt, bekommt die Kriege im Nahen Osten direkt zu spüren. Der Ölpreis ist zuletzt deutlich über 100 Dollar je Barrel gestiegen. „Noch stärker aber sind am Weltmarkt die Notierungen für Benzin und vor allem Diesel und Heizöl nach oben gegangen“, teilt Alexander von Gersdorff, Sprecher des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie (en2x), auf Anfrage dieser Zeitung mit. Das mache sich an den Tankstellen weltweit bemerkbar. Auch die USA verzeichneten Rekordpreise für Diesel.

Mit dem Vormarsch der Huthi im Jemen ist ein weiterer Risikofaktor hinzugekommen. In der vergangenen Woche brachte die Miliz unter anderem die Insel Perim am Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle. Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist eine der wichtigsten Seerouten zwischen Europa und Asien.

Für den Ölmarkt ist das heikel, weil die Straße von Hormus durch den Krieg zwischen den USA und Iran ohnehin stark beeinträchtigt ist. Saudi-Arabien hatte seine Exporte deshalb teilweise ans Rote Meer verlagert. Dafür nutzt das Königreich die rund 1200 Kilometer lange East-West-Pipeline, die Öl aus dem Osten des Landes an die Westküste bringt und mehrere Millionen Barrel pro Tag transportieren kann.

Nach einem Drohnenangriff stand die Leitung zuletzt vorübergehend weitgehend still. Riad macht dafür iranisch verbundene Milizen im Irak verantwortlich. Tanker, die vom Roten Meer aus nach Asien fahren, müssen zudem den Bab al-Mandab passieren, wo die Huthi nun ihre Position ausgebaut haben.

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Ein Engpass muss Deutschland nicht direkt erreichen, um die Preise hierzulande zu treiben. Öl wird auf einem Weltmarkt gehandelt. Werden Transporte riskanter, meiden Reedereien bestimmte Routen und Versicherungen werden teurer. Reuters berichtete zuletzt von Rekordständen bei den Frachtraten für Öltanker.

Den stärkeren Preisanstieg bei Kraftstoffen erklärt en2x vor allem mit kriegsbedingten Raffinerieausfällen in Nahost und Russland. Diese Anlagen hätten vor allem Diesel geliefert, Heizöl sei ein ähnliches Raffinerieprodukt. Fehlt Verarbeitungskapazität, können die Preise für Diesel und Heizöl deshalb deutlich stärker steigen als der Rohölpreis.

Warum die Huthi schwer zu stoppen sind

Technisch ist Saudi-Arabien den Huthi weit überlegen. Das Königreich hat Milliarden in Kampfjets und Luftabwehr investiert. Die Miliz setzt dagegen auf vergleichsweise billige Drohnen und Raketen, die sie in großer Zahl einsetzen und rasch ersetzen kann. Abfangraketen kosten oft ein Vielfaches der Waffen, die sie abwehren sollen. Vertreter aus dem Westen und der Region nannten gegenüber Reuters zudem die Zersplitterung der Huthi-Gegner und Schwächen der saudischen Führung als Gründe für den Vormarsch.

Start einer Drohne auf einem von den Huthi verbreiteten Propagandabild.

Start einer Drohne auf einem von den Huthi verbreiteten Propagandabild.

© Mohammed/Imago

Für den Ölmarkt bleibt die Region damit ein dauerhaftes Risiko. Die Huthi müssen die Meerenge dafür nicht vollständig kontrollieren. Schon die Aussicht auf weitere Angriffe kann Reedereien zu Umwegen zwingen.

Wann sich die Preise normalisieren könnten

Konkrete Prognosen gibt der Verband nicht ab. Entscheidend sei die weitere Entwicklung im Nahen Osten. Bei einem Friedensschluss „würden sich auch die Kraftstoffpreise allmählich beruhigen“, so von Gersdorff. Bis zu einer völligen Normalisierung dauere es aber bis weit ins Jahr 2027, „denn es ist viel Raffineriekapazität verlorengegangen“.

Andere Einschätzungen gehen in dieselbe Richtung. Die Analysten der Bank HSBC haben ihre Prognose für die Ölsorte Brent für 2026 von 80 auf 90 Dollar je Barrel angehoben. Für 2027 erwarten sie im Schnitt 85 statt zuvor 65 Dollar. Die US-Energiebehörde EIA hält es für möglich, dass sich die globalen Ölströme erst im zweiten Quartal 2027 weitgehend normalisieren. Solange die Vorräte aufgezehrt seien, blieben die Preise erhöht.

Für Autofahrer und Heizölkunden heißt das, dass selbst eine rasche Waffenruhe die Preise nur allmählich sinken lassen würde.

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