Erstmals ermittelt die Staatsanwaltschaft mit allen Mitteln gegen Bankvorstände wegen ihres Versagens vor der Finanzkrise. Das gab es noch nicht, weder hier noch anderswo. Hochspannend wird, wie die Strafverfolger weiter verfahren. Erklären sie die LBBW zum Sonderfall, weil dort mit besonderem Vorsatz gezockt wurde? Dann ist es ein brisanter Fall. Begründen sie ihr Vorgehen dagegen aus dem generellen Vorwurf, dass die Krise vorhersehbar war, handelt es sich um eine Sensation. Die Formulierung der Staatsanwaltschaft, die gestern benutzt wurde, spricht für Letzteres. Sie wirft den Beschuldigten schließlich lediglich sehr allgemein vor, seit Ende 2006 in riskante Papiere investiert zu haben, obwohl deren Wertverfall schon absehbar war.Geht es danach, müssten die gesamten Vorstände fast aller deutschen Banken wegen schwerer Untreue angeklagt werden - riskante Geschäfte trotz absehbarer Krise gab es schließlich auch bei der Hypo Real Estate, bei der IKB, der BayernLB, der Commerzbank, der Dresdner Bank .Es wäre eine gewaltige Abrechnung, die die meisten Bürger bejubeln würden. Und gleichzeitig ein gewagtes Manöver: Vorsatz, der für den erfüllten Tatbestand der Untreue verlangt wird, ist in der Wirtschaftskriminalität notorisch schwer nachzuweisen. Der Fall Siemens hat aber gezeigt, dass selbst eingestellte Ermittlungen gegen Vorstände die Möglichkeit eröffnen, Schadenersatz einzuklagen. Das wäre nach der unsäglichen Bonusorgie auch schon etwas.
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