Die finanziell stark angeschlagene Arbeiterwohlfahrt (AWO) will sich offenbar endgültig von ihren drei eigenständigen regionalen Pflegegesellschaften trennen. Seit Anfang der Woche heißt der neue Besitzer der Pflegegesellschaft Südwest "Senioren in Berlin GmbH" - zuständig für vier Bezirke. Wie AWO-Landesgeschäftsführer Hans-Wilhelm Pollmann am Dienstag zur "Berliner Zeitung" sagte, wird die Wohlfahrtsorganisation als offizieller Gesellschafter voraussichtlich schon zum 1. Dezember auch für die Pflegegesellschaften Nord und Südost neue Eigner suchen. Neben "Senioren in Berlin" gebe es noch einen weiteren Interessenten. Gespräche mit der Diakonie waren gescheitert. Offenbar steht damit die Zukunft der insgesamt elf Sozialstationen auf dem Spiel. Nach Angaben einer Sprecherin der Gewerkschaft Verdi ist nach der Übernahme von Südwest schon Anfang dieser Woche eine von vier dort angesiedelten Sozialstationen, nämlich Mariendorf-Tempelhof, geschlossen worden. Das Mobiliar soll bereits abtransportiert worden sein. Die erst vor wenigen Tagen informierten 340 Mitarbeiter aus Südwest fürchten nun um ihre Arbeitsplätze. Viele der Beschäftigten arbeiten Teilzeit. Besonders betroffen sind die so genannten Einsatzleitungen, die die Hauspflege koordinieren.Aber auch die Zukunft der fast 600 Mitarbeiter in den beiden verbliebenen Pflegegesellschaften Nord und Südost scheint ungewiss. Wie aus Mitarbeiterkreisen verlautete, machen die Gesellschaften monatliche Verluste von schätzungsweise bis zu einer halben Million Mark.Pollmann hofft, dass die Gewerkschaft einem Nottarifvertrag zustimmt, der unter anderem zehnprozentige Lohnverluste und Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld vorsieht. Bei einem Spitzengespräch mit der Verdi-Landesvorsitzenden Susanne Stumpenhusen am kommenden Dienstag soll darüber erneut diskutiert werden. Die Gewerkschaft verlangt allerdings ebenso wie ein Unternehmensberater im Gegenzug ein tragfähiges Sanierungskonzept. Mitarbeiter der Pflegegesellschaften bezweifeln, dass dies gelingt. "Der Laden ist nicht mehr zu retten", sagt auch eine Verdi-Sprecherin. Ein Großteil der alten AWO würde dann nicht mehr existieren.
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