Russland knüpft die Wiederaufnahme regulärer Flugverbindungen nach Kuba an eine stabile Versorgung der kubanischen Flughäfen mit Flugkerosin. Das sagte der russische Verkehrsminister Andrej Nikitin in einem am Montag verbreiteten Interview mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti vor dem Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok.
Man sei daran interessiert, die Reisemöglichkeiten zwischen beiden Ländern wiederherzustellen, und stehe in ständigem Kontakt mit den kubanischen Kollegen, sagte Nikitin. Um die Verbindungen in ihrem früheren Umfang wieder aufzunehmen, müssten für die Fluggesellschaften jedoch „absolut stabile und sichere Bedingungen“ geschaffen werden.
Sobald sich die Lage beim Flugkerosin auf Kuba vollständig normalisiert habe, könne Russland unverzüglich zur vollständigen Wiederherstellung übergehen.
Airlines behelfen sich mit Tankstopps
Die russischen Linienflüge sind seit Februar 2026 ausgesetzt. Die Fluggesellschaften Rossija und Nordwind kündigten am 11. Februar die Aussetzung ihrer regulären Verbindungen an, nachdem Kuba nach Angaben des kubanischen Portals CiberCuba den Treibstoff Jet A-1 an seinen neun internationalen Flughäfen nicht mehr sicher bereitstellen konnte.
Rossija, die zur Aeroflot-Gruppe gehört, strich alle weiteren Kuba-Flüge ab dem 24. Februar. Zwischen dem 13. und 22. Februar wurden Sonderflüge organisiert, mit denen rund 4300 auf der Insel festsitzende russische Touristen zurückgeholt wurden.
Die Airlines, die Kuba weiterhin anfliegen, umgehen die fehlende Betankungsmöglichkeit auf unterschiedliche Weise. US-Gesellschaften wie American Airlines, Southwest und Delta nehmen für ihre vergleichsweise kurzen Kuba-Verbindungen genügend Kerosin bereits am Ausgangsflughafen mit.
Auf Langstrecken werden dagegen Tankstopps eingeplant. Air Europa lässt den Rückflug von Havanna nach Madrid dafür in der Dominikanischen Republik zwischenlanden, zuletzt in Punta Cana.
Ausgedünntes Streckennetz
Ein Blick auf die Flugtafeln zeigt, wie stark Kubas internationale Anbindung ausgedünnt ist. In Havanna stehen weiterhin Maschinen aus Miami, Cancún, Mexiko-Stadt, Panama-Stadt, Santo Domingo und Tampa auf dem Plan. Auch Holguín und Santa Clara werden noch mit Miami verbunden.
Russische Individualreisende müssen derzeit über Drittstaaten anreisen. Das russische Generalkonsulat nennt vor allem Routen über Panama und Mexiko: etwa von Moskau über Istanbul nach Panama-Stadt und mit der Airline Copa weiter nach Havanna oder über Istanbul nach Mexiko-Stadt und von dort mit Aeromexico auf die Insel. Beide Verbindungen sind Anfang September buchbar.
Energiekrise trifft Tourismus
Der Treibstoffmangel im Luftverkehr ist Teil einer umfassenderen Energiekrise. Der kubanische Minister für Energie und Bergbau, Vicente de la O Levy, hatte im Mai laut CiberCuba erklärt, das Land habe weder Schweröl noch Diesel und keine Reserven mehr. Regelmäßige Treibstofflieferungen habe Kuba seit Dezember 2025 nicht mehr erhalten.
Verschärft wurde die Lage durch eine US-Ölblockade: Seit Januar 2026 drohen die USA Staaten, die Kuba mit Öl beliefern, zusätzliche Zölle an. Eine russische Lieferung von rund 100.000 Tonnen Rohöl Ende März – der zuletzt eingetroffene Tanker – war Anfang Mai aufgebraucht.
Die auf eine politische Destabilisierung Kubas zielende US-Politik hat die Wirtschafts- und Energiekrise im Land verschärft. Strom ist nur noch für wenige Stunden am Tag verfügbar, Lebensmittel verderben, Pumpen zur Wasserversorgung können nicht betrieben werden, auch das Gesundheitswesen ist stark beeinträchtigt. Die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen warnen vor einer humanitären Krise.
Tanker drehte ab
Ein zweiter angekündigter russischer Tanker erreichte Kuba nicht. Die „Universal“, die nach Angaben des Finanzdienstes Bloomberg rund 270.000 Barrel Diesel geladen hatte, stoppte Mitte April etwa 1000 Meilen vor der Insel im Atlantik und drehte nach Wochen des Wartens ab. Der Tanker brachte den Diesel nicht nach Kuba und lief später Brasilien an.
Der 183 Meter lange Panamax-Tanker war am 6. April aus dem russischen Ostseehafen Vistino ausgelaufen und wurde nach der Passage des Ärmelkanals zeitweise von der Fregatte „Admiral Grigorowitsch“ begleitet. Politische Beobachter führen den Grund für den Kurswechsel auf eine fehlende politische Freigabe aus Moskau angesichts auch militärischer Drohungen Washingtons gegenüber Havanna zurück.
Solarausbau mit China
Kubas täglicher Treibstoffbedarf liegt bei rund 100.000 Barrel. Etwa 40 Prozent des Verbrauchs deckt das Land aus eigener Förderung und Produktion.
Als Teillösung im Energiesektor treibt Havanna gemeinsam mit China den Ausbau der Solarenergie voran: Shanghai Electric und die kubanische Unión Eléctrica errichten weitere Solarparks mit mehr als 120 Megawatt Leistung, bis 2028 sollen es insgesamt 92 Anlagen mit zwei Gigawatt sein. Der tägliche Spitzenbedarf des Landes liegt bei rund 3500 Megawatt.
Parallel läuft ein Programm mit 5000 von China gespendeten Zwei-Kilowatt-Anlagen, die netzunabhängig Polikliniken, Altenheime, Bankfilialen und Funkmasten mit Strom versorgen sollen.
Selbsthilfe im Tourismus
Größere Hotels und besser ausgestattete Privatunterkünfte versuchen, sich vom maroden Stromnetz unabhängig zu machen. Zum Einsatz kommen Dieselgeneratoren sowie Solaranlagen mit Batteriespeichern. In privaten Unterkünften, den Casas Particulares, halten kleinere Anlagen zumindest Licht, WLAN oder einzelne Geräte am Laufen. Generatoren lösen das Problem allerdings nur, solange ihre Betreiber an den ebenfalls knappen Treibstoff kommen.
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Kubas Tourismus ist in diesem Jahr weiter eingebrochen. In der ersten Jahreshälfte kamen 387.591 internationale Besucher auf die Insel, 60,7 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2025. Besonders stark fiel der russische Markt zurück: Statt 64.010 kamen nur noch 21.235 Besucher aus Russland, ein Minus von 66,8 Prozent. Noch 2025 war Russland mit 131.882 Reisenden nach Kanada der zweitwichtigste ausländische Quellmarkt.
Neue Direktverbindung ab Frankfurt
Aus Deutschland gibt es neben Umsteigeverbindungen ab September wieder eine direkte Kuba-Route. Vom 2. September an steht einmal wöchentlich ein Euroairlines-Flug von Frankfurt nach Holguín im Flugplan.
Nach Havanna kommt man derzeit etwa mit Air Europa über Madrid, unter anderem ab Frankfurt und München. Eine Nonstopverbindung von Frankfurt nach Havanna ist erst ab Oktober vorgesehen.
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