Kuba steckt in einer sich dramatisch zuspitzenden Energie- und Versorgungskrise. Auslöser ist vor allem der wachsende Druck der Vereinigten Staaten, der die Insel weitgehend von Öllieferungen aus dem Ausland abgeschnitten hat. Besonders der Ausfall von Lieferungen aus Venezuela hat dazu geführt, dass es an Treibstoff für Stromerzeugung, Transport und Industrie fehlt.
Die Regierung in Havanna reagiert mit landesweiten Rationierungen: Gesundheitsversorgung, Nahverkehr und Bildungsangebote werden eingeschränkt, selbst der internationale Flugverkehr ist betroffen. Andere mögliche Lieferanten sind bislang kaum eingesprungen. Algerien und Russland liefern seit dem vergangenen Jahr keine nennenswerten Mengen mehr. Damit verschärft sich eine ohnehin historische Krise weiter – das Leben der Bevölkerung, seit Jahren von Mangel geprägt, wird von Woche zu Woche spürbar bedrohlicher.
Erst am Montag stellte die kanadische Fluggesellschaft Air Canada ihre Flüge nach Kuba ein. Grund sei der Mangel an Kerosin auf der Insel. Air Canada kündigte an, lediglich sogenannte Überführungsflüge durchzuführen, um rund 3000 gestrandete Passagiere aus Kuba zurück nach Kanada zu bringen. Für verbleibende Flüge werde Treibstoff aus dem Ausland mitgeführt oder Zwischenlandungen zum Auftanken eingelegt.
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Auch europäische Airlines betroffen
Auch andere Airlines müssen ihre Abläufe anpassen. Die spanischen Fluggesellschaften Iberia und Air Europa erklärten, ihre Verbindungen nach Havanna fortzusetzen, allerdings mit Tankstopps in der Dominikanischen Republik. US-Fluglinien wie American Airlines und Delta teilten mit, sie könnten ihre Maschinen mit ausreichend Treibstoff für Hin- und Rückflug beladen.
Kubas Regierung hatte Fluggesellschaften zuvor offiziell darüber informiert, dass zwischen dem 10. Februar und dem 11. März kein Kerosin zur Verfügung stehen werde. Der Schritt trifft besonders den Tourismussektor. Kanada ist Kubas wichtigster Herkunftsmarkt. Nach Angaben des staatlichen Statistikamtes kamen im vergangenen Jahr mehr als 754.000 Besucher aus Kanada auf die Insel.
Kliniken rationieren Behandlungen
Die Energieknappheit wirkt sich inzwischen auf zentrale Bereiche des öffentlichen Lebens aus. Kubas Regierung kündigte an, Krankenhausaufenthalte und planbare Operationen zu begrenzen und medizinische Ressourcen auf Notfälle zu konzentrieren.
Gesundheitsminister José Ángel Portal Miranda erklärte, Ziel sei es, „die grundlegenden Dienste aufrechtzuerhalten und Ressourcen dort zu bündeln, wo sie am dringendsten benötigt werden“. Seit dem vergangenen Wochenede werden nur noch Not- und dringende Operationen durchgeführt, sowie bestimmte Fälle, die das Leben des Patienten gefährden. Das bedeutet, dass der Zugang zu geplanten Eingriffen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt ist.
Darüber hinaus wurden Schulzeiten verkürzt, Großveranstaltungen verschoben und der öffentliche Nahverkehr erheblich eingeschränkt. Viele Regionen leiden unter stundenlangen Stromausfällen. Wie so oft in Kuba bilden sich an Tankstellen lange Schlangen. Wartende campieren teilweise tagelang vor den Zapfsäulen – ohne Erfolg.
Havanna: Menschen warten auf den Einstieg in ein Verkehrsmittel.
© Ramon Espinosa/AP
US-Druck verschärft Lage in Kuba
Nach Einschätzung kubanischer Regierungsvertreter ist die Krise vor allem eine Folge der US-Sanktionen, berichtet CNN. Washington versucht demnach, die sozialistische Führung in Havanna von Öllieferungen aus der Region abzuschneiden. US-Präsident Donald Trump erklärte, Kuba könne eine vollständige Unterbrechung vermeiden, wenn es zu einem Abkommen mit den USA bereit sei. Dazu könnte auch die Rückgabe von Eigentum gehören, das nach der Revolution von 1959 enteignet wurde.
Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel hat sich zu Gesprächen mit der US-Regierung erklärte sich. „Kuba ist bereit, mit den USA in einen Dialog zu treten, einen Dialog über jedes Thema“, sagte Díaz-Canel am Donnerstag im kubanischen Staatsfernsehen. Allerdings müssten solche Gespräche „ohne Druck oder Vorbedingungen“ und unter Wahrung der Souveränität des Landes stattfinden.
Russland kritisierte die Sanktionspolitik der Vereinigten Staaten gegenüber Kuba und Venezuela scharf und bezeichnete diese als neokoloniale Praxis. Außenminister Sergej Lawrow erklärte am Dienstag, der Kampf gegen derartige Maßnahmen stehe weiterhin im Fokus russischer Außenpolitik. Russland bezeichnete die Lage in Kuba als „wirklich kritisch“. Kremlsprecher Dmitri Peskow warf den USA vor, Havanna wirtschaftlich „in den Würgegriff“ zu nehmen. Moskau prüfe Möglichkeiten zur Unterstützung.
Kuba-Hilfe: Mexiko im außenpolitischen Dilemma
Mexiko gerät in der kubanischen Energiekrise zunehmend unter Druck, weil das Land nach dem weitgehenden Ausfall venezolanischer Lieferungen zu einem der wichtigsten verbliebenen Energielieferanten Havannas geworden ist. Seitdem Washington den Druck auf regionale Partner erhöht, die Öl nach Kuba liefern, steht Mexiko vor einem außenpolitischen Dilemma: Einerseits will die Regierung in Mexiko-Stadt humanitäre Unterstützung leisten und eine weitere Zuspitzung der Lage auf der Insel verhindern, andererseits drohen wirtschaftliche Konsequenzen im Verhältnis zu den USA.
Präsidentin Claudia Sheinbaum kündigte dennoch an, Kuba weiter zu unterstützen. Am Sonntag schickte Mexiko mehr als 800 Tonnen humanitäre Hilfsgüter auf die Insel. Sanktionen, die die Bevölkerung träfen, seien „nicht richtig“, sagte Sheinbaum. Mexiko bemüht sich demnach, seine Hilfe als humanitäre Unterstützung zu begründen, während Trump wiederholt forderte, dass Lieferungen aus Mexiko eingestellt werden oder an Bedingungen geknüpft werden müssten.
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